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Der Nebel

Der Nebel

Ein Film von Frank Darabont

Der Name Stephen King ist auf dem literarischen Horrorsektor immer noch der größte Garant für einen Spitzenplatz in den Bestsellerlisten und auch die meisten Adaptionen seiner Romane und Kurzgeschichten entpuppen sich an den Kinokassen als Hits. Die Qualität der Verfilmungen schwankt allerdings auch oft zwischen arg durchschnittlichen Streifen („In einer kleinen Stadt“, „Der Musterschüler“, „Dreamcatcher“) und sehr gelungenen Umsetzungen („Carrie“, „Dead Zone“, „Shining“, „Stark“), wobei echte Rohrkrepierer im Rückblick eher eine Seltenheit bleiben und dann eher im Rahmen einer der unzähligen TV-Miniserien vorkommen („Tommyknockers“ ist wohl so ein Fall). Bereits die letzte Adaption einer Kurzgeschichte des Horror-Meisters, der von Mikael Håfström inszenierte Gruselschocker „Zimmer 1408“ (2007), ist ein respektabler Erfolg gewesen – sowohl vom Einspielergebnis als auch von der Filmqualität selbst betrachtet.

Nun ist also schon so kurze Zeit später eine weitere Verfilmung nach Stephen King in den Kinos angelaufen. Allein der Titel „Der Nebel“ dürfte so manchen unwissenden Kinogänger vom Besuch abschrecken, da dieser tatsächlich zu der Annahme verleitet werden könnte, es handele sich um ein weiteres R
emake des John Carpenter-Klassikers „The Fog“ (1980) – schließlich ist der Versuch, den Gänsehautstoff für eine MTV-Milchzahn-Zielgruppe erneut aufzubereiten bereits 2005 mit Nachdruck in die Hose gegangen. An dieser Stelle darf allerdings Entwarnung gegeben werden: Nein, „The Mist“ (so der Originaltitel) hat vielleicht mit der Carpenter-Story einige Überschneidungen, aber es handelt sich letztendlich um einen eigenständigen Film, dessen Vorlage etwa zeitgleich mit dem „The Fog“-Original entstanden und in Deutschland in dem Kurzgeschichten-Band „Im Morgengrauen“ enthalten ist.
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Auf dem Regiestuhl von „Der Nebel“ hat Frank Darabont Platz genommen, der die Stephen King-Fans bereits mit seinen Verfilmungen „Die Verurteilten“ (1994) und „The Green Mile“ (1999) begeistert hat, aber vor seiner Karriere als Regisseur als Drehbuchautor tätig gewesen ist und unter anderem „Nightmare On Elm Street 3“ (1987) und das „Der Blob“-Remake (1988) zu Papier gebracht hat. Dabei fällt zunächst auf, dass seine Regiearbeiten deutlich in die Dramen-Richtung tendieren, während seine Drehbücher auch gerne einige deftige Splattereinlagen vorgesehen haben. Bei seinem aktuellen Werk kann man von einer homogenen Mischung aus knallhartem Horror und subtiler Menschenstudie sprechen. Wer aufgrund des Titels, Posters oder Trailers einen stumpfen Monsterfilm erwartet, liegt falsch! Allerdings sei auch eine Warnung an die sensiblen Seelchen ausgesprochen, denn auf der anderen Seite werden hier auch keine Gefangenen gemacht – im Gegenteil: „Der Nebel“ wartet mit dem wohl für einen Hollywood-Film fiesesten Ende auf, und es bleibt fraglich ob ein Großteil der in den Sitzen gemütlich mit einem Eimer Popcorn eingekuschelten und auf ein kleines Erschreck-Filmchen freuenden Pärchen solch einen Downer erwartet hat. Eine bessere Alternative wäre da wohl der Will Smith-Streifen „I Am Legend“ im Saal gegenüber gewesen…

