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von Andreas Schaap




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Die Schneekönigin

Die Schneekönigin

Ein Film von Gennadi Kazansky

1845 veröffentliche der dänische Schriftsteller und Dichter Hans Christian Andersen erstmals sein in sieben Geschichten gegliedertes Märchen "DIE SCHNEEKÖNIGIN", welches seitdem in diversen Varianten das Licht der Theater- und Filmwelt erblickt hat. Zu Beginn seiner Erzählung berichtet Andersen von einem seltsamen Spiegel, der von einem bösen Zauberer, dem Teufel gar, erschaffen wurde und in welchem alles Schöne und Gute der Welt merkwürdig verzerrt und grotesk verunstaltet erschien. Eines Tages fiel der Spiegel durch eine Unachtsamkeit zu Boden und zersprang in unzählige Stücke, von denen einige nicht größer als ein Sandkorn waren. Geschah es nun, dass ein argloser Mensch von einem dieser Splitter ins Herz getroffen wurde, so wurde dieses zu einem Klumpen aus Eis, kalt und gefühllos. Und fand ein Splitter den Weg in das Auge eines Menschen, so war dessen Wahrnehmung fortan ebenso verzerrt wie es das Spiegelbild des magischen Schauglases gewesen war, denn jeder einzelne Splitter hatte dieselben Eigenschaften geerbt.

Diese Episode, die bereits zu Beginn der Erzählung Schlimmes erahnen läßt, fehlt in Gennadi Kazanskys Adaption. Die unheilvollen Ereignisse, die sich hieraufhin entwickeln, sind jedoch dieselben. Auch im Film wird das so idyllische Leben der kleinen Gerda (Lena Proklova) auf dramatische Weise verändert, als sich ihr Spielgefährte Kai (Slawa Zjupa), welcher ihr so nahe steht wie ein leiblicher Bruder, aus scheinbar unerfindlichen Gründe
n von einem liebenswerten Knaben in einen gehässigen Bengel verwandelt, der mit Abscheu alles Schöne niedermacht, dafür seine Mitmenschen verspottet und sich an Zerstörung und Leid erfreut. Wird der kleine Kai in Andersens Märchen von zwei Splittern des Zauberspiegels getroffen, die sein Herz erkalten lassen und seinen Blick für Anmut und Schönheit verzerren, so ist es im Film die Schneekönigin (Natalya Klimova) höchstpersönlich, die den Jungen durch einen eisigen Kuss verzaubert und schließlich entführt. Über sein Verschwinden zutiefst betrübt beschließt Gerda, sich auf die Suche nach Kai zu machen, und gerät dabei von einem Abenteuer ins nächste. Ihr gutes Herz hilft ihr nicht nur dabei, die schwere Reise mutig durchzustehen, es beschert ihr auch eine ganze Reihe neuer Freunde, die sie unverhofft durch alle Gefahren hindurch begleiten, bis sie sich schließlich der Schneekönigin in ihrem Reich aus Eis stellen muss...

Sehr eng an die literarische Vorlage hält sich der Film nicht gerade. Abgesehen von der ausgelassenen Eingangsepisode fehlen auch einige Etappen aus Gerdas Reise. Dafür wurden andere ausgedehnt und zusätzlich neue Elemente hinzugefügt, allen voran Figuren, die in Andersens Märchen nicht auftauchen: so wird die Geschichte von einem waschechten Märchenerzähler (Valeri Nikitenko) begleitet, ebenso vom Herrn Kommerzienrat (Nikolai Boyarsky), der immer wieder durch Intrigen einen erfolgreichen Abschluss der Suche nach dem verschwundenen Kai vereiteln will.
Die Änderungen fallen inhaltlich allerdings nicht negativ auf. Vielmehr gelingt es Kazansky, das wohl hauptsächlich für Kinder geschriebene Märchen in eine Erzählung zu verwandeln, die auch Erwachsene zu unterhalten vermag. Genaugenommen geben die höchst dramatische Musik und das unterkühlt bösartige Auftreten einiger Figuren dem Film eine teils sehr bedrohliche Note. Einiges, was für Kinder nur unterhaltsam ist, führt Erwachsenen die Absurdität manch menschlichen Verhaltens vor Augen, so zum Beispiel das Schloss, welches durch eine Linie tatsächlich zweigeteilt wird, weil das Geschenk des Königs an die Prinzessin – die Hälfte des Schlosses nämlich – allzu wörtlich genommen wurde. Eintönig, oberflächlich und leer erscheinen die Träume und damit das Leben der Hofdamen, die in der Erwartung des nächsten Tanzfestes ihr einziges Vergnügen sehen. Es wird sogar Kritik an Jenen laut, die glauben, mit Macht und Geld schlichtweg Alles für sich in Anspruch nehmen zu können. Stellvertretend hierfür steht zunächst der Kommerzienrat, der Großmutter (Yevgeniya Melnikova) ihre geliebten Rosen abkaufen will, nur weil sie selten sind, obwohl er sie selber doch so verabscheut; und schließlich ist es die Schneekönigin, die mit Versprechungen von Prunk und Luxus versucht, den kleinen Kai für sich zu gewinnen, letztlich aber dahingehend belehrt wird, dass es weit Kostbareres gibt als materielle Schätze.

