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Die Totengruft des Dr. Jekyll RSS 1.0


Die Totengruft des Dr. Jekyll

Die Totengruft des Dr. Jekyll

Ein Film von Edgar G. Ulmer

„Die Rückkehr der Galerie des Grauens“, diese großartige Filmreihe von Anolis, neigt sich so langsam ihrem Ende, und wir bei Mannbeisstfilm hängen etwas hinterher. 4 Filme stehen noch aus, 2 davon wurden bereits veröffentlicht. Insofern ist es an der Zeit, endlich wieder mit den Kritiken aufzuholen und den vorliegenden „Die Totengruft des Dr. Jekyll“ einem genaueren Blick zu unterziehen. Es sei in dieser kurzen Vorrede noch angemerkt, dass dieser Streifen insofern eher ungewöhnlich für die Reihe ist, da er eigentlich kein Sci-Fi-Film ist: so taucht er auch nur als Randnotiz in Bill Warrens fantastischem Buch „Keep watching the skies!“ auf, das sich auf die englischsprachigen Sci-Fi-Filme der 50er Jahre spezialisiert hat (und hier unverhohlen Euch lieben Lesern ans Herz gelegt wird). Vorhang auf für Edgar G. Ulmers angeblich schlechtesten Film!

Irgendwann Anfang des 20. Jahrhunderts: die junge Janet Smith (sehr kreativ, liebe Drehbuchautoren!) fährt mit ihrem Verlobten George Hastings (John Agar!) aufs Land zu ihrem Ziehvater Dr. Lomas. Dieser adoptierte sie, nachdem ihr Vater starb und erwartet nun freudig des jungen Paares. Die Freude über die Bekanntgabe der Verlobung wird alsbald getrübt, als Janet und George ein geheimes Labor ihres Vaters im Haus entdecken, die gruselige Geschichte des Mannes in Erfahrungen bringen – und zu allem Überfluss auch junge Frauen des Dorfes mit tiefen Wunden tot aufgefunden werden. Janet wird von Albträumen geplagt, wacht mit Bl
utspuren auf, und alsbald verdächtigt sie der Hausdiener Jacob, ein Werwolf zu sein, der das Dorf terrorisiert. Und Jacob schnitzt schon mal einen Speer, da in diesem Film über Dr. Jekyll Werwölfe mit Speeren durchs Herz getötet werden – interessant!

Um genauer zu verstehen, wo dieser Film herkommt, ist ein Blick auf den Drehbuchautor Jack Pollexfen nötig. Dieser war 1951 am Drehbuch zu „The Son of Dr. Jekyll“ beteiligt, eine Fortsetzung der klassichen Horrorstory – dem Vernehmen nach auch ziemlich öde, aber nichtsdestotrotz halbwegs erfolgreich. Billigschmiede Film Venturers brauchte 1957 nun einen zweiten Film, um „The Cyclops“ (ebenfalls mit Gloria Talbot) als Double-Feature ins Kino zu bringen. Man engagierte also Jack Pollexfen, der sein Drehbuch zu „The Son of Dr. Jekyll“ variierte und fertig war das Script. Mit der Regie wurde Edgar G. Ulmer beauftragt, der vor allem dafür bekannt war, mit wenig Geld und noch weniger Zeit brauchbare Filme zu machen – sein „The Black Cat“ ist ein Klassiker; leider wurde Ulmer Gerüchten zufolge aufs B-Film-Abstellgleis geschoben, nachdem er etwas mit der Frau eines einflussreichen Produzenten hatte. Als männlicher Gegenpart zu Gloria Talbot ist schließlich noch John Agar an Bord, der in vielen Genreklassikern mitspielte, nachdem seine Karriere nach einem vielversprechenden Start an der Seite von John Wayne in Filmen von John Ford eine etwas andere Richtung einnahm – ich als Fan bin dafür dankbar, den er zieht oftmals seine grandiose Show ab.

Jetzt aber endlich zum eigentlichen Film: „Die Totengruft des Dr. Jekyll“ ist vor allem eines: dialoglastig! Die Schwäche des Drehbuchs und die starken finanziellen Einschränkungen zeigen sich vor allem darin, dass im Film oftmals nichts passiert, außer das die Darsteller in beengten Studioräumen – die immer als solche erkennbar sind – miteinander reden. Da fällt auch Ulmer wenig ein, das ganze zumindest visuell interessant darzustellen. Überhaupt ist das Drehbuch eine wilde Mixtur aus verschiedensten Motiven: da wird Dr. Jekyll mit Werwölfen durcheinander gehauen, die allerdings mittels Pflöcken durchs Herz ausschaltbar sind, so dass man also auch Vampire mit reinbekommt. Weiterhin findet sich in den Traumsequenzen noch eine Spur von Besessenheit bzw. Dämonen. Das klingt jetzt wilder und interessanter als es letztendlich ist. Der Plot braucht bei einer Laufzeit von etwas über 60 Minuten fast satte 40 Minuten, um endlich in die Gänge zu kommen! So wohlgesonnen man solchen Filmen (bzw. der „Galerie des Grauens“) auch sein mag, muss man doch konstatieren: die Angelegenheit zieht sich manchmal ziemlich! Da helfen auch die Darsteller recht wenig: John Agar fällt vor allem durch ein enorm geschmackloses Hemd auf, während Arthur Shields immerhin sein ausdrucksstarkes Gesicht nutzen kann; immerhin spielt sich Gloria Talbot szenenweise die Seele aus dem Leib und nimmt die Chose deutlich ernster, als der Rest der Mannschaft.

