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Baymax - Riesiges Robowabohu RSS 1.0


Baymax - Riesiges Robowabohu

Baymax - Riesiges Robowabohu

Ein Film von Don Hall, Chris Williams


MEIN FREUND, DER ROBOTER-KRANKENPFLEGER


„My brain hates my eyes for seeing that.“


Hätte Baymax, der knuddelige Care Provider-Roboter, dem Autor dieser Zeilen unmittelbar nach dem Abspann die im Film wiederkehrende Frage On a scale of 1 to 10, how would you rate your pain? gestellt, hätte dessen Antwort mit großer Wahrscheinlichkeit gelautet: 5 mit Tendenz nach oben. Selten zuvor war der Rezensent nämlich bei einem Disney-Film so hin- und hergerissen zwischen Mögen und Bedauern. Und das tut nicht nur körperlich weh. Denn der grandios animierte Nachfolger zum letzten Disney-Milliarden-Streich „Die Eiskönigin - Völlig unverfroren“ [2013] zeigt vor allem technisch erneut so viel Liebe zum digitalen Detail, dass die Zeichen eigentlich abermals auf einen neuen Hit hätten hindeuten müssen. Konjunktiv. Doch leider ist Technik in diesem konkreten Fall definitiv nicht alles, wie unsereins schmerzlich am Ende des Films zu erkennen hat.


San Fransokyo: Dem Nachwuchserfinder und Teenager Hiro Hamada (Original-Stimme: Ryan Potter) ist nach dem frühen Tod seines Bruders Tadashi (Daniel Henney) nicht viel von diesem geblieben. Einzige Erinnerungsstücke sind dessen Basecap – und der aufblasbare Roboter Baymax (Scott Adsit), eine Art programmierte Krankenschwester, der von Ta
dashi geschaffen wurde, um Menschen mit Schmerzen zu helfen. Und diese Fähigkeit könnte schon bald von Nutzen an, erdreistet sich doch eines Tages ein mysteriöser Mann in einer Kabuki-Maske, kurzerhand Hiros neueste Erfindung (Mikrobots, die mithilfe von Gedankenkontrolle jede gewünschte Form und Aufgabe wahrnehmen können) zu stehlen und für seine finsteren Zwecke zu missbrauchen. Gemeinsam mit Baymax, Tadashis Freunden Go Go Tomago (Jamie Chung), Wasabi (Damon Wayans Jr.), Honey Lemon (Genesis Rodriguez) und Fred (T.J. Miller) sowie allerlei High-Tech-Gerätschaften nimmt Hiro den Kampf gegen den mysteriösen Gegner auf: Die Big Hero 6 sind geboren...


Wahrscheinlich war es nur eine Frage der Zeit. Jedenfalls vollzieht der Disney-Konzern mit „Big Hero 6“ (im Deutschen besonders schön zu „BAYMAX - RIESIGES ROBOWABOHU“ umgewandelt) den nach erfolgter Übernahme von Comicgigant Marvel Entertainment im Grunde schon überfälligen Schritt und legt den ersten eigenen Animations-Superheldenfilm vor. Frei nach der gleichnamigen Marvel Comics-Comicvorlage. Und dieser befindet sich aktuell in prominenter Gesellschaft, wenn man sich nur einmal die Kinoauswertungen der letzten Jahre sowie die langfristige Programmplanung von Marvel und Konkurrent DC ansieht. So lebendig wie heute war das Superhelden-Genre noch nie, wenngleich manch einer allmählich eine baldige Übersättigung der Zuschauer oder zumindest die gegenseitige Kannibalisierung der mittlerweile in immer kürzeren Abständen auf den Markt geworfenen Produktionen nahen sieht. Bis es jedoch soweit ist, tritt auf der Leinwand weiterhin das kostümierte Gute in formschön choreographierten Abenteuern gegen das kostümierte Böse an. Von dieser Prämisse weicht selbst der familienfreundliche „BAYMAX“ nicht ab.

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So erweisen sich die für einen Kinder-Film recht düsteren und nur hier und da durch einen (seichten) Witz aufgelockerten Kämpfe als die wahrscheinlich größte Überraschung in einem Disney-Vehikel seit „Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt“ [2001], jenem oftmals missverstandenen Zeichentrick, der sich trotz aller Schwächen als knackig-spannendes Abenteuer im Indiana-Jones-Stil entpuppte. In ihrer Detailverliebtheit stehen diese aufwendigen Sequenzen den CGI-Origien der jüngsten Helden-Zeit in nichts nach und übertrumpfen diese bisweilen sogar noch an Schauwerten. Die Disney Animation Studios schöpfen hier genüsslich aus dem mächtigen 170 Mio.-Dollar-Budget, was der Optik – wir wiederholen es gerne noch einmal – sehr gut tut, denn „BAYMAX“ sieht einfach nur fantastisch aus. Leider lässt unverständlicherweise gerade die 3D-Version hinsichtlich Tiefe und Nutzung der Technik etwas zu wünschen übrig, weshalb hier klar zur Sichtung in 2D geraten wird. Unterschiede zur 3D-Fassung dürften nur marginal ausfallen.

