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Briefe an Julia

Briefe an Julia

Ein Film von Gary Winick

„Of course! The balcony!“

Dass männliche Zeitgenossen durchaus Spaß an romantischen Liebeskomödien haben können, muss nicht zwangsläufig nur an der attraktiven Begleitung liegen, deren Einladung man(n) aus teils sogar uneigennützigen Gründen gefolgt ist. Wenn nämlich ein Film zwar zuckersüß daherkommt, jedoch nicht klebt, und darüber hinaus noch eine märchenhaft schöne Geschichte zu erzählen weiß, an deren evidentem Happy End das vielfach bemühte, hier aber wie die Faust aufs Auge passende Gute-Laune-Gefühl ganz automatisch hervortritt, dann müssen wohl selbst die Hartgesottensten unter uns eingestehen, dass die geliebte Daueraction auch ruhig mal kurzzeitig aussetzen darf. Denn die Romanze „BRIEFE AN JULIA“ von Gary Winick („30 über Nacht“ [2004]) ist nicht nur die günstige Pauschalreise für all jene, die sich nach langer Zeit wieder einmal so richtig erholen möchten, sei es alleine oder zu zweit. Sie ist auch das Vermächtnis eines leidenschaftlichen Regisseurs, der seine letzte Reise Anfang des Jahres mit gerade einmal 49 Jahren (und damit viel zu früh) antreten musste.


„Reisen können, ist eine der schwierigsten Künste. Eigentlich müsste man es im Hauptberuf betreiben.“ (Walter Nissen)


Diese Weisheit muss die junge amerikanische Journalistin Sophie (Amanda Seyfried) schon bald am eigenen Leib erfahren, als sie sich mit ihrem Verlobten Victor (Gael García Bernal) dazu entschließ
t, die gemeinsamen Flitterwochen spontan vorzuziehen und nach Italien zu reisen. Denn der leidenschaftliche Koch, der in sechs Wochen sein eigenes Restaurant eröffnen möchte, kann einfach nicht den Beruf vom privaten Vergnügen trennen. So erkundet Sophie notgedrungen im Alleingang die Stadt Verona, die Stadt der Verliebten, und findet sich eines Tages auf dem Hof wieder, der den weltberühmten Balkon aus Shakespeares „Romeo und Julia“ beherbergt. Fasziniert beobachtet sie, wie unzählige Frauen Briefe an Julia adressieren und an der Wand unter dem Balkon befestigen, um sich Rat in Liebesdingen zu erhoffen. Als wenig später die Nachrichten sogar allesamt von einer jungen Frau eingesammelt werden, folgt Sophie dieser heimlich zu einem alten Haus, das „Officio di Giulietta“ (etwa: „Büro von Julia“) heißt. Hier beantworten einige Frauen, die selbsternannten Sekretärinnen Julias, tatsächlich jeden der Briefe handschriftlich selbst. Die junge Journalistin, die bisher nur zum Recherchieren angestellt war, ist Feuer und Flamme, wittert sie doch ihre erste große Story. So wird Sophie kurzerhand Teil dieses illustren Kreises, der sie schon bald in den Besitz eines 50 Jahre alten Briefes bringt, der verborgen im Gemäuer unterhalb des Balkons steckte. Sie beantwortet ihn eigenhändig, woraufhin eine Woche später plötzlich unangemeldeter Besuch auf der Matte steht: Die Verfasserin des Briefes, die rüstige Engländerin Claire (Vanessa Redgrave), ist mitsamt ihrem Enkel Charlie (Christopher Egan) nach Italien gereist. Ihre Mission: die Suche nach ihrer alten, verflossen geglaubten Liebe Lorenzo. Was hat Sophie da bloß nur angerichtet?


