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Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 1 RSS 1.0


Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 1

Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 1

Ein Film von Francis Lawrence


„If we burn, you burn with us!“


Gäbe es so etwas wie Gerechtigkeit auf dieser Welt, würde wahrscheinlich jedes Finale eines jeden erfolgreichen Filmfranchises auf dieser Welt in mindestens zwei Teile aufgesplittet werden. Man stelle sich dies nur mal rückblickend vor: Noch mehr heimkehrende Jedi-Ritter, knuddelige Ewocks und digital aufbereitete Lichtschwert-Duelle in Star Wars: Episode 6.2: Die Macht hat noch nicht genug! Oder deutlich erhellendere Einsichten vom Architekten in Matrix 3.2: Reconstructed - ein Gedicht aus nicht wahrgenommenen Möglichkeiten, das dem geneigten Filmfreund Tränen in die Augen treibt.


Nun sind, wie wir alle wissen, Tränen ja aber nicht unbedingt immer mit Rührung verbunden. Und so soll es unverständlicherweise doch tatsächlich noch ein, zwei Menschen geben, die von der Praxis diverser Filmstudios, aus einem Finale kurzerhand zwei zu machen, bis heute nicht sonderlich überzeugt sind. Das Finale der schillernden Twilight-Reihe etwa sei ihrer Meinung nach nur schwer in seiner breitgetretenen Form goutierbar. Und auch Harry Potters letzter Kampf gegen den Unaussprechlichen habe angeblich bereits deutlich unter der vorgenommenen Zweiteilung gelitten, da auf den Waldlauf von Harry und seinen Freunden nur noch erzählerischer Leerlauf folgte. Wie gut, dass Peter Jackson bei der epo
chalen Verfilmung des Kinderbuchs „Der kleine Hobbit“ einfach die Kameras von morgens bis abends laufen ließ, 9 Stunden an Material ansammelte, dieses dann fein säuberlich in drei Filme teilte und so den lästigen Diskussionen um ein in die Länge gezogenes Finale bereits im Vorfeld das Wasser abgegraben hat.


Bei „DIE TRIBUTE VON PANEM - MOCKINGJAY: TEIL 1“ wird nun, wie man am Titel bereits unschwer erkennen kann, vonseiten des Studios wieder auf bereits bewährte Praktiken zurückgegriffen, was erfahrungsgemäß für Zündstoff sorgen dürfte. In jedem Fall legt dieses Abenteuer, das getreu dem Motto Doppeltes Finale hält besser folgt, siegesbewusst den Grundstein für einen abermals soliden, in Teilen sogar überraschend atmosphärischen Zweistünder, der trotz allem für etliche Zuschauer zu einer Enttäuschung auf hohem Niveau geraten dürfte. Denn so recht weiß sich der Film während seiner Laufzeit nicht von der unumstößlichen Tatsache zu lösen, dass er am Ende des Tages halt doch nur als in die Länge gezogene Überbrückung zum eigentlichen Finale dient und somit – mehr noch als seine Vorgänger – nie über den Status „Ein kleiner Teil vom großen Ganzen“ hinauskommt. Trotz guter Ansätze.

Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 1Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 1Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 1

Zunächst kurz zur Geschichte, die nahtlos an die Geschehnisse des vorigen Teils anknüpft: Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) durchlebt die vielleicht schwerste Zeit ihres bisherigen jungen Lebens. Kurz nachdem sie von den Rebellen aus der Arena geholt und im sagenumwobenen Distrikt 13 in Sicherheit gebracht wurde, sieht sie sich bereits mit den Schattenseiten ihres ungewollten Ruhmes konfrontiert. Denn ohne es beeinflussen zu können, ist sie von der durch das Kapitol unterdrückten Gesellschaft zur Schlüsselfigur im anstehenden Aufstand auserkoren worden. Dabei weiß Katniss nicht einmal, ob sie den Rebellen rund um Präsidentin Coin (Julianne Moore) überhaupt trauen kann. Und zu allem Überfluss befindet sich Peeta (Josh Hutcherson) immer noch in den Fängen des Kapitols. Wird Katniss ihre Zweifel ablegen, Peeta befreien und für Panem die prophezeite Leitfigur des Neuanfangs sein können?

