Filmkritiken - von Independent bis Hollywood
 
2003 Filmkritiken | 10448 Personen | 3321 Kommentare  
 
Bitte wählen Sie

Email

Passwort


Passwort vergessen

> Neu anmelden


Auch interessant



Hancock
von Peter Berg




Meist gelesen¹

1. 
Avengers: Infinity War  

2. 
Deadpool 2  

3. 
Red Sparrow  

4. 
Interstellar  

5. 
Wonder Woman  

6. 
Bernard and Huey  

7. 
Star Trek  

8. 
Inception  

9. 
Der letzte Tempelritter  

10. 
Spielverderber  
¹ gilt für den aktuellen Monat

Casinos im Film
  FILMSUCHE
  Sie sind hier: Filmkritiken > Franck Khalfoun > Maniac (2012)
Maniac (2012) RSS 1.0


Maniac (2012)

Maniac (2012)

Ein Film von Franck Khalfoun

1980 drehte William Lustig einen kleinen, schmutzigen Horrorfilm namens „Maniac“. Diese Geschichte von einem Mann, der das nächtliche New York der beginnenden 80er Jahre durchstreift, Frauen jagt, skalpiert und mit Schaufensterpuppen zusammenlebt, wurde nicht nur kontrovers diskutiert und in Deutschland sogleich beschlagnahmt, sondern entwickelte sich schnell zum Kultfilm, nicht zuletzt dank der Effekte von Tom Savini und der schauspielerischen Leistung von Joe Spinell. Springen wir 32 Jahre in die Zukunft ins Jahr 2012: wie immer gab es nach den ersten Ankündigungen, man plane ein Remake von Lustigs Streifen, einen empörten Aufschrei von Fans. Dass aber dann Alexandre Aja die Sache produzierte, beruhigte die Gemüter wieder etwas, immerhin legte dieser den beinharten und äußerst spannenden „High Tension“ auf die Bretter. Und wie so oft gilt: das Remake ist kein schlechter Film, sondern in der Tat sehenswert!

Frank lebt als Restaurator von Schaufensterpuppen in Los Angeles und betreibt einen kleinen Laden. Nachts jedoch macht der Junggeselle Jagd auf junge Frauen, die er verfolgt, ermordet und anschließend skalpiert. Mit ihrem Skalp vervollständigt er Puppen, mit denen er in seinem Hinterzimmer zusammenlebt. Eines Tages trifft er durch Zufall auf die junge Französin Anna, die von seinen Puppen fasziniert ist, und sich einige für ihre Vernissage ausleih
t. Frank verliebt sich in die junge Frau, doch der Killer ist eine tickende Zeitbombe, die jederzeit losgehen kann...

Eines vorweg: ich kenne das Original nur aus Zusammenfassungen bzw. vom Hören-Sagen, habe es aber nie in voller Länge gesehen. Es wird also kein Vergleich zwischen Original und Remake folgen; allerdings ist dies nicht unbedingt schlecht, da Maniac 2012 so für sich selbst stehen kann und muss. Daher bezieht sich im folgenden Text das Wort „Maniac“ auch auf das Remake.

„Maniac“ ist nicht der übliche Serienkillerfilm, der sich zu einem Wettlauf zwischen Killer, Opfer und der Polizei entwickelt. Ganz im Gegenteil: die Polizei kommt quasi überhaupt nicht vor, einzig in einer Szene als eine Polizistin Frank aufgrund eines Halteverbots mündlich verwarnt. Gemeinsam mit den (doch etwas holzhammerartigen) Bildern des nächtlichen L.A.s voller Obdachloser, Drogenkonsumenten und verlorener Seelen strahlt „Maniac“ einen Nihilismus aus, den man vom modernen Horrorkino in dieser Form doch nicht wirklich gewohnt ist. Einzig, dass der Film den technisch gelackten Hochglanz-Look hat, beraubt ihn hier etwas seiner Wirkung; die Nutzung von altem Filmmaterial hätte ihn vielleicht noch intensiver gemacht. Und wo wir schonmal bei „intensiv“ sind: Franck Khalfouns Film ist intensiv! „Maniac“ ist nicht sonderlich spannend oder gar gruselig; selbst Zuschauer, die das Original nicht kennen, können nach wenigen Minuten einschätzen, dass diese Sache für keinen der Beteiligten gut ausgehen kann (oder darf), wenn der Film konsequent sein will. Daher ist nicht das Ende an sich die spannende Frage, sondern das Wie, wie sich der Film entwickelt das Interessante für den Zuschauer.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Film einen ungewöhnlichen Weg geht: wie gesagt gibt es quasi keine Szenen mit den Ermittlern. „Maniac“ erzählt seine Geschichte aus der Sicht des Killers Frank, und hierbei ist „Sicht“ wörtlich gemeint. Geschätzte 80% der Story werden wirklich aus der Ich-Perspektive von Frank gezeigt, man sieht nur seine Hände und hört seine Stimme. Dies führt dazu, dass der Film wie oben gesagt sehr intensiv ist: man schlüpft in die Rolle von Frank, erwürgt minutenlang junge Frauen aus der Ich-Perspektive um sie anschließend zu skalpieren. Dass der Film hiermit in Deutschland eine Freigabe bekommen hat, ist umso verwunderlicher, wenn man bedenkt, dass das Original noch immer beschlagnahmt ist. Gnädigerweise verlässt die Kamera beim übelsten Mord Franks Körper und blendet somit vom Geschehen ab, indem sie uns nur Frank zeigt; diese Übergänge sind übrigens ebenso brillant gemacht wie die ganze Kameraarbeit an sich. Sowohl optisch als auch akustisch ist „Maniac“ ein Hochgenuss, da der Score von „Rob“ (dahinter verbirgt sich der Franzose Robin Coudert) einsame Spitze ist.