Alles beginnt mit einem fürchterlichen Sturm, der grössere Schäden in einer Kleinstadt an der Küste von Maine verursacht. Betroffen ist auch der Künstler David Drayton (Thomas Jane, „The Punisher“, „Deep Blue Sea“), der gerade noch seine Frau Stephanie und seinen kleinen Sohn Billy in den Keller begleiten kann, als ein Baum, der durch das riesige Panoramafenster fliegt, sein gesammtes Atelier verwüstet. Am nächsten Tag will er seinen unliebsamen Nachbarn, den Anwalt Brent Norton (Andre Braugher, „Poseidon“, „Fantastic Four 2“), zur Kasse bitten, da dessen Baum ebenfalls sein Bootshäuschen zerlegt hat, aber da dessen Auto selbst zerstört worden ist, entsteht aus dem angedachten Nachbars-Streit die Bitte an David, ihn mit zu Einkäufen in den kleinen Supermarkt der Stadt zu nehmen. David zeigt aufgrund der Situation Sympathie und fährt zusammen mit seinem ehemaligen „Feind“ und Billy in die Stadt um ein paar Besorgungen zu machen. Dort angekommen zeigt sich, dass sich so einige Einwohner im Geschäft eingefunden haben, um Verpflegung für die nächsten Tage zu kaufen – schließlich bahnt sich seit dem Morgen ein eigenartiger Nebel seinen Weg in das Stadtinnere. Und schon kurze Zeit später wird klar, dass mit den zunächst als schlimmes Unwetter eingeschätzen Ereignissen etwas ganz und gar nicht stimmt:
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Der völlig verstörte und Blut-verschmierte Dan Miller (Jeffrey DeMunn, „Der Blob“, „The Green Mile“) kommt aus dem dichten Nebel in den Supermarkt gestürmt und schreit, dass dort draußen „etwas“ sein Unwesen treibt. Zunächst will dem Mann natürlich niemand Glauben schenken, doch als die übermütige Aushilfskraft des Geschäftes („American Pie“-„Sherminator“ Chris Owen) auf dem Weg nach draußen von riesigen Tentakeln zerfleischt wird, kommt es zu extremen Unruhen im Laden. Bald schon entsteht ein fanatisch-religiöses Lager unter der Führung der psychotischen Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden, „Mystic River“, „American Dreamz“), die die alptraumhaften Kreaturen als die Boten der Apokalypse ansieht, und durch Predigten langsam immer mehr Leute um sich scharrt. Die andere, rational denkende Gruppe, die quasi von David und dem Angestellten Ollie (Toby Jones, Sprecher des „Dobby“-Charakters aus „Harry Potter“) angeführt wird, versucht sich mit allen Mitteln gegen die Gefahr von draußen zu verteidigen – doch die Situation scheint auswegslos, da der Konflikt zwischen den Menschen selbst langsam zu einem noch größeren Problem zu werden droht…

Obwohl „Der Nebel“ natürlich auch ein packender Monsterfilm mit – Gott sei Dank – endlich mal wieder gelungenen, unpeinlichen CGI-Kreaturen geworden ist, stellt letztendlich der bis aufs Blut entbrannte Kampf unter den Überlebenden im Supermarkt das Kernstück des Films dar. Die philosophische Frage, was passiert, wenn unterschiedliche Menschen in einer Extremsituation um ihr Leben kämpfen müssen, wird hier mal nicht pseudo-intellektuell, sondern im Rahmen eines packenden Horrorschockers gestellt. So hofft die Lehrerin Amanda (Laurie Holden, „Silent Hill“), dass die Menschen im Innersten doch eigentlich gut seien…nun, diese Annahme wird im Verlauf der Handlung dann doch sehr auf die Probe gestellt und der Zuschauer weiss manchmal nicht, wen er mehr fürchten soll: Die im Nebel umherstreifenden, an H.P. Lovecraft-Erzählungen erinnernden Wesen, oder die fanatische Sekte im Auge des Tornados. Natürlich kann „Der Nebel“ mit seiner Story auch mal wieder auf die Thematik des 11. Septembers bezogen werden, doch das soll an dieser Stelle nicht geschehen.

Zur Inszenierung des Films selbst muss man sagen, dass Frank Darabont wirklich sehr viel Gespür für seine Schauspieler aufgebracht hat, und ihnen den Großteil der Spielzeit lässt. Während sonst die CGI-Studios die animierten Viecher im Sekundentakt über die Leinwand bollern lassen, um über eine ansonsten schwache Geschichte hinwegzutäuschen, weiss der Regisseur sehr genau dass er mehr als bloße Effekthascherei zu bieten hat. Die Darsteller überzeugen denn auch sehr in ihren nur zu realen Rollen, und so trifft es den Zuschauer umso mehr wenn viele bei dieser endzeitlichen Schlacht ihr Leben lassen müssen. Der sehr ernsthafte Film besitzt zwar auch ein paar humorvolle Szenen - doch sind diese niemals albern oder unsinnig, sondern dienen den Protagonisten, während der fürchterlichen Situation nicht im Kopf durchzudrehen.
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Um es am Ende auf den Punkt zu bringen: Frank Darabonts „Der Nebel“ bietet mehr als die zunächst angenommene Gruselstory, denn er ist sowohl ein knallharter und teils blutiger Horrorfilm, aber eben auch eine Studie über das menschliche Verhalten am äußersten Rand des Ertragbaren. Das Wort „Glaube“ wird den Zuschauer beim Beginn des Abspanns beschäftigen, denn was er in den letzten Minuten gesehen hat, ist ein Blick in den tiefsten Abgrund der Hölle gewesen – millionenfach schlimmer als eine Kamera-Totalaufnahme auf das Gesicht eines 10-äugigen Monsters.

