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Ist das Leben nicht schön?

Ist das Leben nicht schön?

Ein Film von Frank Capra

von Asokan Nirmalarajah

Es gibt Institutionen, gegen die kann man als guter Gläubiger einfach nicht mehr wettern. Das gilt für christliche Feste wie Weihnachten ebenso wie für Weihnachtsfilme, die angesichts ihrer jährlich intensivierten Vertrautheit beim Publikum so eine Beliebtheit genießen, gegen die selbst die brutalsten Kritiker nicht mehr zu argumentieren wagen würden. Sogar wenn die fraglichen Filme, wie so häufig der Fall, ihre Popularität aus eigener Kraft qualitativ nicht zu stemmen vermögen. Ein Paradebeispiel für diese Diskrepanz zwischen der eigentlichen Qualität eines Films und seiner Stilisierung zum Klassiker innerhalb einer zusehends blinden Kultbewegung ist Frank Capras sehr putzige, charmante Weihnachtsgeschichte It’s a Wonderful Life (1946, dt. Titel: Ist das Leben nicht schön?). Ein Film, der aufgrund von Copyright-Versäumnissen jährlich von vielen amerikanischen und auch europäischen Sendern zur Weihnachtszeit gezeigt wurde, und nun nicht mehr vom Weihnachtsfest zu trennen ist. Darum genießt er auch einen Status , der in keinem Verhältnis zum Werk steht, das selbst im Oeuvre des Regisseurs keinen sonderlich prominenten Platz erlangen würde. Nun muss man dazu natürlich sagen, dass Capra einer jener stilbildenden Hollywood-Regisseure der 30er und 40er Jahre ist, der zu der Zeit, als It’s a Wonderful L
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mit wenig Erfolg in den Kinos lief, bereits den Zenit seines künstlerischen Schaffens überschritten hatte und nach diesem Film nur noch unterdurchschnittliche Filme drehte. Somit ist It’s a Wonderful Life nicht nur Capras letzter richtig gelungener Film aus seinem eher mäßigen Spätwerk, sondern markiert wohl auch den Moment, als das „Capra-esque“ seiner frühen Klassiker Mr. Deeds Goes to Town (1936), Mr. Smith Goes to Washington (1939) und Meet John Doe (1941) in das „Capra-corn“ umschlug, das den stets ungetrübten Optimismus und das idealistische Menschenbild eines jeden Capra-Films in ungehemmten Kitsch mutieren ließ, und damit seinem stets aufrechten Positivismus einen zu schalen Beigeschmack beifügte.

Ist das Leben nicht schön?Ist das Leben nicht schön?Ist das Leben nicht schön?
It’s a Wonderful Life, von Capra nach einer Reihe von Hollywood-Propagandafilmen in der ersten Hälfte der 40er Jahre gedreht, kann zwar über weite Strecken noch den einfachen Charme und die narrative Souveränität früherer Capra-Werke vorweisen, vermag aber seine oft überbordende Emotionalität hier nicht durch die politisch korrekte, aber in ihrer Naivität rührende Ernsthaftigkeit seiner leichtgläubigen Helden aufzufangen, oder durch die Komplexität seiner Figuren zu rechtfertigen. Stattdessen macht es der schablonenhafte religiöse Kontext dieser rührenden, wenn auch arg konstruierten Geschichte, nach der Kurzgeschichte „The Greatest Gift“ von Philip Van Doren Stern, schwer, den Optimismus des Films und seiner Charaktere vorbehaltlos anzunehmen. Capras frühere Protagonisten, ob nun gespielt von Gary Cooper (Deeds, Doe) oder James Stewart (Mr. Smith), stellten sich als gutgläubige Toren mit ungeahnten Kräften gegen unmenschliche Systeme der Macht, häufig verkörpert von dicken, gierigen Kapitalisten mit langsam aufkeimenden Gewissensbissen. Auch der Held von It’s a Wonderful Life, George Bailey (James Stewart), ist ein kauziger Sonderling, jedoch von Anfang an gefangen in einer göttlichen Mission, die ihn zur menschlichen Spielfigur überirdischer Mächte macht, und durchweg als unmöglich humaner, aufopfernder Idealist zur Identifkation dem staunenden Publikum angeboten.


