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Schulmädchen-Report, 6. Teil - Was Eltern gern vertuschen möchten

Schulmädchen-Report, 6. Teil - Was Eltern gern vertuschen möchten

Ein Film von Ernst Hofbauer

Persönlich finde ich ja insbesondere die heuchlerische Doppelmoral der Schulmädchen-Reporte faszinierend, auf die auch Herr Genzel schon mehrmals hingewiesen hat: Einerseits wird hier die knapp unter der Oberfläche des Alltags brodelnde Perversion junger Menschen beschworen – man denke nur daran, was sich Eltern alles nicht einmal vorstellen können, obwohl sie teilweise doch aktiv daran beteiligt sind – andererseits wird die deutlich offensichtlichere Perversion älterer Menschen durch den Dokumentationscharakter verschleiert.

Insofern kann der Aufhänger des sechsten Teiles schon fast als Kommentar zur Serie an sich gelesen werden: Als ein Lehrer ein verschlossenes Klassenzimmer aufsperrt und lautes Stöhnen, begleitet von Sätzen wie "Ich mag dich so sehr ...", vernimmt, kann er sich natürlich nicht denken, was gerade passiert. Vielmehr nähert sich der Pädagoge gezielt den Geräuschen und gibt sich dann betont überrascht, als er zwei sich liebende Jugendliche erblickt – er hatte wohl fleißige Handwerker erwartet. Er sieht dann noch eine Weile zu – schließlich will man ja sichergehen, dass man die Situation nicht falsch einschätzt – und meldet den Vorfall dann. Die folgende LehrerInnenkonferenz bietet die Rahmenhandlung und kann als Anspielung auf den ersten Teil der Reporte gesehen werden.

Wie für die Reporte typisch, folgen nun mehrere Episoden, die zeigen sollen, dass Sex eigentlich normaler Bestandteil des Lebens, oder zumindest einer glücklichen
Beziehung ist, wobei andere Bestandteile einer glücklichen Beziehung natürlich weitgehend ausgeblendet werden (gegen Ende nennt hier der Film beispielsweise das gemeinsame Lesen von Büchern über anorganische Chemie). Ebenfalls für die Reihe typisch ist, dass diese Episoden sich in einem Spektrum von "moralisch äußerst fragwürdig" hin zu "vollkommen geschmacklos" bewegen, was sich in einer frühen, vollkommen unmotivierten Vergewaltigungsszene äußert. Da diese nicht einmal über eine Handlung verfügt, kann man sie getrost als Schock um des Schockes Willen abtun. Schlimmer ist eigentlich nur noch die Vorstellung, wie sich schmierige Mitvierziger in versifften Bahnhofskinos dazu aufklären – aber über diesen Aspekt der Reporte sollte man wohl ohnehin nicht nachdenken.

Schulmädchen-Report, 6. Teil - Was Eltern gern vertuschen möchtenSchulmädchen-Report, 6. Teil - Was Eltern gern vertuschen möchtenSchulmädchen-Report, 6. Teil - Was Eltern gern vertuschen möchten
Dabei hat Teil 6 sogar "harmlose" Innovationen: So wird beispielsweise zum ersten Mal Liebe unter Frauen thematisiert - Jess Franco wäre es nicht passiert, diese Möglichkeit derart lange zu ignorieren. Die entsprechende Episode spielt dann allerdings leider wieder mit dem Element der Erpressung: Die junge Schülerin Ingrid droht ihrer hübschen Lehrerin Fräulein Lensing, die im Zuge der sexuellen Revolution ihren BH verloren hat, zuerst mit Selbstmord, dann versucht sie sie mit kompromittierenden Fotos zum Sex zu zwingen. Fräulein Lensing ist nämlich nicht an Schülerinnen interessiert, sondern an ihrem verheirateten Kollegen Dornseif – mir persönlich sehr sympathisch, da er nur als "Literaturwissenschaftler" vorgestellt wird. Da die Lehrerin trotzdem standhaft (ich dachte nicht, das Wort in einer Sexfilm-Rezension eindeutig gebrauchen zu können) bleibt, meldet Ingrid den Vorfall dem Direktor. Dass die beiden LehrerInnen dann nur versetzt werden, soll als Beweis für die verkommene Moral der Gesellschaft dienen.

Und auch sonst wird in Schulen so einiges unter den Tisch gekehrt; einer Episode zu Folge gelingt es sogar den Tod eines Schülers mehr oder weniger zu vertuschen – hier könnte selbst die sizilianische Mafia noch was lernen. Besagter Schüler, Hans, hat nämlich mit fast allen Mädels der Klasse gepennt, was ihm natürlich nicht nur Freunde gemacht hat. Annett, der er die große Liebe vorgetäuscht hat, nur um sie dann mit Uta zu betrügen, schwört Rache, und schläft dafür sogar mit dem schmierigen Leopold – während dieser sich über sie hermacht, sieht sie betont gelangweilt in die zufällig danebenliegende Kamera, damit auch der letzte Idiot versteht, dass es ihr eigentlich keinen Spaß mit ihm macht. Leopold trommelt dann die Burschen der Klasse zusammen, die Hans dann sogleich ordentlich in die Mangel nehmen. Irgendwie kommt er wieder auf die Beine, läuft davon, und stürzt kurzerhand über die nächste Klippe. Annett merkt noch kurz an, dass sie das "eigentlich nicht wollte", dann endet die Episode, Bestrafung wird nicht thematisiert. Wahrscheinlich wird der Unfall einfach Hansens eigener Blödheit zugeschrieben, oder aber als moralisches Gottesurteil eingestuft: Wer rumschläft, der soll bitte auch sterben.