Durch den geschickten Einsatz von Zeichentrickelementen, ja ganzen gezeichneten Szenerien, umgeht der Film auf einfache, aber clevere Weise die Notwendigkeit für aufwendige Spezialeffekte und erhält dadurch gleichzeitig auch optisch die märchenhafte Stimmung, welche seine Geschichte verbreitet. "DIE SCHNEEKÖNIGIN" verzaubert seit Jahrzehnten Jung und Alt und gehört nicht von ungefähr jedes Jahr wieder zum weihnachtlichen Festtagsprogramm der Fernsehsender. Trotzdem fehlt insgesamt das gewisse Etwas, das aus einem guten Film einen hervorragenden machen würde. Der Nostalgie-Faktor ist natürlich hoch für Diejenigen, die mit dem Repertoire der russischen und tschechischen Märchen sowie derer aus dem Hause DEFA (welches für die deutsche Synchronfassung des vorliegenden Filmes verantwortlich zeichnet) vertraut sind, das seit Jahrzehnten Kinder- und Erwachsenenaugen zum Strahlen bringt. Für Genre-Fremde hingegen können selbst sind die knappen 78 Minuten Laufzeit mitunter schon etwas langatmig sein, während die Kürzungen in der Geschichte eventuell eine leicht holprige Erzählweise nach sich ziehen. Aber so wie Kai aus den Bruchstücken seines Puzzles aus Eis das Wort „Ewigkeit“ zu formen versucht, so fügen sich nach und nach die Teile der Geschichte zu einem nostalgischen Ganzen zusammen. Auch wenn der eine oder andere Zuschauer etwas länger zum Auftauen braucht, ist für wärmende Unterhaltung an kalten Winterabenden jedenfalls gesorgt.


~ Weihnachtsskala ~ (1 = niedrig / 10 = hoch)

Eis-Faktor: 7 (glücklicherweise hat die Schneekönigin auch mal Pause)
Schlittenfahrt-Bonus: 5 (rasant, rasant...)
Räuber-Anteil: 5 (ein kurzer, aber temperamentvoller Auftritt)
Besinnlichkeits-Faktor: 3 (im trauten Beisammensein vor dem Fernseher ist die Besinnlichkeit größer als auf dem Bildschirm)

Eine Rezension von Nicole Goldstein
(02. Dezember 2009)
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Daten zum Film
Die Schneekönigin UdSSR 1966
(Snezhnaya koroleva)
Regie Gennadi Kazansky Drehbuch Yevgheny Schwartz
Produktion Studio Lenfilm Kamera Vadim Grammatikov, Sergei Ivanov
Darsteller Yelena Proklova, Slawa Zjupa, Valeri Nikitenko, Yevgeniya Melnikova, Nikolai Boyarsky, Natalya Klimova, Irina Gubanova, Georgi Korolchuk, Evgeni Leonov, Olga Vikland, Era Ziganshina
Länge ca. 78 Min. FSK ohne Altersbeschränkung
Filmmusik Nadezhda Simonyan
Nach der gleichnamigen Erzählung von Hans Christian Andersen.
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