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Rosario - Die Scherenfrau

Rosario - Die Scherenfrau

Ein Film von Emilio Maillé

Kolumbien Ende der 80er Jahre: In einer Diskothek treffen Emilio (Manolo Cardona) und Antonio (Unax Ugalde) auf die verführerische Rosario (Flora Martinez). Beide verlieben sich in sie, doch Emilio beginnt mit ihr eine Affäre auf rein sexueller Basis, während Rosario mit Antonio über alles reden kann. Doch Rosario birgt ein dunkles Geheimnis: sie arbeitet als Prostituierte und Killerin. Damit zieht sie Antonio und Emilio in ihre gefährlich Welt. Und zwischen beiden Männer, die seit Kindesalter befreundet sind, beginnt ein Konflikt um die verführerische Schöne...

"Rosario - Die Scherenfrau" basiert auf dem Roman von Jorge Franco. Für das Buch wurde Franco in Kolumbien mit dem Nationalen Literaturstipendium ausgezeichnet und erhielt schließlich im Jahr 2000 in Spanien den begehrten Hammett-Krimipreis, ein renommierter Award. 2005 wurde der Roman als Co-Produktion von Spanien, Mexiko, Brasilien und Kolumbien verfilmt und avancierte in Kolumbien zum erfolgreichsten Film des Jahres 2005. Nach zwei Jahren wurde der Film nun auch ans Ausland verkauft und unter dem Titel "Rosario - Die Scherenfrau" in Deutschland als DVD-Premiere von Ascot veröffentlicht. Stellt sich nun die Frage, warum man den erfolgreichsten kolumbianischen Film 2005 nicht ins Kino bringt, sondern gleich auf DVD in die Videotheken stellt. Mit dem neuen russischen Kino hat es in Form von "Wächter der Nacht" doch auch geklappt, und das türkische Kino feierte jüngst mit "Tal der Wölfe" einen (rein komm
erziell gesehen) Achtungserfolg. Das Publikum ist definitv reif für Kino von außerhalb Hollywoods.
Rosario - Die ScherenfrauRosario - Die ScherenfrauRosario - Die Scherenfrau
Ein großes Problem ist bereits die Einordnung in ein Filmgenre. Schon die DVD gibt als Genre "Thriller" an, die Tagline des Films lautet "Sie ist schön, sie ist stark, sie ist eine eiskalte Killerin". Wer nun eine actionreichen Thriller mit einer starken feministischen Note ganz in Tradition von "Nikita" (oder sogar "Kill Bill") erwartet, wird enttäuscht: "Rosario" ist eigentlich ein waschechtes Drama, das Psychogramm einer kaputten Frau, Studie von kolumbianischen jungen Erwachsenen Ende der 80er Jahre, Sozialdrama mit feizügigem Erotikeinschlag, aber (leider) kein Actionfilm. Praktisch gesehen gibt es keine echte Actionszene, nur kurze Feuergefechte die meistens nach einer Handvoll Schüssen wieder zu Ende sind. Dies mag realistisch sein, stößt den Zuschauer aber vor den Kopf in seiner Erwartung. Was man dem Film natürlich nur schwer vorwerfen kann ist seine Vermarktung auf ausländischen Märkten, aber eine gewisse Langatmigkeit kann nicht geleugnet werden. Vor allem im Mittelteil schleichen sich Längen ein, und eine Beerdigungsszene passt vom Ton her überhaupt nicht zu dem Rest des Films und wirkt wie ein Fremdkörper.