„Man reist nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen“ (Johann Wolfgang von Goethe)


„BRIEFE AN JULIA“ nimmt uns mit auf eine ereignisreiche Reise, die in ihrem Verlauf nicht nur die vielbefahrenen Stationen „Liebe“, „Hoffnung“ und „Glück“ kreuzt, sondern zudem einem ungewissen Endziel entgegensteuert, zumindest aus Sicht der Protagonisten. Claires Suche nach ihrer einzigen wahren Liebe wird dabei zum Fahrschein für drei Einzelschicksale, deren Bestimmung im Gesamtgefüge dieser leichten Romanze für die meisten Zuschauer freilich bereits im Vorfeld sonnenklar ist. Doch ausnahmsweise macht das nichts. Im Gegenteil schafft es Gary Winicks letzter Film trotz recht stereotypen Verlaufs, die menschliche Seite eines filmgewordenen Märchens zu zeigen und so den Charakteren überraschenderweise mehr Tiefe als üblich zu verleihen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass hier jede einzelne Person mit ihren unverkennbaren Macken ernst genommen wird. Die quirlige Jungjournalisten, der zunächst reserviert wirkende Enkel, die gutherzige alte Dame aus England – sie alle könnten unterschiedlicher nicht sein. Und doch gelingt das regelrechte Kunststück, mit ihnen ein überaus rundes Endergebnis heranreifen zu lassen, das sich selbst nicht dafür zu schade ist, die vorgespielte Realität mit pittoresken Einschüben anzureichern. Warum auch, bietet der Originaldrehort Italien doch eine wunderschöne Kulisse für Liebesdramen, Versöhnungen, Abschiede und eben die ganz große Liebe. Genauso wie einst bei Romeo und Julia, nur im vorliegenden Fall mit deutlich glücklicherem Ausgang. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben – vor allem in Verona, der Stadt der Verliebten.


„Reisen veredelt den Geist und räumt mit allen anderen Vorurteilen auf.“ (Oscar Wilde)


Freilich mag das der ein oder andere als zu bunt oder weichgezeichnet erachten. Doch „BRIEFE AN JULIA“ begeht gar nicht erst den Fehler, sein Potential einem Übermaß an Kitsch und Gefühlsduseleien zu opfern. Immer dann, wenn das Geschehen zu kippen droht, lockert leiser, erfrischender Humor und ein teils sogar selbstironischer Unterton die Geschichte auf, der von den Schauspielern genau mit dem richtigen Timing eingesetzt wird. Die bezaubernde Amanda Seyfried beweist dabei nach ihrem Welterfolg „Mamma Mia!“ [2008] erneut, dass sie sowohl hinreißend-liebenswerte als auch nachdenklich-bekümmerte Frauen mit Leben füllen kann, während die beim Dreh bereits 73-jährige Oscarpreisträgerin Vanessa Redgrave („Blow-Up“ [1966]) eine gewohnt routinierte und ganz und gar überzeugende Darbietung abliefert. Die große alte Dame ist schlicht und ergreifend der Dreh- und Angelpunkt, sowohl im Film als auch im Besonderen für ihn, jener Aspekt, der einem Urlaub erst die Erholung bringt – und einen soliden Film zu einem beachtlichen reifen lässt. Das sind wahrlich recht große Worte für eine vergleichsweise kleine romantische Komödie, keine Frage. Aber es sind eben exakt die richtigen Worte für eine romantische Komödie, die etwas vorzuweisen hat, was viele ihrer Genrevertreter in der jüngsten Vergangenheit schon gar nicht mehr berücksichtigt haben: Herz. Da mag der Weg noch so vorhersehbar sein: Man folgt ihm, weil er derart liebevoll gestaltet wurde, einfach gerne. Und belohnt sich am Ende unweigerlich selbst mit einem Gefühl, das sich schlicht nicht erschöpfend beschreiben lässt. Wir halten also fest: Ja, auch augenscheinlich vertrautes Terrain kann beim wiederholten Besuch noch durchaus überraschen. Und manch hartnäckiges Vorurteil sieht neben dieser weisen Erkenntnis plötzlich einfach nur uralt aus.



Eine Rezension von Stefan Rackow
(19. Juli 2011)
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Daten zum Film
Briefe an Julia USA 2010
(Letters to Juliet)
Regie Gary Winick Drehbuch Jose Rivera und Tim Sullivan
Produktion Summit Entertainment / Applehead Pictures Kamera Marco Pontecorvo
Darsteller Amanda Seyfried, Vanessa Redgrave, Christopher Egan, Gael García Bernal, Franco Nero, Luisa Ranieri, Marina Massironi, Lidia Biondi, Milena Vukotic, Luisa De Santis
Länge 105 Minuten FSK ohne Altersbeschränkung
http://www.letterstojuliet-movie.com/
Filmmusik Andrea Guerra
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