Wie bereits erwähnt fällt auch Regisseur Ulmer wenig ein, den Film flott zu inszenieren. Eine der wenigen Szenen, in der er sein Talent zeigen kann, ist die kurze Stelle in dem Treppenhaus, das sicherlich kein Set war, sondern on location gedreht wurde. Auch in den Traumsequenzen legt er die Kamera mal quer, was optisch für Abwechslung sorgt, und etwas Atmosphäre schaffen kann. Stichwort Atmosphäre: in Außenszenen liegt ständig ein Nebenfilter über dem Bild, was natürlich gruselige Stimmung erzeugen soll. Allerdings wurde aus Kostengründen (!) nicht mit Nebel am Set gedreht, sondern fertiger Nebel über das Bild gelegt – ein Nebel, der sich natürlich nicht mitbewegt, wenn sich die Kamera bewegt! Weiterhin lässt sich Ulmer immer wieder dazu hinreißen, ein äußerst fürchterliches Modell des Herrenhauses zu zeigen, dass selbst auf DVD niemals seine wahre Natur verbergen kann; was insofern völlig unverständlich ist, weil man dieses establishing shot auch mit einem echten Haus hätte realisieren können – ist ja nicht so, als ob dieses billige Modell irgendwann mal gesprengt werden würde. Zu allem Überfluss wird die Größe des Modells dadurch noch deutlicher, dass der Nebel in dieses Szenen von Räucherstäbchen kommt!

Dabei ist die Verwandlungsszene zum Werwolf nicht so schlecht (und im Audiokommentar auch sehr interessant erklärt), und auch das finale Make-Up ist ganz nett. Das sind aber nur kleine Lichtblicke in einem ansonsten recht drögen Film – die zeitlichen und finanziellen Beschränkungen sind etwa auch daran sehr deutlich zu sehen, dass immer die gleiche Kameraeinstellung verwendet wird, wenn jemand die Familiengruft betritt (was sehr oft passiert). Überhaupt ist es ziemlich unsinnig, diese Familiengeschichte an die berühmte Story von Dr. Jekyll anzuhängen. Das hätte man derart ersatzlos streichen können, dass ich zu Beginn dachte, der Bezug auf Jekyll wäre wie so oft eine Erfindung der deutschen Synchronisation. Denn die Idee, dass Jeykll ein Werwolf war, mag zwar auf den ersten Blick ganz nett sein, ist aber auf den zweiten Blick Pustekuchen, wenn auf einmal Vererbung und Genetik ins Spiel gebracht wird – denn dann wäre der Konsum von Jekylls Elixir auf einmal vererbbar...

Stichwort Deutsche Fassung: als Film des Mercator Verleihs musste die Laufzeit natürlich wieder auf Spielfilmlänge gestreckt werden, da in Deutschland damals die Filme nicht als Double-Feature liefen. Insofern drehte man erneut einen herrlich blödsinnigen Prolog und Epilog, der den Film in eine Rahmenerzählung einbettet und das Ende für eine Fortsetzung offen lässt, die natürlich niemals erschien. Interessant ist aber auch, dass die amerikanische Urfassung ebenso eine kurze Szene vor und nach dem Film hat, die in der deutschen Version dementsprechend der Schere zum Opfer fiel. Beide Versionen finden sich natürlich auf der schönen DVD von Anolis wider. Neben dem üblichen Booklet, Trailer etc. gibt es auch wieder einen Audiokommentar. Dieser ist mit Mick Garris recht prominent besetzt, der von Ivo Scheloske unterstützt wird. Ganz witzig ist hierbei, dass die beiden wenig Gutes am Film lassen (natürlich merkt man ihnen aber die grundsätzliche Liebe zum Genre an). Insofern bekommt die DVD natürlich wieder eine dicke Empfehlung!

Fazit: „Die Totengruft des Dr. Jekyll“ ist ein äußerst langatmiger Film, der trotz recht prominentem Cast & Crew nicht über den B-Schnellschuss herauskommt, als der er geplant war. Manchmal gibt der Film erschreckend wenig Sinn, und vieles wirkt einfach halbgar; irgendwas zwischen 3 und 4 Sterne, aber weil Ulmer den immer wieder gern gesehenen John Agar derart an die Leine nahm, gibt’s die schlechtere Wertung.

Eine Rezension von David Kugler
(24. April 2013)
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Daten zum Film
Die Totengruft des Dr. Jekyll USA 1957
(Daughter of Dr. Jekyll)
Regie Edgar G. Ulmer Drehbuch Jack Pollexfen
Produktion Film Venturers Kamera John F. Warren
Darsteller John Agar, Gloria Talbott, Arthur Shields
Länge 74:29 (dt. Kinofassung) FSK 16
Filmmusik Melvyn Lenard
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