Die titelgebende Figur Rosario ist eine junge, schöne und gefährliche Frau, die jedoch zugleich auch sehr verletzlich ist. In ihrer Kindheit war sie Opfer sexuellen Missbrauchs durch ihren Vater, ihre Mutter gab jedoch sogar ihr die Schuld daran und wirft ihr sogar ein "Es hat dir doch bestimmt gefallen." an den Kopf. Die einzige Person aus ihrer Familie, die sie wirklich liebt, ist ihr Bruder Jonhefe, zu dem sie schließlich zog. Dieser brachte sie auch in die Kreise der Unterwelt und machte sie sowohl zur Prostituierten als auch zur Killerin (dies wird aufgrund der dramatischen Struktur nicht ganz nachvollziehbar, dazu später mehr). Rosario ist also eine zutiefst gestörte Person, die aufgrund ihrer schlimmen Kindheit zu dieser gewalttätigen Frau wurde, die auch in ihren persönlichen Beziehungen Probleme hat, Liebe und Sex zu vereinen. Wen sie liebt, mit dem schläft sie nicht; Sex als Waffe und Triebbefriedigung.
Unter dieser Situation leidet vor allem Antonio, ein junger Mann, der sich vor allem durch seine Einfühlsamkeit auszeichnet. Er verliebt sich in die rassige Schönheit, hat jedoch keine Chance an sie ran zu kommen - mit ihm redet sie nur über alle Sachen. Er selber verzweifelt an dieser Situation. Sehr verdeutlicht wird diese Szene, als Rosario, nachdem sie gerade Sex hatte, sich zu ihm auf die Couch setzt, eine Zigarette raucht und mit ihm redet. Als sie wieder geht, beugt sich Antonio über einen Fleck, den sie auf der Couch "hinterlassen" hat - in ihrer Offenheit eine absolut unerwartete Szene.

Die dritte Hauptperson ist Emilio. Er ist ein junger Mann aus gutem Hause und stark abhängig von Kokain. Überhaupt nimmt jeder in diesem Film Drogen. Emilio wirkt fast schon wie die Karikatur eines südländischen Machos, mit weit geöffnetem Hemd und Goldkette. Er schafft es auch, in seiner Stammdisco jede hübsche Frau ins Bett zu bekommen, während der sensible Antonio immer alleine ist. Diese Entwicklung stört auch seine reichen Eltern, die sich endlich eine Frau für Emilio wünschen. Als er Rosario ihnen vorstellt, beschweren diese sich über die Essmanieren des Mädchens aus armen Hause. Doch auch Emilio ist derselbe Spießer wie seine Eltern, er lügt sie absolut über die Herkunft Rosarios an, was ein großes Problem für die stolze Frau darstellt. Und doch nimmt man ihm ab, dass er sich wirklich in Rosario verliebt hat, da er sich bei seinem besten Freund beschwert, dass Rosario nur mit Antonio redet und nicht mit ihm. Er würde ihr sogar in die Hölle folgen, wenn sie das wünscht. Doch sie antwortet, sie möchte lieber endlich in den Himmel. Beide Männer haben den typischen Ehrenkodex, dass man nicht die Frau des besten Freundes angräbt, doch Rosario stellt auch dies auf den Kopf. Überhaupt merken die reichen Männer, dass ihre Realität in all ihrer Geschütztheit nicht mit dem wahren Leben, dem Leben eines armen Mädchens in Konsent gebracht werden kann - eine sozialkritische Note?

