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The Riffs - Die Gewalt sind wir!

The Riffs - Die Gewalt sind wir!

Ein Film von Enzo G. Castellari

Es ist mal wieder Zeit für italienisches Exploitationkino: diesmal allerdings aus den 80ern, mit üblen Frisuren und noch übleren Klamotten. In diesem Jahrzehnt widmeten sich viele italienische Regisseure nicht etwa Western oder Gialli, sondern – natürlich im Gefolge eines internationalen Überraschungshits – einem anderen Genre: nach dem Kultfilm „Mad Max“ witterten viele ihre Chance und machten die Kiesgruben dieser Welt unsicher; der italienische Post-Apokalypse-Schund war geboren. Natürlich waren all die üblichen Verdächtigen in diesem Genre zugange, unter anderem eben auch Enzo G. Castellari, der nicht nur den hier vorliegenden Film „The Riffs – Die Gewalt sind wir“ aka „The Bronx Warriors“ (der englische Titel lehnt sich natürlich an Walter Hills „The Warriors“ an, den der Film auch gleich kopiert) aka „1990: I guerrieri del Bronx“, sondern auch eine Fortsetzung sowie „Metropolis 2000“ drehte und somit mal wieder äußerst produktiv war.

Eine Texttafel erläutert uns den „geschichtlichen Hintergrund“:
1990. The Bronx is officially declared „No Man's Land“, The Authorities give up all attemps (sic!) to restore law and order. From then on, the area is ruled by The Riders.
Insofern ist der Film zwar nicht unbedingt nach der weltweiten Ap
okalypse angesiedelt, wird aber allgemein zum „Kanon“ dieses Genres gezählt: warum die Bronx aufgegeben wurde, wird ohnehin nicht erläutert, und einen wirklichen Unterschied macht es so oder so nicht. Abgesehen davon hat der Schreiberling dieser Texttafel den Film wahrscheinlich nicht gesehen, denn von den Riders wird die Bronx ohnehin nicht beherrscht.

In eben jene Bronx verschlägt es Ann, Tochter eines reichen Unternehmers und zukünftige Erbin des größten Waffenherstellers der Welt. Da sie dieses Leben nicht führen möchte, setzt sie sich in dieses Niemandsland ab, gerät in die Fänge einer Gang von Hockeyspielern (ja, wirklich!), wird aber von den Riders mit ihrem Anführer Trash (unglaublich tuntig: Mark Gregory) befreit und verliebt sich quasi sofort in ihn (just roll with it). Die Häscher ihres Vaters versuchen verzweifelt, sie aus der Bronx zu „befreien“ und engagieren dafür Hammer, einen eiskalten Polizisten/Killer. Dummerweise stellen nicht nur interne Machtkämpfe eine Belastungsprobe für die Riders dar, sondern auch die Gang von Golan (natürlich: George „Maneater“ Eastman!) entführen Ann. Unter Beschuss von allen Seiten versuchen Trash und seine Jungs Ann zu retten und machen dabei gemeinsame Sache mit dem König der Bronx: Ogre (fantastisch: Fred Williamson!). Nun muss man also das Gebiet verschiedener Gangs, etwa der Zombies und der Tigers durchqueren, aber auch die Polizei hält nicht still und rüstet zum finalen Kampf...
The Riffs - Die Gewalt sind wir!The Riffs - Die Gewalt sind wir!The Riffs - Die Gewalt sind wir!
Wie immer für solche Filme gilt auch hier: das klingt natürlich wieder nach mehr Handlung, als im Endeffekt für den Film wirklich übrig bleibt. Der häufig als sehr gewalttätig beschriebene „The Riffs“ ist ein buntes Kuriositätenkabinett von ziemlich verrückten Einfällen, seltsamen Anleihen an andere Filmen, wilden Improvisationen und natürlich den ziemlich guten – für Castellari eben üblichen – Actionsequenzen. Dabei ist die größte Stärke die Naivität seines Drehbuchs und seiner Regie: was wie ein ziemlich brutaler und fieser Streifen klingt, den andere Regisseure mit roher Gewalt und Grausamkeiten angereichert hätte, entwickelt sich unter Castellari zu etwas anderem, für ihn sehr typischem: das Drehbuch, das vom intellektuellen Anspruch eher von einem vorpubertärem 12-jährigem nach dem Ansehen der filmischen Vorbilder hätte verfasst werden können (allein die verwendeten Namen sind zum Schießen), wird dank Castellari als grelle Comicmelange verschiedenster Zutaten auf den Zuschauer losgelassen, so dass nach dem etwas schleppendem Einstieg (ich hab für die ersten 20 Minuten wirklich drei Anläufe gebraucht) sich ein Unterhaltungsfeuerwerk erster Kajüte eröffnet.