Ob diese bemerkenswerte Arbeit des fantastischen Genres irgendwann zu einem Klassiker avancieren wird, muss die Zeit entscheiden.
Hier zeigt der Daumen schonmal hoch.

Eine Rezension von Bastian G.
(21. Januar 2008)
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Daten zum Film
Der Nebel USA 2007
(The Mist)
Regie Frank Darabont Drehbuch Frank Darabont, basierend auf der Kurzgeschichte von Stephen King
Produktion Dimension Films, Darkwoods Productions Kamera Ronn Schmidt
Darsteller Andre Braugher, Chris Owen, Alexa Davalos, Frances Sternhagen, Jeffrey DeMunn, William Sadler, Laurie Holden, Marcia Gay Harden, Thomas Jane, Nathan Gamble
Länge 126 min. FSK ab 16 Jahren
http://www.dernebel.senator.de/
Filmmusik Mark Isham
Kommentare zu dieser Kritik
Lia sagte am 31.01.2008 um 12:08 Uhr

Das Ende war wirklich krass. Ich hätte es besser gefunden, wenn vorher abgebrochen worden wäre. Mir war schon leicht schlecht.
Das Publikum im Kino war einhellig gegen diese Religionstante und jeder hat sich gefreut, wenn sie einen auf den Deckel bekommen hat. Auch als später mehr Leute auf ihrer Seite gewesen sind, versprach der Glaube keine Rettung, er hat vielmehr zur Hysterie beigetragen. Dass den "Ungläubigen" auch keine Rettung beschert wird, ist schon mies. Ein Aufruf zur Besonnenheit gegen Aktionismus?
Bastian TEAM sagte am 31.01.2008 um 13:02 Uhr

*Achtung, Spoiler!* Also da es sich in erster Linie noch um nen Unterhaltungsfilm handelt, möchte ich den auch ungerne auseinander interpretieren. Ich finde, das Ende könnte man auch einfach als ziemlich krassen & zynischen Schluss stehen lassen, aber eben an dieser Stelle habe ich das Gefühl dass da mehr drin steckt. Wenn der Film vorher aufgehört hätte, wär eine Sache verlorengegangen: Da sich der Nebel sehr kurz nach der "rettenden" Erschießung endet, KANN darin durchaus so etwas wie eine Probe Gottes gesehen werden. Immerhin hätten sich die 5 wahrscheinlich retten können, wenn sie mit den fanatischen "Gläubigen" in ihrer kleinen Welt im Markt geblieben wären. Da man zum Ende hin jene nicht mehr sieht, bleibt das nur ne Möglichkeit. Die Szene, in der sich das Monster auf die "Religionstante" setzt, spricht vielleicht tatsächlich dafür, dass sie auserwählt wurde?! Als eine göttliche Bestrafung sollte dann die Endsequenz aber wahrscheinlich nicht gesehen werden, da die kleine Truppe schließlich auch "erlöst" worden wäre, hätte sie noch eine kurze Zeit glaubenderweise im Auto ausgeharrt.
Bastian TEAM sagte am 31.01.2008 um 13:05 Uhr

Die Grammatik hatte heute mal keinen Bock - unsinnige Satzgebilde bitte entschuldigen;-)
Zombie-mower TEAM sagte am 31.01.2008 um 16:22 Uhr

die Rezension macht wahrlich Lust auf den Film und das angesprochene horrende Ende, neben der Darstellerin Laurie Holden, erinnert an "Silent Hill"; das plastische Inferno von Christoph Ganz' Computerspieladaptation hat mich damals auch lange nicht losgelassen
Anj TEAM sagte am 02.02.2008 um 00:11 Uhr

Ich fands auch super, wie die Stimmung im Kino bei diesem Film war. Alle haben applaudiert, wenn die Bibeltussi mal wieder eins auf den Deckel gekriegt hat und als sie abgeknallt wurde, ging die Party richtig los. Wirklich toll.
Ich fand das Ende irgednwie einen Tick zu tragisch. Ich ertrag sowas nicht. Warum? Warum macht man denn sowas? Sind doch echt genug Leute draufgegangen.
Bastian TEAM sagte am 02.02.2008 um 15:50 Uhr

Ich glaub, es ging nicht darum, Leute draufgehen zu lassen - das Ganze hat ja auch ne gewisse Aussagekraft. Auf jeden Fall ist das kein typischer Popcorn-Stoff, nach dem man kurz zusammenzuckt & dann gackernd aus dem Kino verschwindet.
Damocles TEAM sagte am 17.02.2008 um 16:01 Uhr

"Der Nebel" von Frank Darabont nach einer Geschichte von Stephen King.

