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Dirty Dancing

Dirty Dancing

Ein Film von Emile Ardolino

Es soll sie ja immer noch geben, diese sogenannten Tanzmuffel. Menschen, denen nicht erst bei der zwölften vollendeten Drehung, sondern schon alleine beim Gedanken an ¾-Takt und Promenaden schlecht wird. Unbeeindruckt von den tänzerischen Darbietungen auf der Tanzfläche und den unzähligen dort abgelegten heißen Sohlen schüttelt dieses Grüppchen einfach nur den Kopf ob der von den Tänzern an den Tag gelegten Tanzfaszination und widmet sich lieber dem Gegenüber an der Bar, das auf den Namen Keeper hört. Jeder Bekehrungsversuch der vom Tanzfieber Infizierten verläuft seit jeher im Sande, und auch das noch so erotisch gesäuselte „Darf ich bitten?“ trifft meistens auf vorsätzlich taube Ohren. Ja, es ist nicht leicht, aber was wäre das Leben schon ohne seine Herausforderungen?


Trotzdem möchte der Verfasser dieser Zeilen überhaupt nicht den Versuch unternehmen, die gerade bewusst ironisch charakterisierte Gruppe zu bekehren, da diese die nun folgende Kritik wahrscheinlich sowieso nicht lesen wird. Außerdem soll es ja auch jene geben, die mit dem Tanzen zwar viel, mit dem hier behandelten Kultfilm aber herzlich wenig anfangen können. Man sollte sich somit keiner Illusion hingeben: Die Tanzmuffel werden auch noch in 10 Minuten Tanzmuffel sein, und die Leute, die „DIRTY DANCING“ trotz Rhythmus im Blut noch nie etwas abgewinnen konnten, erleben sicherlich keinen plötzlichen Sinneswandel. Wir sollten uns dennoch auf das Parkett wagen, gemeinsam oder
alleine.


Das dreckige Tanzen, dem der Film seinen Namen verdankt, entstand in den frühen 1960er Jahren und markierte einen Wendepunkt in der bisherigen musikalischen Entwicklung. Tanzte man vorher nur strikt nach Folge, ohne allzu viel Aufhebens über das in der Musik Transportierte zu machen, wurde nun plötzlich den Texten mehr Bedeutung zugemessen. Die durch die sorgfältig ausgewählten Liedtexte vermittelten Gefühle vermischten sich mit den immer erotischer werdenden Beats der Musik zu einem echten Lebensgefühl, das seinen Niederschlag in einer neuen Art des Tanzes finden sollte, die auch heute noch in allen Discos der Welt Einzug hält: dem Spontan-Tanz. Ablassen von vorgeschriebenen Schrittfolgen – deshalb dreckig –, einhergehend mit einem wahren Feuerwerk an immer exotischeren und damit schwieriger werdenden Tanzbewegungen – das dreckige Tanzen war geboren und damit auch der Aufhänger für den Überraschungs-Filmhit von 1987/88.


Frances „Baby“ Houseman (Jennifer Grey) ist gar nicht sonderlich erfreut, als ihre Eltern die gemeinsamen Ferien in einem Ferienresort namens Kellerman’s verbringen wollen. Dort angekommen, bläst die Arme Trübsal, ändert aber schlagartig ihre Meinung, als sie Bekanntschaft mit dem Tanzlehrer Johnny Castle (Patrick Swayze) schließt. Der leidenschaftliche Tänzer gewährt der nun gar nicht mehr so traurigen Frances Zutritt zu den Bereichen, die ansonsten tabu für die Gäste sind: den Unterkunftsräumen der Hotelangestellten. Dort offenbart sich der 17-jährigen eine Welt, die sie vorher nicht kannte, während ein Gefühl tiefster Zuneigung zwischen den beiden wächst und gedeiht. Der erfahrene Tänzer bringt der komplett Unerfahrenen nach und nach bei, wie man sich zu Dirty-Dancing-Rhythmen bewegt, und ganz allmählich verfällt auch Frances dem Tanzen. Glück im Unglück, wie sich zeigen soll, da Johnnys Tanzpartnerin Penny (Cynthia Rhodes) urplötzlich aufgrund einer ungewollten Schwangerschaft für einen wichtigen Auftritt ausfällt. Baby übernimmt kurzerhand und notgedrungen Pennys Part, sowohl in tänzerischer als auch bald in jeder anderen Hinsicht, da sich die immer stärker werdenden Gefühle für Johnny bei den nun täglich stattfindenden Privat-Tanzstunden nicht mehr leugnen lassen, so dass eintritt, was zwangsläufig eintreten musste: Frances und Johnny werden ein Liebespaar. Traurigerweise bleibt dies nicht lange geheim, und Johnny wird wegen Nichteinhaltung der Vorschrift, ja nichts mit den Gästen anzufangen, fristlos gekündigt. Der Tanzlehrer verlässt daraufhin unter den Tränen Frances’ das Feriencamp. Sollte es etwa schon vorbei sein mit der jungen Liebe? Der letzte Abend der Saison und der traditionelle letzte Mambo zumindest warten mit einer (handfesten?) Überraschung auf.


