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Rabbit in the Moon

Rabbit in the Moon

Ein Film von Emiko Omori

Die amerikanische Dokumentation bringt das historische Tabu der Deportation und Internierung von in den USA lebenden Japanern, den so genannten „Japanese Americans“, während des zweiten Weltkrieges, vor dem Hintergrund des Kriegseintrittes Japans gegen die Vereinigten Staaten, zur Sprache.

Kurzer geschichtlicher Exkurs: Schon lange vor der Feindschaft zwischen den USA und Japan wurden Japanische Migranten und deren Nachkommen in den USA aus rassistischen Gründen diskriminiert, wobei ihnen unter anderem die amerikanische Staatsbürgerschaft verweigert wurde. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 wurden diese „Japanese Americans“ mit noch härteren Restriktionen sanktioniert und schließlich vom Februar 1942 bis Ende 1944 in Camps zusammengepfercht.

Die Regisseurin Emiko Omori war selbst eine Betroffene und hat deswegen einen sehr persönlichen Zugang zu dieser Thematik, war sie doch als Kleinkind in einem Camp interniert und verlor damals ihre Mutter. Hier erzählt sie von ihren eigenen Erlebnissen und Erfahrungen, lässt aber auch andere Zeitzeugen zu Wort kommen, die das typische Bild vom passiven und alles erduldenden Japanese American revidieren und von den Verfolgungen, denen die Einwohner der USA mit japanischen Wurzeln ausgesetzt waren, berichten.

„Rabbit in the Moon“, dessen Titel auf eine japanische Legende anspielt, ist keineswegs undifferenziert, stellt die USA niemals als vollkommen schlecht dar, sondern ist
um verschiedene Aspekte dieses historischen Dramas bemüht. So wurden nicht nur japanische Zeugen sondern auch andere US-Bürger interviewt.
Darüber hinaus sind die Interviewten heute US Bürger. Sie identifizierten sich auch nach dem Aufenthalt in den Camps noch immer so sehr mit dem „American Way of Life“, dass sie es sich nie hätten vorstellen können, nach Japan aus- bzw. zurückzuwandern.
Was jedoch bleibt ist das Gefühl, als Einwohner (wenn auch nicht Staatsbürger) der Vereinigten Staaten von der eigenen Regierung verraten worden zu sein, während z.B. weiße Immigranten aus Deutschland kein Unrecht widerfuhr.
Die ehemals Internierten kritisieren zudem die amerikanische Mediengesellschaft, die sich lange Zeit weigerte von den gesellschaftspolitischen Missständen und den weiß-rassistischen Diskriminierungen zu berichten.

Der Film arbeitet mit einer mannigfachen Fülle an Originalaufnahmen vom Leben in den Camps und vom Krieg zwischen Japan und Amerika, Fotos, eingeblendeten Informationen, Zeitungsartikeln, Abbildungen historischer Dokumente und Einschnitten alter amerikanischer Wochenschauen, die sehr tendenziös, verherrlichend und ignorant sind und vor patriotischer Propaganda nur so triefen. Geschickt stellt der Film dabei die Wochenschauen den Aussagen der Zeitzeugen gegenüber und hebt somit den Kontrast zwischen medialer Manipulation und den Erlebnissen und Erfahrungen der Internierten noch stärker hervor.
Landschaftsaufnahmen und Aufnahmen der Camps heute werden immer wieder eingeblendet, wobei die Kameraführung überwiegend statisch und ruhig verläuft. Einige stimmungsvolle Naturbilder, wie z. B. ein aufgehender Mond (vgl. der Titel des Films) steigern die emotionale und melancholische Atmosphäre der Berichterstattung zusätzlich, und Amerikanische Lieder mit sarkastischen Untertönen bezogen auf die Aussagen der Interviewten („Dream and your Dream will come true!“) stellen das Klischee vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten kritisch in Frage.

Was die Dokumentation zuweilen etwas kitschig und trivial werden lässt sind hinzugefügte Soundeffekte, mit denen stumme Aufnahmen oder Fotografien öfters untermalt werden, historische Aufnahmen, die in Zeitlupe abgespielt werden und eine manchmal zu dramatische und tragische Musik. Hieran wird ersichtlich, dass der Film ein breiteres Zielpublikum ansprechen möchte und die Informationen nicht zu trocken und sachlich berichten will. Das kann zwar bei einer Oral History Auswertung problematisch sein, ich halte es in diesem Fall jedoch für legitim, da der Film immerhin um Aufklärung historischer Missstände und Verdrängungen bemüht ist und den Zugang, um auch den durchschnittlichen TV-Konsumenten erreichen zu können, nicht zu wissenschaftlich gestalten kann. Die Dokumentation ist ohnehin schon anspruchsvoll und lange genug, und gewiss alles andere als eine leichte Kost.

Omori ist mit ihrer Dokumentation eine hochwertige und abgerundete Auswertung der Interviews gelungen, die durchaus Amerika-kritisch ist, und eine interessante Gegenposition zur Theorie des Melting Pots bildet. Denn gerade die „Japanese Americans“, die immer als besonders anpassungsfähige Migranten galten und gelten, wurden von der amerikanischen Regierung besonders menschenrechtswidrig behandelt.

Eine Rezension von Florian Friedrich
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Daten zum Film
Rabbit in the Moon USA 1999
(Rabbit in the Moon)
Regie Emiko Omori Drehbuch Pat Jackson, Emiko Omori
Produktion Chizuko Omori, Emiko Omori
Länge FSK
http://www.rabbit-in-the-moon.org
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