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Weitaus schwerer wiegt hingegen, dass der Film neben der optischen Brillanz andere, für Disney sonst typische Posten eher stiefmütterlich behandelt, was dann auch die nur durchschnittliche Wertung erklärt. Sicher erscheint es bei einem auf eine junge Zielgruppe zugeschnittenen Animationsfilm zunächst müßig zu erwähnen, dass die erzählte Geschichte vorhersehbar ausfällt, um die Kleinen nicht zu überfordern. Die Art, wie Disney mit seinem Autoren-Trio an das Thema Superhelden rangeht, kommt in einigen Momenten jedoch fast schon einer Unterforderung gleich, wenn schablonenhaft Klischee an Klischee gereiht wird und eine wenig überraschende Wendung auf die nächste folgt. So ist der Gegenpart der Big Hero 6 in seinen besten Momenten natürlich ein von simplen Rache-Motiven getriebenes Individuum, in seinen schlechtesten Momenten hingegen nur ein Haudrauf aus dem Schurken-Baukasten mit allzu wenig Selbstbeherrschung. Ansonsten hätte er sich die unvorteilhafte Kabuki-Maske wohl gar nicht erst aufgesetzt. Viel mehr Konturen erhält das Böse darüber hinaus nicht, was selbst für das Superhelden-Genre, das ja gerne hier und da Stereotypen und einfache Geschichten einsetzt, eine recht schwache Leistung darstellt.


Während die der Geschichte erwachsene Gut-Böse-Konstellation also nicht wirklich zu überzeugen weiß, spielt „BAYMAX“ in einigen, leider zu wenigen Momenten dann neben der Optik doch noch die ein oder andere weitere Stärke aus. So ist der knuddelige und mit stummeligen Beinen ausgestattete Robotor Baymax, der im Zuge einer Verfolgungsjagd schon mal nüchtern zu Protokoll gibt, dass er nicht schnell sei, ganz klar das Highlight des Films und immer wieder für einen kleinen Schmunzler gut. Der liebenswerte Riesen-Marshmallow reißt mit Leichtigkeit ganze Szenen an sich und funktioniert nicht nur als Haupt-, sondern auch als Nebencharakter mit Sidekick-Effekt vorzüglich. Gerade kleinere Kinogänger dürften ihre helle Freude am warmherzigen Baymax haben, der in einer putzigen Szene kurzzeitig ein weiteres Manko des stereotypen Films bereinigt, indem er einfach selbst aktiv wird – als wortwörtlich Wärme ausstrahlendes, übergroßes Heizkissen.

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Ansonsten werden heikle Themen wie Tod, Verlust und die Verarbeitung von Trauer zwar angeschnitten, inmitten des hektischen Superhelden-Treibens dann aber viel zu halbherzig abgehandelt. Das mag im Zeitalter der omnipräsenten Comic-Verfilmungen mittlerweile vielleicht gang und gäbe sein, erweckt in einem Disney-Film der Post-Eiskönigin-Ära aber einen allzu schalen Nachgeschmack. Und dieser will nicht einmal verschwinden, wenn aufopferungsvolle, aber arg bemüht wirkende Gesten der Protagonisten das Helden-Robowabohu aufzulockern versuchen. Viel zu häufig reduziert sich „BAYMAX - RIESIGES ROBOWABOHU“ über seine Laufzeit somit auf ein optisch überaus faszinierendes, inhaltlich jedoch stark ausbaufähiges Animations-Abenteuer, das abgesehen von einem knuddeligen Roboter-Krankenpfleger am Ende des Tages wenig Neues zu bieten hat. Auch wir finden es richtiggehend schade, aber ein großer Wurf im Sinne eines neuen Disney-Meisterwerks sieht wahrlich anders aus. Da hilft dann auch ein Trostpflaster nicht weiter...


Cover & Szenenbilder: © 2014 Disney. All Rights Reserved. / © 2014, Walt Disney Feature Animation


Eine Rezension von Stefan Rackow
(18. Januar 2015)
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Daten zum Film
Baymax - Riesiges Robowabohu USA 2014
(Big Hero 6)
Regie Don Hall, Chris Williams Drehbuch Jordan Roberts, Daniel Gerson & Robert L. Baird
Produktion Walt Disney Animation Studios / Walt Disney Pictures Kamera Thomas Baker, Robert Richardson
Darsteller Scott Adsit, Ryan Potter, Daniel Henney, T.J. Miller, Jamie Chung, Damon Wayans Jr. , James Cromwell, Alan Tudyk, Maya Rudolph, u.a.
Länge 102 Minuten FSK ab 6 Jahren
http://www.disney.de/baymax
Filmmusik Henry Jackman
Bundesweiter Kinostart: 22.01.2015
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