Nein, die Geschichte aus der Feder von Eleanor Bergstein gewinnt wahrlich keinen Blumentopf und tänzelt bes(ch)wingt von einem Romanzen-Klischee zum nächsten, ohne mit einer echten Wendung zu überraschen. Das obligatorische Happy Ending liegt im Grunde schon beim ersten Zusammentreffen Frances’ mit Johnny so sicher auf der Hand wie das Amen in der Kirche. Und trotzdem geht von „DIRTY DANCING“ etwas aus, eine gewisse Faszination, die den Zuschauer vergessen lässt, dass hinsichtlich Story und schauspielerischer Darbietung keine Höchstleistungen geboten werden. Wenn gegen Ende „(I’ve Had) The Time of My Live“ intoniert wird, offenbart die bisher so gradlinig erzählte Tanz-Romanze nämlich endlich ihr wahres Gesicht, wird aus der vormals vorhersehbaren Geschichte etwas anderes, etwas Tieferes. Getragen von dem nett anzusehenden Spiel von Swayze und Grey, bekommt die in Liebesfilmen ansonsten reichlich oberflächlich abgespulte Annäherung zwischen zwei sich Liebenden ein neues, interessanteres Gesicht, ohne allzu offensichtlich den Holzhammer zu bemühen. Im Film geschieht das Annähern nicht etwa durch Worte, sondern durch die zweitschönste Art der Verführung: das Tanzen. Im Mittelpunkt steht somit gar nicht die Liebesgeschichte an sich – es ist vielmehr das, was die Liebesgeschichte umgibt, sie erst ermöglicht. Emile Ardolino sei es – so er selbst – wichtig gewesen, in seinem Film die Entwicklung einer Romanze durch die Sprache der Füße und die damit verbundene Veränderung Frances’ aufzuzeigen. Das junge Mädchen in Gestalt der 17-jährigen Frances wird im Laufe des Films durch das Tanzen zunehmend und unverkennbar lockerer, entdeckt nach und nach, was das Tanzen bei ihr, die sie sonst so zurückhaltend und schüchtern war, bewirken kann.