Wie oben bereits erwähnt stellt die dramaturgische Struktur ein Problem des Films dar. Er beginnt mit der Einlieferung einer blutüberströmten Rosario in ein Krankenhaus in Begleitung von Antonio. In den nächsten zwei Stunden des Filmes wird in Rückblenden, Vorgriffen und Zwischengeschehnissen erklärt, wie sich die Beteiligten kennen lernten und wie es zu der Krankenhausszene kam. Was sich auf dem Papier interessant und spannend anhört, entwickelt sich leider zu einem stellenweise absolut verwirrenden Wechseln von Schauplätzen und Zeiten, ohne jeglichen Sinn. Warum der Regisseur diese potentielle spannende Struktur benutzt, ohne aber einen an sich spannenden Film erzählen zu wollen - hier kommt wieder die Drama-Natur des Films ins Spiel - entzieht sich meiner Kenntnis. Deutlich besser wäre es in meinen Augen gewesen, wenn der Film in größtenteils chronologischer Abfolge den Niedergang der Filmfiguren porträtiert, anstatt in dieses erzwungene Korsett gepresst zu werden. Überhaupt gibt es wie vorher schon geschrieben ohnehin einige Längen im Film, so dass er sich manchmal wie Kaugummi zieht. Und gerade durch die plötzlichen Wechsel wird nicht gerade für Nachvollziehbarkeit gesorgt. So ist allein die Bedeutung von Rosarios Bruder für ihre spätere Karriere als Prostituierte und Killerin nicht wirklich herausgearbeitet, obwohl eigentlich eminent wichtig für das Verständnis von Rosarios Beweggründen.
Rosario - Die ScherenfrauRosario - Die ScherenfrauRosario - Die Scherenfrau
Die titelgebende Figur wird von Flora Martinez verkörpert. Sie passt perfekt in diese Rolle, Frau Martinez ist eine atemberaubende Schönheit, die vor allem bei den männlichen Zuschauern für glänzende Augen sorgen wird. Sie spielt sehr intensiv, überzeugt auch in den emotionalen Szenen und hat darüber hinaus auch kein Problem, ihre Kleider abzulegen - sie sorgt aber auch angezogen für die erotische Note des Films. Sie hatte auch ausserhalb Südamerikas schon Rollen, der bekannteste Film dürfte wohl "Lebenszeichen - Proof of Life" sein, in dem sie Linda spielte. Unax Ugalde spielt Antonio und erinnert mich vom Aussehen her etwas an Michael Mittermeier. Auch er weiß durchaus zu überzeugen und man nimmt ihm vor allem die sensible Seite von Antonio ab. Sein bekanntester Film dürfte "Goyas Geister" sein. Manolo Cardona bleibt als Emilio etwas hinter den Leistungen seiner Mitakteure zurück. Sein Emilio hat häufig den gleichen Gesichtsausdruck eines Machos, auch wenn er in manchen Szene, die chronologisch später kommen würden, angenehm herunter gekommen aussieht und hier dann auch besser schauspielt. Regisseur Maillé drehte mit "Rosario" seinen siebten Film. Ihm gelingen stellenweise ein paar sehr schöne Bilder, jedoch ist wie oben erwähnt der Aufbau des Film recht unverständlich. An internationalen Produktionen war er noch nicht beteiligt.

Diese Kritik basiert auf der deutschen DVD aus dem Hause MFA im Vertrieb von Ascot. Das Bild überzeugt größtenteils, vor allem die knalligen Farben wissen zu überzeugen. Über den Ton kann man sich ebenfalls nicht beschweren, zumindest über die deutsche Tonspur. Hier hat die DVD auch einen gravierenden Nachteil: leider findet sich kein Originalton auf der DVD, was wirklich sehr schade ist. Nichtsdestotrotz ist der Film auf deutsch gut anschaubar und auch mit professionellen Sprechern synchronisiert worden. Extras gibt es leider auch so gut wie keine, nur der Originaltrailer und das Musikvideo zum Titelsong "Rosario Tijeras" von Juanes gibt es zu sehen. Dazu gibt es filmfremd noch eine Trailershow zum weiteren Programm vom Anbieter. Die DVD ist ab 16 Jahren freigegeben und dürfte ungeschnitten sein, auch wenn ofdb.de da etwas anderes sagt. Vielen Dank an Ascot für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Fazit: Mit "Rosario - Die Scherenfrau" bringt Ascot uns einen kolumbianischen Erfolgsfilm ins Heimkino. Jedoch ist es statt andersweitiger Vermarktung das Drama einer Frau in einer Männerwelt geworden. "Rosario" ist ein stellenweise sehr zäher Film, der jedoch meistens schön abgefilmt, mit guten Schauspielern und einer atemberaubenden Hauptdarstellerin hervorstechen, aber nicht über die Schächen seiner Dramaturgie hinwegtäuschen kann. Als Note gibts ein Mittelding, irgendwo zwischen 3 und 4. Vielleicht wäre der Film mit anderen Erwartungen besser gewesen.

Eine Rezension von David Kugler
(10. Juli 2007)
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Daten zum Film
Rosario - Die Scherenfrau Kolumbien, Mexiko, Spanien, Brasilien 2005
(Rosario Tijeras)
Regie Emilio Maillé Drehbuch Marcelo Figueras
Produktion Rio Negro
Darsteller Flora Martinez, Unax Ugalde, Manolo Cardona
Länge 111:46 FSK 16
http://www.rosariotijeraslapelicula.com/
Filmmusik Roque Baños
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