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Während der Vorgänger noch einen knackigen Action-Blockbuster in Hochglanzoptik darstellte, schlägt „DIE TRIBUTE VON PANEM - MOCKINGJAY: TEIL 1“ ab der ersten Sekunde ernstere Töne an. Die Grundstimmung ist – trotz des aufkeimenden Hoffnungsschimmers auf baldige Besserung der Umstände – zutiefst pessimistisch, wenn eine von inneren und äußeren Dämonen gepeinigte Katniss um die Zukunft Panems und der ihrer Liebsten bangt. Obwohl zur Symbolfigur des sich bereits im vollen Gange befindlichen Krieges stilisiert, ist dieser Kampf nicht der ihre; Katniss, das Mädchen mit dem Bogen, sieht sich nicht als die geborene Anführerin, sondern fühlt sich immer mehr wie eine Marionette, für die andere an den Fäden ziehen. So gerät der Dreh eines Propagandavideos für die Rebellen zum regelrechten Fiasko, das bei aller Situationskomik kein wirkliches Lachen beim Zuschauer hervorbringt. Denn auch wenn sich die für ihre tollpatschig-liebenswerte Art berühmte Jennifer Lawrence („Der Biber“ [2011]) in dieser Szene wahrscheinlich nur wenig verstellen musste (und damit Selbstironie beweist), schwebt der Gedanke, dass da einfach nur ein Mädchen in eine Rolle gezwängt wird, um die Massen zu manipulieren, fortwährend über dem Geschehen. Und Katniss muss sich aller Bedenken zum Trotz dafür hergeben , ob sie es nun will oder nicht.


So zieht sich das Grundmotiv manipulativen Verhaltens wie ein blutroter Faden durch das kriegsgeschwängerte Ambiente, das von zerstörten Städten über klaustrophobisch anmutende Zufluchtsbunker bis hin zu patriotisch-offensiv dargebotenen Reden alles aufbietet, um ja nicht mehr als locker-flockige Blockbuster-Unterhaltung für zwischendurch durchzugehen. Und die Rechnung geht bis hierher auf: „DIE TRIBUTE VON PANEM - MOCKINGJAY: TEIL 1“ ist ein Kriegsfilm durch und durch, der – abgesehen von Peeta und Johanna (Jena Malone) – keine Gefangenen macht. Vielmehr verbreitet er mit seinen ausufernden, von Selbstzweifeln geprägten Gesprächen, kurzen Action-Intermezzi und kühl-distanzierten Bildern atmosphärisch-dichte Unterhaltung auf höchstem Niveau, die zeitweise vergessen lässt, dass es sich bei der Buchvorlage um den schwächsten Teil der Roman-Trilogie handelt. Während das Buch zeitweise allzu verkopft allzu Offensichtliches betrachtete, findet der Film mit seinem stattlichen Schauspielensemble um den im letzten Jahr viel zu früh verstorbenen Phillip Seymour Hoffman („Magnolia“ [1999]) Woody Harrelson („Zombieland“ [2009]) und Neuzugang Julianne Moore („Map to the Stars“ [2014]) als schwer zu durchschauende Präsidentin Coin genau den richtigen Mittelweg zwischen ruhigen, lauteren und einigen wenigen krachenden Momenten.

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Vielleicht liest der geneigte Leser es bereits aus den obigen Zeilen heraus: Der erste Teil des Die Tribute von Panem-Finales hat viele Stärken vorzuweisen, die gewisse Unzulänglichkeiten in der Figuren- und Situationszeichnung wieder wettmachen. Sogar als die sich selbst als völlig unmusikalisch bezeichnende Jennifer Lawrence ihre Version von The Hanging Tree, einem düster-melancholischen Ohrwurm, zum Besten gibt, explodieren den Zuschauern nicht etwa die Ohren, sondern gehen ihnen vielmehr die Herzen auf, zu eindringlich ist die einfache Melodie, die ganz zum Schluss in einem Meer aus tiefen, sonoren Chor-Stimmen resultiert. Zusammen mit den Bildern auf der Leinwand kreiert der Film in diesen knapp drei Minuten feinste Gänsehaut-Unterhaltung, die auch noch nachhallt, wenn der letzte Ton des Abspanns längst verklungen ist. Zu dumm nur, dass immer wieder lediglich diese einzelnen Momente für sich stehen, nicht aber der Film als Gesamtwerk nachhaltig Eindruck zu schinden weiß. Denn die durch die Zweiteilung des Finales zwangsläufig stattfindende Streckung der literarischen Vorlage führt zu dem unschönen Nebeneffekt, dass immer deutlicher zum Vorschein kommt, was manch einer befürchtet hat: „DIE TRIBUTE VON PANEM - MOCKINGJAY: TEIL 1“ ist ein Flickwerk aus tollen Ideen, beeindruckenden Bildern und charismatischen Schauspielern, welches jedoch immer seltener eine den Vorgängerfilmen vergleichbare Eigendynamik entwickelt.


