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The Sister of Ursula

The Sister of Ursula

Ein Film von Enzo Milioni

Abteilung „Schmutz und Schmiere“ aka „Blut und Brüste“: Es ist wieder Bahnhofskinozeit bei Mannbeisstfilm. Heute steht mit dem vorliegenden „The Sister of Ursula“ ein Spätgiallo auf dem Programm, der zugunsten von viel nackter Haut den Spannungsbogen etwas vernachlässigt; die Betonung liegt auf viel. Interessant ist der Film nicht nur, weil mit Barbara Magnolfi und Marc Porel nicht nur ein waschechtes Ehepaar vor der Kamera steht, sondern der Film noch jede Menge andere Elemente in sein Giallo-Tum mischt: ebenso bekommt der geneigte Zuschauer einen Drogen-Subplot sowie zarte übernatürliche Spielereien serviert. Als wäre das nicht genug tänzelt der Film in seinen Erotikszenen auch noch munter auf der Grenze zum Hardcore umher. Und wem das immer noch nicht als Filmempfehlung oder -warnung reicht, sei hier auch noch das Mordwerkzeug enthüllt: die Damen des Films hauchen ihre nackte Existenz durch einen gigantischen Phallus – zu deutsch ein Dildo – aus! Nett! Ich will jetzt schon duschen.

Ursula und ihre titelgebende Schwester Dagmar machen Urlaub: Dagmar passt dabei auf ihre jüngere Schwester auf, da diese seit dem Tod der Eltern schwerst traumatisiert ist und – umgangssprachlich - „'nen Schatten hat“ sowie wirre Dinge redet. Im Hotel lernt Dagmar den attraktiven Filippo kennen, aber auch andere seltsame Gestalten halten sich hier auf; und zu allem Überfluss treibt auch schon bald ein Mörder mit einem tödlichen Dildo sein Unwesen, unter dem vor allem der we
ibliche Cast des Films zu leiden hat. Wer schwingt den Killerphallus, was ist das Motiv, und wer kann ihm entgehen?

„The Sister of Ursula“ aus dem Jahre 1978 bewegt sich schon weit weg vom klassischen Giallo hin zu einem Erotikthriller mit jeder Menge nackter Tatsachen. Selbst für italienische Verhältnisse präsentiert uns der Film einen bemerkenswert dünnen Hauch von Story, was auch tatsächlich einen der größten Kritikpunkte des Films darstellt. Zieht man von den ca. 95 Minuten Laufzeit sämtliche Mord- und Sexszenen ab, bleiben geschätzte 60 Minuten oder so übrig. Und in diesen 60 Minuten passiert praktisch gar nichts relevantes, um die Story voran zu bringen. Zugegeben, selbst andere Gialli strotzen oft nicht vor sonderlich ausgeklügelten Handlungen, aber immerhin passiert in den Szenen zwischen den Morden – die nunmal häufig das Highlight sind – etwas, was man im weitestens Sinne als interessant bezeichnen kann. Nicht so hier: endlose Dialogszenen sollen uns die Beziehungen zwischen dein einzelnen Personen näher bringen, was aber aufgrund der Lächerlichkeit des Gesagtem kaum zu fesseln weiß. Selbst ermittelt wird hier nicht ansatzweise! Niemand scheint sich sonderlich für die Morde und ihre Hintergründe zu interessieren, vielmehr sind die Leute mit sich selbst beschäftigt, und die traumatisierte Ursula ergeht sich in kryptischen Prophezeiungen.