Ich persönlich bin erst kürzlich zu einem King-Jünger konvertiert, um die Methaporik des Films beizubehalten. Gerade sein Dunkler Turm ist ein fast schon religiöses Erlebnis gewesen, daher konnte ich es mir nicht nehmen lassen, gestern abend noch in die wahrscheinlich letzte Vorstellung des Films zu gehen.

Nunja. Darabont hat ja schon die ein oder andere gute King-Verfilmung gedreht. Aber die Kritiken waren doch recht zeigeteilt, viel hab ich gelesen von Meisterwerk wie hier, bis Trash und Katastrophe anderswo. Die Wahrheit liegt in meinen Augen irgendwo dazwischen, und mit einer Bewertung des Filmes tu ich mir doch recht schwer.

Ich fand die erste Hälfte ziemlich schlecht. Ok, der Einstieg mit dem Gemälde von Roland und der Rose war natürlich gleich mal sehr gelungen, aber dann ging es mir doch etwas zu flott. Nicht unbedingt dass der Nebel gleich nach ein paar Minuten autaucht, sondern die Konflikte unter der Gruppe brachen in meinen Augen zu schnell aus. Da reagierten einige Personen extrem angepisst, obwohl eigentlich noch nichts wirklich geschehen war. Auch die Tentakel fand ich extrem billig gemacht und sagen sehr nach Low-Budget aus. Auch fand ich in der ersten Hälfte die Optik sehr TV-mässig, kein Wunder, waren ja die Teams von "The Shield" dafür verantwortlich. Aber die ständigen Zooms etc sorgten bei mir eher für ein Feeling von, nunja, TV-Produktion und weniger von Kinofilm.

Irgendwann hat mich der Film dann aber doch gepackt, im Nachhinein kann ich nicht mal mehr sagen, wann das war. Vielleicht kurz vor der Apotheke, bin mir da nicht sicher. Diese zweite Hälfte fand ich dann deutlich besser, das Ende ist natürlich ganz hervorragend. Auch wiederholt Darabont nicht die Fehler aus der ersten Hälfte, sondern lässt seine Monster dann nur als Konturen im Nebel in erscheinung treten.

Die "Auflösung" bzw. eventuelle "Erklärung" fand ich nicht gut und deutlich zu klischeemässig, aber nun gut.

Punkten kann der Film auf jeden fall mit seinem letzten Drittel, inkl dem Ende. Die Bilder im Zusammenspiel mit "The Host Of Seraphim" von Dead can Dance ist einfach Gänsehaut pur.

Ich geb mal vier Sterne, aber wie gesagt, eine schwere Entscheidung.
Stefan TEAM sagte am 21.07.2008 um 13:58 Uhr

Ein Film der auf jeden Fall packend inszeniert ist und mit einem ordentlichen Spannungsbogen daherkommt. Auch gefällt, der Religionskonflikt sowie die super fanatische Bibelfrau.
ACHTUNG SPOILER!!!!! Und das Ende, nunja ich halte es im Endeffekt doch für ein bisschen dreist. Es ist ohne Zweifel ein Schlag in die Magengrube, aber man darf nicht vergessen, dass der Tod immer der einfachste Weg ist um aus dem Rezipienten Emotionen zu kitzeln. Und wenn der der "Punisher" (sorry mir fällt der Name gerade nicht ein ;-))dann die hübsche Blonde, die achso drollige, alte aber doch robuste Lehrerin samt Mann und letzten Endes auch noch seinen Sohn umbringt, ist die Plumpheit und die Effekthascherei nicht mehr zu übersehen.
So gibt’s 4 Sterne für einen spannenden Ausflug in die Abgründe unserer Gesellschaft. Toll inszeniert, überwiegend stark gespielt, schlussendlich aber doch zu dick aufgetragen.


