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Mad Max: Fury Road

Mad Max: Fury Road

Ein Film von George Miller

Über 30 schier endlose Jahre sind nun schon ins Land gezogen, seitdem Mel Gibson zum ersten Mal in die Rolle des Max Rockatansky geschlüpft ist und in George Millers Kultfilm „Mad Max“ eine der ikonischen Figuren seiner Filmographie zum Leben erwecken konnte. Mit „Mad Max II – Der Vollstrecker“ hat man 1981 auch mit einem der besten Action-Kracher aller Zeiten nachgelegt, um die Reihe dann vier Jahre später mit dem enttäuschenden „Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“ zu einem doch recht unrühmlichen Abschluss zu führen. Bis jetzt. Man soll es nicht für möglich halten, aber das Schicksal meinte es sehr gut mit den Filmfreunden und hat ihnen mit „Mad Max: Fury Road“ tatsächlich einen vierten Teil spendiert – Inszeniert von dem bereits 70-jährigen George Miller. Dass das Ganze, trotz dieser eigentlich vielversprechenden Voraussetzung, auch deftig in die Hose gehen könnte, haben allerdings schon viele andere Fortsetzungen, Reboots und Remakes in der Vergangenheit bewiesen.

Aber es ist ja auch ein wahrer Knochenjob, den Geeks und Fans eines bestimmten Produkts vollends gerecht zu werden. Dass George Miller die Erwartungen der „Mad Max“-Anhängerschaft nicht nur bestätigt, sondern glatt übertroffen hat, ist ein wahrer Segen – Und genau das trifft dann auch rückwirkend auf „Mad Max: Fury Road“ zu. Dieser Film ist ein wahres Geschenk für die kontemporäre Kinolandschaft und ein berauschender Gegenentwurf zu „
Avengers: Age of Ultron
“ und Co, die ihre filmische Komfortzone in der schieren Sturheit eingerichtet haben, um dem Massenpublikum das zu bieten, was es für den schnellen Happen zwischendurch benötigt: Abziehbildchen, synthetische Set Pieces und plakative Wertevorstellungen. Und diesen enervierenden Gegebenheiten stellt sich „Mad Max: Fury Road“ als wahre Antithese gegenüber. George Miller weiß hier von Beginn an, wie er den Film aufbauen und entwickeln muss, so dass sich das Konzept über eine Laufzeit von 120 Minuten zu keiner Zeit erschöpft.

Mad Max: Fury RoadMad Max: Fury RoadMad Max: Fury Road

„Mad Max: Fury Road“ verzichtet auf jeden Expositionszinnober, sondern geht direkt in die Vollen: Von den Warboys übermannt, wird Max (Tom Hardy) in die Zitadelle des Despoten Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) geführt, der von seinen blassen Vasallen wie ein religiöser Führer verehrt wird. Hier soll Max als Blutreservoir für Nux (Nicholas Hoult) dienen. Zeitgleich entscheidet sich Imperator Furiosa (Charlize Theron) dafür, mit einer Gruppe Frauen Reißaus zu nehmen, anstatt zu ihrem Gebieter Immortan Joe zurückzukehren. In diesen Tagen ist nicht allein Wasser das höchste Gut, sondern auch Frauen, die Immortan Joe systematisch als Zapfanlage und Brutstätten ausnutzt. Die sich sodann anbahnende Verfolgungsjagd zwischen den Warboys und Furiosa wird mit Sicherheit in keinem Abschlussbericht diesen Jahres fehlen, wenn es darum geht, welche Szenen sich im Kinojahr 2015 so richtig tief in die Gehirnwindungen eingefräst haben. Und das hat seinen Grund: Lange nicht mehr hat es ein Film geschafft, die computergenerierten Effekte mit realen Bestandteilen so gekonnt abzumischen, um daraus einen Eindruck purer graphischer Analogizität zu formen.

Eigentlich hat der Hochleistungsrechner in so gut wie jeder Szene nachgeholfen, das steht nun fest, allerdings nutzt „Mad Max: Fury Road“ den Einsatz dieser digitalen Unterstützung äußerst geschickt: Die Schauspieler wurden (bis auf einige Ausnahmen, zum Beispiel die famose Sequenz im Inneren des Sandsturmes) tatsächlich in die halsbrecherischen Situationen geworfen, sind mit über 160 km/h durch die Gegend gebrettert und mussten dabei von einem Boliden zum Gegenüberliegenden hechten, während der Computer die Hintergründe, den Himmel, das Kolorit der Bildauflösung bearbeitet hat. Die Action-Szenen aber müssen, sofern man etwas mit diesem Sujet anfangen kann, als Meisterleistung beschrieben werden, was natürlich auch nicht unwesentlich mit John Seales hervorragender Kameraarbeit und der musikalischen Untermalung von Junkie XL zusammenhängt: „Mad Max: Fury Road“ wirbelt dermaßen viel Staub auf, dass es einem vor der Leinwand selbst schwerfällt, Luft zu holen. Wenn die motorisiert-röchelnden Schlachtrösser aufeinanderprallen, entfacht sich eine wahre Urgewalt von Feuerbrunst.