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Vereinzelt finden sich dann aber doch auch lustige Episoden in dem skandalträchtigen Report: So gelingt es beispielsweise dem bereits aus der Reihe bekannten Rinaldo Talamoni – Graf Porno höchstselbst – sich in eine Mädchenklasse einzuschleichen. Deren feministische Lehrerin, die gerade über Männer herzieht, ist nämlich dermaßen kurzsichtig, dass sie ihn nicht von den Schülerinnen unterscheiden kann. Das beliebte Thema des kurzsichtigen Lehrers – man denke nur an die Flotte-Teens-Reihe - führt zu lustigem Sex hinter dem Kasten, den die Lehrerin wiederum Handwerkern zuschreibt. Kurzerhand bittet sie sie, das "Bumsen" doch zu unterlassen. Ich spreche hier vielleicht nur für mich, aber die Handwerker, die ich letztens in der Wohnung gehabt habe, machten doch gänzlich andere Geräusche.

Als er dann einmal nicht mit den Damen der Klasse beschäftigt ist, wird Herr Talamoni an die Tafel gebeten ... zu blöd nur, dass er seine Hose inzwischen verloren hat, und nun mit dem Tafeltuch seine Blöße bedecken muss. Als die Lehrerin ihm dieses versehentlich wegnimmt und nun, ihrer Brille sei Dank, sein Glied erblickt, fällt sie auch gleich in Ohnmacht, dabei "Ein Schwanz!" schreiend. Fazit: Feministinnen sind verkorkste Schreckschrauben, die eigentlich nur keinen Sex gekriegt haben. So vermittelt selbst dieser scheinbar harmlose Klamauk noch völlig falsche Botschaften.

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Vor dem, wie immer, positiven Ende kommt es allerdings nochmal richtig bitter: Da verkauft ein Vater seine laut Handlung "15-jährige" Tochter für 100 Mark den Fick und preist sie dabei noch als "Kalbsfleisch" an (solche Bezeichnungen haben ja auch Tradition in den Reporten). Dass sie daran wenig Interesse hat und daher mehrmals vergewaltigt wird, liegt in der Natur der Sache. Der Vater wird dabei vom Report nur scheltend als "Kuppler" bezeichnet – ein schöner Euphemismus für "dreckiger Zuhälter". Auch seine Strafe fällt sehr milde aus: Er verliert seine Tochter an einen wohlhabenden, gutaussehenden, jungen Mann – irritierend, wenn man die sonst so seltsamen moralischen Anwandlungen der Reporte betrachtet.

Die folgende Episode geht dann natürlich wieder gut aus, man soll ja aufgeheitert, entspannt und mit einem leichten, angenehmen Ziehen im Unterarm aus dem Kino kommen: Eine Schülerin verliebt sich in ihren Lehrer, kann diesen nicht kriegen, und trifft schließlich den Mann ihres Lebens. Den heiratet sie nicht, aber zumindest lesen sie zusammen das bereits angekündigte Buch über anorganische Chemie. Wegen aufkommender Übelkeit habe ich den Schluss allerdings nur noch halbherzig betrachtet, und die ganzen Geschmacklosigkeiten nochmal Revue passieren zu lassen, macht die Sache nicht besser ... ich hör' dann mal auf, bevor mir noch wirklich schlecht wird, und wünsch' dem Herren Schwarz etwas mehr Glück.


Der große Report-Report:

Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten (1970)
2. Teil - Was Eltern den Schlaf raubt (1971)
3. Teil - Was Eltern nicht mal ahnen (1971)
4. Teil - Was Eltern oft verzweifeln läßt (1972)
5. Teil - Was Eltern wirklich wissen sollten (1973)
6. Teil - Was Eltern gern vertuschen möchten (1973)
7. Teil - Doch das Herz muß dabei sein (1974)


Eine Rezension von Peter L.
(04. Oktober 2010)
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Daten zum Film
Schulmädchen-Report, 6. Teil - Was Eltern gern vertuschen möchten Deutschland 1973
Regie Ernst Hofbauer Drehbuch Günther Heller
Produktion Wolf C. Hartwig
Darsteller Puppa Armbruster, Sascha Hehn, Günther Kieslich
Länge 71 Minuten (geschnitten), 85 Minuten (ungeschnitten) FSK 16 (geschnitten), ungeprüft (ungeschnitten)
Filmmusik Gert Wilden
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