Die Rahmenhandlung des Films bildet der amüsant administrative Dialog zwischen dem Engel Joseph und Clarence (Henry Travers), einem noch flügellosen Engel zweiter Klasse, über die Möglichkeit, durch eine gute Tat für einen Menschen an seine ersehnten Flügel zu kommen. Die Gebete der Anwohner einer amerikanischen Kleinstadt namens Bedford Falls für einen gewissen George Bailey am Heiligabend des Jahres 1946 überzeugen Joseph davon, den leicht unbeholfenen Clarence auf Bailey anzusetzen. Hierfür lässt er aber erst einmal für Clarence, und damit auch für den Zuschauer, Baileys bisheriges Leben in Ausschnitten Revue passieren. Wir erfahren von seiner Ohrverletzung durch die Rettung seines kleinen Bruders aus einem Eisloch und von seiner aufopfernden Hilfsbereitschaft für seine Mitmenschen, die ihn davon abhalten, seine eigenen Träume als Weltenbummler und Architekt umzusetzen. Auch wissen wir von seiner großen Jugendliebe Mary (Donna Reed), die er nach einigen Komplikationen ehelicht, und statt in die Flitterwochen zu reisen das Geld nutzt, um die alte, marode Bank seines Vaters vor dem Ruin zu bewahren. Als sein Erzgegner erweist sich dabei der egoistische Millionär Mr. Potter (Lionel Barrymore), der gedenkt, die ganze Stadt für sich einzukaufen. Doch über die nächsten Jahre versucht George die kleine Gemeinde zusammen- und von Potters Gier fernzuhalten. Aber der ärmliche Familienvater Bailey zerbricht am Heiligabend 1946 an dem stetig steigenden Druck Potters und einer nicht mehr zu lösenden Finanzlage, die ihn zum Suizid treibt. In dieser Lage erscheint ihm Clarence und versucht George zu zeigen, wie eine Welt ohne den positiven Einfluss von George Bailey auf von Bedford Falls aussehen würde…

Ist das Leben nicht schön?Ist das Leben nicht schön?Ist das Leben nicht schön?
Das Was-wäre-wenn-Erzählmodell von It’s a Wonderful Life ist eine der bekanntesten und effektivsten Traum/Alptraum-Konfigurationen der Filmgeschichte. Und der Film glänzt auch darin, sich erst ungehemmt in ein idealisiertes Bild einer unfassbar idyllischen Kleinstadt zu stürzen, um dann deren dunkle Kehrseite vorzuführen, indem das grüne, sonnige Paradies in einen kommerzialisierten, düsteren Sündenpfuhl mit großstädtischen Einflüssen umgeformt wird. Dieser faszinierenden, aber in allzu simple, moralisch konservative Schwarzweißmalerei sinkenden Konstruktion fehlt allerdings die ideologische Ambiguität, die selbst die edelsten Protagonisten früherer Capra-Protagonisten so faszinierend machte. Sicherlich begeht auch George Bailey viele Fehler in seinem Leben, aber sein schier unerschöpfliches Märtyrertum lässt wohl selbst das wohlwollendste Publikum an seinem Verstand zweifeln. Und so authentisch Bailey auch von dem wie immer famosen James Stewart gespielt sein mag, ist er doch gefangen in einer allzu limitierenden Konstruktion, die ihn als guten Helden gegen seinen bösen Rivalen Mr. Potter antreten läßt. Auch dieser wird beeindruckend gegeben von Lionel Barrymore, bleibt jedoch angesichts fehlender Komplexität eine Karikatur. So sind auch die übrigen Figuren Typen, die eher konstruiert als lebendig wirken, trotz der durchweg vitalen Vorstellungen der sehr guten Besetzung, allen voran die wunderbar komischen Nebendarsteller Thomas Mitchell als vergesslicher Onkel Billy und Henry Travers als ulkiger Engel-auf-Probe Clarence. So ist It’s a Wonderful Life doch weniger ein politisches Pamphlet wie frühere "Capra-esque"-Werke, sondern eher ein sentimentales "Capra-corn"-Weihnachtsmärchen über den drohenden Verlust konservativer, bürgerlicher Werte, und ein Appell für einen gemäßigten Kapitalismus.


Die antikapitalistische Haltung und der idealisierte Gemeinschaftssinn Baileys ließen sich als kommunistische Sentimentalitäten nostalgischer Kleinstadtbürger verstehen, aber gegen die völlige Abkehr gegen kapitalistischen Materialismus spricht das Happy-End des guten, aber bei weitem nicht perfekten Films, das nicht zu Unrecht eines der bekanntesten der Filmhistorie ist, und in den Worten des ekstatischen Helden wohl Familie, Freundschaft und Gemeinde feiern mag, aber das nicht ganz ohne finanzielle Absicherung tut.

Eine Rezension von Asokan Nirmalarajah
(20. Dezember 2007)
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Daten zum Film
Ist das Leben nicht schön? USA 1946
(It's a Wonderful Life)
Regie Frank Capra Drehbuch Frank Capra, Frances Goodrich, Albert Hackett
Produktion RKO Radio Pictures
Darsteller Ward Bond, Frank Faylen, Beulah Bondi, Henry Travers, Thomas Mitchell, Lionel Barrymore, Donna Reed, James Stewart, Gloria Grahame
Länge 130 FSK 6
Filmmusik Dimitri Tiomkin
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