Demetroy sagte am 11.08.2008 um 20:08 Uhr

Dieser Film ist einfach nur empfehlenswert für Leute die gerne Thriller mögen /viel Storry/ auf einem hohen Filmniveau kucken/ und ein wenig Horror nicht schlecht finden
Lounge7 sagte am 29.01.2011 um 01:19 Uhr

Man muss es dem Regisseur Darabont lassen, dass er mit einem schmalen Budget (zum Ende hin) teilweise schon beeindruckende Bilder entwirft. Der Schwerpunkt liegt tatsächlich nicht auf den Special Effects, sondern auf der Darstellung der Charaktere und den emotionalen und sozialen Prozessen, auf der Darstellung der gemeinsamen (psychischen) Innenräume also, für die auch die physischen Räume Pate stehen: Der Film spielt sich zu 90 Prozent im Inneren eines Supermarktes, einer Apotheke und eines Ländewagens ab; und die Kreaturen müssen die meiste Zeit draußen bleiben.

Das ganze Setting bleibt dann auch eine dunkle Allegorie für die subjektive Wahrnehmung der Welt: Von der Außenwelt kriegt man nicht viel mit, und was von da reinkommt, ist furchteinflößend, grotesk und bösartig und droht einen doch nur um den Verstand und das Leben zu bringen. Wenn sich der Protagonist dann schlussendlich doch noch der Wirklichkeit stellt und mit herausfordernden Schreien aus seinem schützenden Geländewageninneren springt, dann lichtet sich der Schleier zwar und es gibt überhaupt keine bösen Monster mehr, aber die grelle und deutliche Wirklichkeit hat deutlich jeden Sinn verloren, den der Rückzug in die Innenwelt noch hatte. Die echte Welt ohne Monster, in die er entlassen wird, ist nicht minder grausam und schmerzhaft, und da ist er ganz für sich allein, ohne innere Parteien. (Eine klassische Horror-Geschichte über den Horrer der Adoleszenz und des Selbständigwerdens also, könnte man sagen.)

Interessant fand ich auch die Darstellung der befremdlichen, wenn auch etwas unmotiviert heftigen Konflikte zwischen den gemeinsam Isolierten im ersten Viertel des Filmes, die anzeigen, wo's dann langehen wird: Zwischen Schwarz und Weiß, Künstlern und Arbeitern scheint ein unüberbrückbarer Graben des Misstrauens zu liegen, der tiefe Angst und Gewalt gegeneinander schürt. Allerdings sind es durchgehend die Mitglieder der gesellschaftlichen Minderheiten, die hier als vorurteilsvoll inszeniert werden: der Schwarze, der glaubt, die Weißen machen sich lustig über ihn mit der Monstergeschichte; die Arbeiter, die sich von einem kreativen Bürgerlichen doch nichts über die bedrohliche Welt da sagen lassen wollen und die psychisch labile Christin, die sich von Anfang an als Außenseiterin (und Auserwählte) fühlt und so bleiben will . Nur die rationalen, gebildeten, weißbürgerlichen Familiencharaktere scheinen hier stets die Ruhe und Umsicht bewahren zu wollen. Das ist mir dann doch etwas zu schwarzweiß gemalt - wenns auch nur eine Randerzählung des Filmes ist.

Allerdings hat der Film über weite Teile ganz schöne Längen. Er ist zwar durchgehend mit einem feinen Spannungsrhythmus versehen und es kommen kaum Verschnaufpausen auf bei den inneren und äußeren Konflikten, aber das meiste - bis auf das wirklich überraschende Ende - ist sehr deutlich vorauszusehen. Die Kreaturen in den Nah-Aufnahmen sind wirklich trashig: große Spinnen und Tentakel, ui, und das CGI hätte man sich sparen sollen. Ein Großteil der Handlung ist zudem nur sehr schwammig motiviert: man gerät sich enorm schnell in die Haare; auf die Idee, die Lichter auszuschalten und leise zu sein, um die Viecher nicht auf sich aufmerksam zu machen, kommt auch keiner; es wird trotz gut 50 Leuten und vielen Stunden Ruhezeit kein systematischer Schutz-, Erkundungs- und Notplan entworfen; die Lynchjustiz greift auch arg schnell durch; und am Ende fährt man zwar herum, bis der Tank lehr ist, aber keiner dengt mal drüber nach, wie er denn nun im Falle diese Falles abzutreten gedenkt, wenn er nicht gefresse werden will .

Zwanzig Minuten und alle Monsternahaufnahmen hätte man leicht rausschneiden können, dann hätte der Film sicher noch eine 2 bekommen. Aber kommt, sechs Sterne? Nicht mehr zu überbieten? Im Ernst? Nein, ein Klassiker wird das nicht, und hören wird man davon auch nichts mehr. Ein mittelmäßig guter Film, aber keiner, den man sich unbedingt gesehen haben muss.

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