Ist man sich der Intention des Regisseurs bewusst, erscheint es nun auch umso verständlicher, dass die Präsentation der Tanzszenen und die Auswahl der Musik den eigentlichen Hauptreiz des Films ausmachen. Die Tänze zu so bekannten Stücken wie „Big Girls Don’t Cry“ von Frankie Valli oder etwa „Will You Still Love Me Tomorrow“ von den Shirelles erzählen auf ihre Art, alleine durch den Liedtext, eine ganz eigene Geschichte und bilden mit dem zwar einfach gestrickten, aber nichtsdestotrotz sorgfältig entwickelten Plot eine mehr als gelungene Symbiose, die Ausdruck eines Lebensgefühls ist, das vielleicht nur Tänzer so richtig nachvollziehen können. „(I’ve Had) The Time of My Life“, der Oscar-gekrönte Titelsong der Komponisten Franke Previte, John Denicola und Donald Markowitz, ist somit weniger Ohrwurm, als vielmehr die Liedwerdung einer zeitgenössischen Entwicklung, deren Früchte auch heute noch weltweit überaus farbenfroh erscheinen. Weiterhin erleben in aller Welt Millionen von Menschen täglich die Zeit ihres Lebens, immer und immer wieder, nur durch das Tanzen und die unmittelbar anhängende Leidenschaft. Das Parkett wird zur Bühne, teils für die, die einfach nur um des Tanzen willens tanzen, teils für all jene, die verstanden haben, um was es beim Tanzen wirklich geht. Genauso wie Baby und Johnny am Ende des Films. Die Welt um sie herum scheint förmlich still zu stehen, während die beiden, eng aneinander geschmiegt, ihre Füße gefühlvoll zum Text der Musik bewegen. „Traumhaft schön“, mag man hier denken und in demselben Atemzug erkennen, dass diese Worte so echt, so wahr sind. Denn was ist Tanzen anderes, wenn nicht das gemeinsame Träumen mit den Füßen?

Eine Rezension von Stefan Rackow
(14. August 2007)
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Daten zum Film
Dirty Dancing USA 1987
(Dirty Dancing)
Regie Emile Ardolino Drehbuch Eleanor Bergstein
Produktion Linda Gottlieb Kamera Jeff Jur
Darsteller Jennifer Grey, Patrick Swayze, Jerry Orbach, Cynthia Rhodes, Jack Weston, Jane Brucker, Kelly Bishop
Länge 96 Minuten FSK ab 12 Jahren
Filmmusik John Morris
Kommentare zu dieser Kritik
schlaubi TEAM sagte am 14.08.2007 um 09:14 Uhr

schleimer ;-)
Jessy sagte am 14.08.2007 um 16:40 Uhr

Einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Wirklich der Film ist ein Klassiker, den sollte... nein muss jeder kennen!
Klar es geht halt nur ums tanzen und die Liebe, aber mein Gott... das ist doch nicht schlimm. Der Film hat so viel zu bieten. Tolle Musik, eine süße Liebesgeschichte mit Happy End und tolle Schauspieler.
Mal ehrlich Patrick S. sieht da ja schon noch ziemlich gut aus und Jennifer W. ist auch eine hübsche und talentierte Frau. Und die Musik nicht zu vergessen. Die ist ja wohl der absolute hammer.
Also um es kurz zu sagen: Übergeiler Film!!!
Renee TEAM sagte am 16.08.2007 um 11:11 Uhr

Was für ein Schlusssatz! Demnach darf man dann getrost einige der tänzerischen und wohl auch gesanglichen Einlagen im Film (allen voran jene von Babys Schwester Lisa) als Albtraum bezeichnen. :-)
Zugegebenermaßen ist „Dirty Dancing“ kein Quell unübertroffener Schauspielleistungen oder cleverer, nicht vorhersehbarer Wendungen. Und trotzdem schafft es diese simple Geschichte in großartiger Weise zu unterhalten. Der Film hat dieses gewisse Etwas, das aus einem guten einen hervorragenden Film macht, der auch in der zigsten Wiederaufführung nicht langweilig wird. Klar ist das v.a. der Musik zu verdanken – deswegen darf man auch getrost zu Beginn des Abspanns noch einmal ein wenig zurückspulen und sich das Finale zwei, drei, vielleicht vier mal anschauen. „Mein Baby gehört zu mir, ist das klar?!“ Na dann... :-)
Anj TEAM sagte am 16.08.2007 um 20:25 Uhr

Im Original heißt es ja "Nobody puts my Baby into a corner" oder so ähnlich... irgendwie ganz anders.
Ja, dieser Film hat einfach einen gewissen Zauber, den man selten erklären kann. Trotz simpler Handlung usw. hat der Film eben etwas, das ihn vom restlichen Tanzfilmhaufen abhebt.
Was auch interessant ist: Die Baby-Darstellerin war vor Filmdreh genauso wie ihre Rolle eine blutige Tanzanfängerin: Sympathisch!

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