Was sich nun nach grausamer Dauer-Schlachtplatte anhört, ist aber nicht so ultrablutig, wie man es sich vorstellt. Die wenigen Effekte, die man zu sehen bekommt, sitzen aber und sind aufgrund der Unmittelbarkeit der Inszenierung trotz aller Kürze sehr hart. Allerdings schafft es der Film, fast schon so etwas wie Mitgefühl für Frank aufzubauen. Sicherlich: die Erklärung für seine Taten ist so altbekannt wie banal, was aber nichts daran ändert, dass „Maniac“ keine reine Gore-Show, sondern ein Porträt eines Serienkillers ist, der wie ein runder und „nachvollziehbarer“ Charakter wirkt. Dies ist auch dem Spiel von Elijah Wood zu verdanken, der hier seiner bisherigen Rollenauswahl folgt, und versucht, sich von seinem Frodo-Image loszuspielen. Was wie ein Casting-Stunt klingt, entpuppt sich als Glücksgriff, da Wood in seiner Rolle äußerst überzeugend ist, auch die emotionalen Szenen stemmen kann, und dabei äußerlich attraktiv und gepflegt genug wirkt, dass es glaubwürdig bleibt, warum die Leute ihm so vertrauen. Einzig am Ende ergibt sich Khalfouns Streifen einer Schmodder-Sequenz, die zwar technisch gut gemacht ist, aber insgesamt nicht so recht zum Rest passen will.

Somit ist „Maniac“ ein intensiver, harter und atmosphärisch dichter Film, der zwar durch seine Art der Inszenierung einen üblen Geschmack hinterlässt, aber dies auch als Ziel hat und sich damit angenehm vom Splatter-Einheitsbrei abhebt. Dabei ist der Film trotz seines geringen Budgets technisch brillant gemacht und balanciert zielsicher auf dem schmalen Grat zwischen nachvollziehbarer Zeichnung des Täters und Vermeidung von Gewaltverherrlichung. Sicherlich kein Film für jedermann, aber für Interessierte auf jeden Fall einen Blick wert.
Noch ein Wort zur Fassung: der Film hat es ungeschnitten ins deutsche Heimkino auf DVD in der „Cinema Extreme“ Reihe von Ascot Elite geschafft. An dieser Stelle herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar!

Eine Rezension von David Kugler
(14. August 2013)
    Maniac (2012) bei ebay.de ersteigern


Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

Daten zum Film
Maniac (2012) Frankreich, USA 2012
(Maniac)
Regie Franck Khalfoun Drehbuch Alexandre Aja, Grégory Levasseur, Joe Spinell
Produktion La Petite Reine, Studio 37 Kamera Maxime Alexandre
Darsteller Elijah Wood, Nora Arnezeder, America Olivo
Länge 85:22 FSK SPIO/JK
Filmmusik Rob
Kommentare zu dieser Kritik

Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

 

Impressum 




 
 
www.jeichi.com | CD-Kritiken | www.filmempfehlung.com
Horrorfilm News | Der Webvideo Markt | Kino Trailer
 
Sedo - Domains kaufen und verkaufen etracker® Web-Controlling statt Logfile-Analyse