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High Rise

High Rise

Ein Film von Gabriel Mascaro

Eine Dokumentation über Menschen, die im Penthouse eines Wolkenkratzers wohnen. So weit, so fad? Im Gegenteil: Der brasilianische Nachwuchsregisseur Gabriel Mascaro entfaltet aus einer simplen Idee ein Gesellschaftsbild mit großer Wirkung.

Ausgangspunkt für Gabriel Mascaros Dokumentation war ein Spaziergang. Viele Stunden verbrachte er damit, durch die Straßen seiner Heimatstadt Recife zu flanieren und zu beobachten."Mir viel auf, dass die brasilianischen Großstädte heute hauptsächlich in die Höhe wachsen. Diese Vertikalisierung des urbanen Raums wollte ich thematisieren", sagt der 26-Jährige. High Rise ist sein erster abendfüllender Film. Darin porträtiert er acht Brasilianer; Menschen, die zur finanziellen Elite des Landes gehören - und darum das Privileg genießen, über den Dächern der Stadt zu wohnen.

Reich zu sein bringt in Brasilien viele Vorteile: Man kann sich eine Wohnung in einer guten Gegend leisten, die Kinder auf Privatschulen schicken, am eigenen Pool braten, während die breite Masse sich mit dem Strand begnügen muss. Aber reich zu sein hat auch seine Schattenseiten. Die dunkelste davon ist Angst. Wer in einer "cobertura" - in einem Penthouse - lebt, steht nicht im Telefonbuch. Zu groß ist die Gefahr beraubt, bedroht oder entführt zu werden. Seine Gesprächspartner fand Gabriel Mascaro fast durch Zufall: Er stolperte über ein Buch, in dem 125 Adressen von Penthouse-Bewohnern verzeichnet sind. "Es war wirklich mühsam. Meine Produzentin
rief bei jeder einzelnen Nummer an und erklärte, dass ich ein international anerkannter Regisseur sei", sagt Mascaro und lacht. "Aber nur acht Menschen haben ihr geglaubt."
High RiseHigh RiseHigh Rise
Diese Acht könnten unterschiedlicher nicht sein: Eine neureiche Familie ist genauso darunter wie das typische Papasöhnchen und eine ausgewanderte Europäerin. Jedoch hinterlassen alle Porträtierten den selben Eindruck: Sie befinden sich zwar in einer brasilianischen Großstadt, aber im Grunde leben sie in ihrer ganz eigenen Sphäre. Besonders eindrucksvoll demonstriert dies eine Dame, die über die blutigen Bandenkriege in den Favelas schwärmt, als seien sie ein Neujahrs-Feuerwerk. Man sei mittendrin und doch geschützt, sagt sie. Und die Akustik dort oben sei einfach atemberaubend. Die Akustik der Schüsse, wohlgemerkt.

Es war nie seine Absicht jemanden bloßzustellen, sagt Gabriel Mascaro. Das sei auch nicht passiert: "Diese Menschen wirken auf mich nicht lächerlich. Sie leben nur ein völlig anderes Leben mit anderen Werten als der Durchschnittsbrasilianer." Mascaro selbst stammt aus der unteren Mittelschicht. Ein Penthouse hat er vor den Interviews noch nie betreten.

Die Dokumentation ist klar strukturiert: karge Gesprächssequenzen wechseln sich mit Bildern von Baustellen ab, die eher mit Geräuschen als Musik unterlegt sind. Nie wird gesagt, wo wir uns befinden, in welcher Stadt, in welchem Haus. Die Interviewten bekommen zwar ein Gesicht, aber keine Namen. Die Straßen, in denen sie wohnen, bleiben geheim. Das war Bedingung. Den wahren Reichtum in ihren Wohnungen kann man nur erahnen: Die Kamera bleibt statisch.

"Ein Platz an der Sonne" heißt der Originaltitel auf Deutsch übersetzt. Und trifft um so vieles besser den Kern der Sache, als das nüchterne "High Rise" - Wolkenkratzer. Letztendlich ist ein Platz an der Sonne das, was jeder Mensch sich wünscht: Ein Ort, an dem er sich frei fühlen, sich entfalten, er selbst sein kann. Abgeschiedenheit und Intimität sind dabei zwar hilfreich, aber nicht unabdingbare Voraussetzung. Ein Platz an der Sonne beinhaltet jedoch noch mehr: Die Idee des Verlustes, der Kostbarkeit und Begrenztheit solcher Flecken, nicht zuletzt ihre Vergänglichkeit. Selbst mit Geld wie Heu lässt sich ein solcher Ort nicht erkaufen, wie einer der Interviewten traurig festhält. Denn schon bald kommt der nächste und baut ein Haus, das noch größer, noch höher und noch weiter ist als das eigene, und plötzlich sitzt jemand anderer näher am Himmel und genießt seinen persönlichen Platz an der Sonne.

Eine Rezension von Anita Klingler
(16. September 2009)
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Daten zum Film
High Rise Brasilien 2009
(Um Lugar ao Sol)
Regie Gabriel Mascaro Drehbuch
Produktion Símio Filmes
Länge 71 min FSK
http://www.simiofilmes.com/umlugaraosol/en/
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