Allerdings ist die Angelegenheit über weite Strecken wirklich relativ schön gefilmt. Die Locations können überzeugen, und auch in den Innenräumen gibt es so manche ansprechende Licht- und Farbgestaltung. Gewalttaten passieren die allermeiste Zeit im Off, nur die Nachwirkungen bekommt das Publikum einigermaßen grafisch dargeboten. Ach, und aufgrund des Erotikfaktors sowie des Modus Operandi des Killers sei hier noch angemerkt: wir befinden uns in den 70er Jahren, es gibt also viel Haar an vielen verschiedenen Stellen. Das hat allerdings auch den Vorteil, dass manch eigentlich explizite Einstellung etwas entschärft wird; Geschmackssache. Stichwort Geschmackssache: wie gesagt bewegt sich der Film in seinen Sexszenen gerade beim Oralverkehr schon stark an der Hardcoregrenze, ohne diese aber sichtbar zu überschreiten. Somit ist er selbst für italienische Verhältnisse äußerst freizügig und präsentiert uns schon nach ca. 3 Minuten die erste Darstellerin, die sich auszieht. Das tut übrigens – falls ich richtig mitgezählt hab – jede weibliche Sprechrolle, außer die schon etwas ältere Rezeptionistin; danke dafür! „The Sister of Ursula“ ist also mehr Sex als Crime, wodurch es auch schwierig erscheint, die eigentliche Zielgruppe zu finden. Es bleibt fraglich, ob der Film mehr als Giallo oder mehr als Erotikthriller konzipiert war. Er ist weder Fisch noch Fleisch, und auch seine nicht vorhandene Plotentwicklung macht ihn nicht unbedingt erträglich. Angemerkt sei aber auch, dass die Sexszenen bei weitem nicht so schmierig sind, wie etwa in vielen anderen Filmen – echte Ästhetik ist aber auch etwas anderes.

Nun mag eine berechtigte Frage sein: „Lieber Rezensent, wie kommt dann dieser Film denn überhaupt an seine vier Sterne?“

Das ist in der Tat eine gute Frage. Zwischen den Sex- und Mordszenen ist der Film aufgrund mangelnder „Aktion“ - in welchem Sinne auch immer – tatsächlich fast schon strunzlangweilig, wenn man sich denn für die erzählte Geschichte interessiert. Die Mordszenen bestehen meistens nur aus einem Schatten an der Wand und dem Endergebnis, und der Matratzensport...nunja. Die Erklärung lautet dann tatsächlich: die inhaltslosen Dialogszenen machen den Film zwar nicht besser, aber szenenweise wirklich unglaublich unterhaltsam! Was an an Schwachsinn, Wahnwitz und manchmal auch Frauenfeindlichkeit zelebriert wird...da schlackert der geneigte Zuschauer nur so mit den Ohren. Nicht nur funktionieren Subplots wie die Drogengeschichte nichtmal ansatzweise, auch nimmt sich der Film ziemlich ernst, was die ganze Chose noch absurder werden lässt. Dazu gesellen sich krude Beziehungskonstellationen, unglaublich dumme Sprüche und natürlich ein Killer, der vom einigermaßen Publikum schon nach ungefähr 10 Minuten problemlos identifiziert werden kann; trotzdem macht der Film, obwohl er den Mörder so offensichtlich zeigt, ein Big Mystery um ihn. Genießt man den Film also als schwachsinnigen Trash und nicht etwa als ernsten, erotischen Krimi, kann man jede Menge Spaß haben. So erklärt sich dann auch die Wertung.

„The Sister of Ursula“: ein Film für die ganze Familie, ein Fest des schlechten Geschmacks. Nackte Tatsachen in Hülle (oder auch nicht) und Fülle, dazu eine gute Portion Sleaze, etwas Blut, ein interessanter Modus Operandi, das vielleicht speziellste Mordwerkzeug der Giallo-Geschichte und alles noch abgerundet mit einem „Ich-wäre-gern-von-Ennio-Morricone“-Säuselscore; der Spaß in Tüten, aber sicherlich kein guter Film im eigentlichen Sinne.

Eine Rezension von David Kugler
(07. Februar 2010)
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Daten zum Film
The Sister of Ursula Italien 1978
(La sorella di Ursula)
Regie Enzo Milioni Drehbuch Enzo Milioni
Produktion Supercine Kamera Vittorio Bernini
Darsteller Barbara Magnolfi, Marc Porel, Stefania D'Amario, Vanni Materassi, Anna Zinnemann, Antiniska Nemour, Yvonne Harlow
Länge 94:48 FSK
Filmmusik Mimi Uva
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