Das Hauptaugenmerk kann man hier auch wunderbar auf die Schauspieler in diesem Werk lenken. Da wäre zum einen Mark Gregory: der Legende nach wurde er a) von Castellari im eigenen Fitness-Studio entdeckt und/oder b) sein „fiance“ (das Geschlecht verschweigen die englischen Quellen) schickte als Scherz ein Foto Gregorys an die Casting-Leute. Jedenfalls meinte man, mit ihm die Idealbesetzung des harten Trash gefunden zu haben; diese Einschätzung ist im besten Sinne „überraschend“. Äußerlich wirkt Gregory wie eine schlimme 80er Jahre Parodie auf Stallones Rambo; schauspielerisch bewegt er sich ungefähr auf einem Level mit Tommy Wiseau (ich beziehe mich hier immer auf die englische Synchronisation des Films; keine Ahnung, ob das ein Dub ist, aber Castellari drehte zumindest in englisch); körpersprachlich jedoch bewegt sich Gregory extrem tuntig, was – auch dank verschiedener Interviews von Williamson – Spekulationen zu seiner Sexualität Tür und Tor öffnet. Jedenfalls ist Gregory einer der Schauwerte des Films, allerdings weit davon entfernt, in seiner Rolle als harter Bandenführer einer Motorrad-Gang überzeugen zu können.

Der absolute Showstealer ist aber – selbstverständlich – der legendäre Fred Williamson. Der wiederholt seine Paraderolle als Pimp Daddy aus guten alten Blaxploitation-Zeiten und residiert wie einst König David – nur in den verfallenen Bronx. Musiker sorgen für gediegene Jazz-Untermalung, während King Ogre salomonische Urteile auf seinem Thron fällt, Waren an Bedürftige verteilt und im Showdown gemeinsam mit seiner Hexe (wirklich!) unter den Schergen der Bösen aufräumt. Williamson hat natürlich Präsenz und Selbstbewusstsein für fünf andere Schauspieler; einzig der hünenhafte George Eastman überragt ihn körperlich, so dass Williamson bei genauerem Hinsehen immer auf irgendwas steht, um nicht kleiner zu wirken. Als Killer Hammer ist schließlich auch Vic Morrow in seinem letzten Film von der Partie. Wo er in der ersten Hälfte noch einen halbwegs mysteriösen Lone-Gunman porträtiert, mutiert er im großen Finale schließlich zu einem fast-schon-Bart-zwirbelndem Oberbösewicht, der in einer Mischung aus Polizei- und SS-Uniform seine Untergebenen auf die Bewohner der Bronx hetzt und dabei herrlich fies lacht.
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Und eben jenes Finale fährt eben die typisch Castellari'schen Schauwerte auf: berittene Polizisten mit Flammenwerfen (das möge man sich mal auf der Zunge zergehen lassen), blutige Shootouts, kreisende Helikopter und Harpunen runden den Geschmack ab. Zwischendurch spielt auch schonmal ein Schlagzeuger, der mitten im Bild sitzt, den entsprechenden Soundtrack der Szene (Castellari fand den Typen mit seinem Schlagzeug zufällig am Drehort und baute ihn ein. Warum? Weil Castellari es kann!), die echten Hell's Angels spielen Rocker und waren für die Sicherheit am Set zuständig, und auf dem Weg zu König Fred Williamson begegnen Trash und seine Crew einer Horde steppender Gauner, die die harten Jungs sogleich im Takt der Musik verhauen. Und was wissen wir nach dieser Szene mehr? Dass Castellari eben auch „Uhrwerk Orange" von Stanley Kubrick gesehen hat!

Feiner Unsinn, der dank seiner comichaften Umsetzung für jede Menge Spaß sorgt, aber einen wirklich langatmigen Einstieg bietet. Demnächst gibt’s hier wohl Teil 2 (ebenfalls von Castellari), sowie Teil 3, der aber eine Erfindung des deutschen Verleihs ist und von Bruno Mattei inszeniert wurde; gruselig.

Eine Rezension von David Kugler
(22. April 2011)
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Daten zum Film
The Riffs - Die Gewalt sind wir! Italien 1982
(1990: I guerrieri del Bronx)
Regie Enzo G. Castellari Drehbuch Elisa Briganti, Dardano Sacchetti
Produktion Deaf Internacional Film SrL. Kamera Sergio Salvati
Darsteller Mark Gregory, Fred Williamson, Vic Morrow, Christopher Connelly, Stefania Girolami, George Eastman, Ennio Girolami
Länge 88:40 FSK
Filmmusik Walter Rizzati
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