Dazu ist der offenkundige Brückenschlag zum alles entscheidenden Finale einfach zu sehr auf das Ziel bedacht, weshalb der Weg dahin leider spürbar holpriger und weitaus bemühter als wahrscheinlich angedacht ausfällt. So löblich an den Tag gelegte Vorlagentreue auch sein mag: Das dritte Buch stellt schlichtweg einfach nicht genügend Material für ein vierstündiges Finale. Zu allem Überfluss versäumt es der Film regelrecht, den (buchunkundigen) Zuschauer mit einem Cliffhanger der Marke „Das kam unerwartet“ in den Abspann zu entlassen. Stattdessen folgt auf jenen für einen Cliffhanger geradezu prädestinierten Moment zunächst noch sekundenlanges Schwarzbild – dem sich dann aber unerklärlicherweise noch diverse Minuten an erklärenden Szenen anschließen, welche genaugenommen auch den zweiten Teil dieses Finales hätten einläuten können. Dies wäre in jedem Fall weitaus mutiger gewesen, als nun überhaupt kein Risiko mehr einzugehen und ein im Hinblick auf den vorangegangenen Moment geradezu lahmes und zudem von der Vorlage abweichendes Ende zu präsentieren, das allzu sehr auf Schadensbegrenzung denn Spannungserzeugung ausgerichtet ist. Somit bleibt „DIE TRIBUTE VON PANEM - MOCKINGJAY: TEIL 1“ eine kleine Enttäuschung auf hohem Niveau, die angesichts der aufgezeigten Qualitäten und einer teilweise zum Schneiden dicken Atmosphäre einmal mehr die ernstgemeinte Frage in den Raum stellt, ob die eingangs noch ironisch thematisierte Zweiteilung im Nachhinein wohl eine so sinnvolle Entscheidung gewesen ist.


Die Rezension zum letzten Kapitel „Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 2“ findet ihr ab März 2016 auf dieser Seite.


Informationen zur DVD-Auswertung: Der Film erscheint in einer sogenannten FAN EDITION im hochwertigen Digipak mit Schuber auf DVD und bietet neben dem sehr ordentlich abgemischten Hauptfilm in Dolby Digital (Deutsch und Englisch mit optionalen deutschen Untertiteln) einen zusätzlichen Datenträger, der mehr als 200 Minuten neues Hintergrundmaterial beinhaltet. So warten etwa ein achtteiliges Making-Of, eine Hommage an den verstorbenen Philip Seymour Hoffman, Berichte über die Entstehung des Soundtracks, das Musikvideo „Yellow Flicker Beat“ von Lorde und viele weitere Infos auf den geneigten Zuschauer. Ein 16-seitiges Booklet mit weiteren spannenden Hintergrundinformationen sowie ein exklusives doppelseitiges Filmposter runden diese FAN EDITION, die wirklich jeden Fan glücklich machen sollte (und die zudem derzeit recht erschwinglich ist), ab. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. (Der Autor im April 2015)


Cover & Szenenbilder: © 2014 STUDIOCANAL GmbH


Eine Rezension von Stefan Rackow
(15. Januar 2015)
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Daten zum Film
Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 1 USA 2014
(The Hunger Games: Mockingjay - Part 1)
Regie Francis Lawrence Drehbuch Peter Craig & Danny Strong Adaption Suzanne Collins
Produktion Color Force / Lionsgate Kamera Jo Willems
Darsteller Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Donald Sutherland, Philip Seymour Hoffman, Julianne Moore, Willow Shields, Sam Claflin, Elizabeth Banks, Mahershalalhashbaz Ali, Jena Malone, Jeffrey Wright, Paula Malcomson, Stanley Tucci, Natalie Dormer, Evan Ross, Elden Henson, Wes Chatham, Sarita Choudhury, Stef Dawson, Patina Miller, Robert Knepper, Michael Garza, Erika Bierman
Länge 123 Minuten FSK ab 12 Jahren
http://www.thehungergamesexclusive.com/intl/de/
Filmmusik James Newton Howard
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