Mad Max: Fury RoadMad Max: Fury RoadMad Max: Fury Road

Was George Miller hier in all seiner sich vollends auszahlenden Erfahrung auf die Beine gestellt hat, ist ein von der ersten bis zur letzten Einstellung brillant rhythmisierter Sinnesrausch, paralysierendes Bewegungskino, ein fetziger Tanz der Partikel, intensiviert durch die drängende Kraft kreischender E-Gitarren-Soli und dem dröhnenden Grollen, wie es sich einzig im Herzen einer Gewitterfront bündelt. „Mad Max: Fury Road“ ist einer der Filme, bei dem man wirklich glaubt, ein jedes Blinzeln reiße sich zusehends ein Stück zu viel dieser durch und durch archaischen Brillanz unter den Nagel – Eben ein Paradebeispiel dafür, wozu Bilder in der Lage sind zu erzählen, wenn man ihnen nur das Wort erteilt. Und das gilt auch für die emotionale Grundierung der Geschichte. Sowohl Max als auch Furiosa sind Charaktere, die ihre innere Zerrissenheit nicht verbalisieren müssen, „Mad Max: Fury Road“ lässt den Zuschauer die Landschaften in ihrer Mimik erkunden; die Schuldgefühle, die Suche nach einem Sinn, nach Erlösung und einer Zukunft.

George Miller dramatisiert das Szenario nicht, er weidet sich nicht an plumper Melodramatik oder Psychologisierung, „Mad Max: Fury Road“ berührt vielmehr durch das, was nicht ausgesprochen wird, das, was man nicht sieht, aber fortwährend spürt. Mad Max und Furiosa sind, genau wie der Satellit, der unter unzähligen Sternen am Firmament einsam seine Runden zieht, Überbleibsel der alten Welt: Und weil sie miterlebt haben, dass dieser Zustand, in dem sich die Welt nun mal befindet, durch das Handeln des Menschen verschuldet wurde, bleibt keine Zeit, die Verantwortung für ihr Tun abzutreten. Furiosa und die Damen auf ihrer Rückbank haben die Chance ergriffen, den Qualen unter der Führung Immortan Joe zu entfliehen, sie allerdings suchen keinen Neuanfang, der nur ihnen das verlorengeglaubte Heil verspricht, sondern allen, die bereit sind, einen Ausbruch in Angriff zu nehmen. Schlussendlich müssen Max und Furiosa allerdings einsehen, dass es nicht die Flucht ist, die die Lage verändern könnte, sondern die Konfrontation mit dem Übel – und damit in gewisser Weise auch mit ihren Erinnerungen, ihrem Scheitern, ihrem wahren Ich.

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Es ist nicht nur das allseits verschrieene Manifest des Wahnsinns, für das „Mad Max: Fury Road“ einsteht. George Miller hat genauso eine Ode an den Kampf für die Freiheit als auch eine Hommage an die Frau und ihre unbändige Willensfähigkeit inszeniert. Diese grell-groteske, postapokalyptische Oper wird von einem Dirigent in Schacht gehalten, der versteht, wie man Charaktere in einem so stringent nach vorne gerichteten Film zeichnet, wie man ihnen eine gewisse Tiefe zugesteht und darüber hinaus auch noch einen überzeitlichen Zusammenhalt kreiert. Immortan Joe, dieser längst verblichene Kämpe vergangener Tage, geriert sich in Rüstung und hinter furchteinflößender Maske als die letzte Konstante dieser von jeder Ordnung befreiten Welt: In Wahrheit bildet seine Figur nur die Spitze eines an den blinden Gehorsam gekoppelten Zerrbildes religiösen Fanatismus – Und den gilt es zu zerschlagen. „Mad Max: Fury Road“ ist tatsächlich dieses stimulierend-euphorisierende Erlebnis, von dem an allen Ecken und Enden gesprochen wird, es ist ein kinetisches Genre-Meisterwerk, das von so reichen Bilder zehrt, dass es ein wahrer Genuss ist. Believe the hype.

Cover & Szenenbilder: © Kennedy Miller Mitchell, Village Roadshow Pictures.

Eine Rezension von Pascal Reis
(30. Juli 2015)
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Daten zum Film
Mad Max: Fury Road AU 2015
(Mad Max: Fury Road)
Regie George Miller Drehbuch George Miller, Nick Lathouris, Brendan McCarthy
Produktion Kennedy Miller Mitchell, Village Roadshow Pictures Kamera John Seale
Darsteller Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hoult, Hugh Keays-Byrne, Rosie Huntington-Whiteley
Länge 121 Minuten FSK ab 16 Jahren
Filmmusik Junkie XL
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