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Der letzte Tempelritter

Der letzte Tempelritter

Ein Film von Dominic Sena

Nicolas Cage ist schon so ein Phänomen: lange Zeit konnte ich ihn überhaupt nicht leiden, doch wie ein guter Wein reift er mit zunehmendem Alter. Nicht das er etwa ein sensationeller Darsteller wird, vielmehr freunde ich mich immer mehr mit seiner Art des Schauspiels an. Dabei rede ich nicht von oscarreifen Perfomances wie etwa in „Leaving Las Vegas“ sondern viel mehr von den neueren Filmen, in denen er von der Leine gelassen wird. So ist sein „Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen“ ein herausragender Film, oder auch in „Drive Angry (3D)“ sorgt er für jede Menge Witz (auch wenn er hier von William Fichtner dominiert wird). „Dank“ seiner Steuerschulden muss Herr Cage auch arbeiten wie ein Irrer und haut massig Filme raus: „Der letzte Tempelritter“ gehört zu seinen neuesten Werken, obwohl der Film schon einige Jahre alt ist – Gerüchten zufolge verlangten die Produzenten massig Re-Shoots, und schoben den Film immer wieder vor sich her. Ist er durch die vielen Überarbeitungen gut geworden? Nein! Ist er unterhaltsam: zur Hölle, Ja!

Die beiden Kreuzritter Behmen (Cage) und Felson (Ron Perlman!) metzeln sich durch die Schlachtfelder des 14. Jahrhunderts, bis bei einer Stadteroberung eine unschuldige Frau durch Behmens Schwert getötet wird – beide möchten nicht mehr sin
nlos im Namen der Kirche töten und desertieren. So ziehen sie durch die Lande, bis sie im pestverseuchten Europa schließlich geschnappt werden. Ihnen bleibt nur ein Ausweg: sie werden begnadigt, wenn sie eine vermeintliche Hexe zu einer abgelegenen Abtei bringen, wo ihr der Prozess gemacht wird. Denn in dieser Abtei findet sich die letzte Kopie eines Buches, dass für den Hexenprozess benötigt wird. Unterwegs lauern jedoch viele Gefahren, und Behmen zweifelt, ob die junge Frau denn tatsächlich eine Hexe ist, oder ob die Kirche hier eine Unschuldige verfolgt...

Was sich nun nach einem ganz anständigem Mittelalterfilm anhört ist ein Genremix allererste Güte, der verschiedenste Genre miteinander vereint – und auf krude Weise funktioniert das sogar einigermaßen, vielleicht auch gerade weil der Film eigentlich ziemlich mies ist. Das erste Drittel, dass sich auf Cage und Perlman in den Kreuzzügen sowie als Deserteure konzentriert, ist – tatsächlich – praktisch ein Buddy-Cop-Movie, quasi Lethal Weapon mit Schwertern und Rüstungen. Die sprücheklopfenden Kreuzritter („Ich übernehme die 300 auf der rechten, du die 300 auf der linken Seite.“) schnetzeln sich da also in einer Montage über verschiedenste Schlachtfelder, saufen und haben dabei jede Menge Spaß – eben bis Cage eine Unschuldige tötet. Warum ihn das stört? Keine Ahnung, das wird auch nicht wirklich erläutert. Dabei ist sowohl Perlman ein großer Schauwert, dem eigentlich nur noch eine dicke, fette Zigarre fehlt, sowie Cage, der diesen unglaublich großen Helm trägt. Ein Buddy-Cop-Film braucht natürlich noch den ewig brüllenden Captain, und auch diesen bietet „Der letzte Tempelritter“ in Form eines kirchlichen Einpeitschers, der gleichzeitig sowas wie der Vorgesetzte der beiden ist. Wenn die beiden dann schließlich desertieren gibt es schon einen erste dicke Drehbuchlücke, als sie vor versammelter Mannschaft eine Strafe angedroht bekommen und mit „Wie wollt ihr uns aufhalten?“ antworten – und tatsächlich hält sie niemand auf!

Dann beginnt auch irgendwann das zweite Drittel des Films, quasi ein Roadmovie mit gewissen Horroreinflüssen. Da hangelt sich der Film recht ungelenk von Bedrohung zu Bedrohung: es gibt unter anderem eine abrissreife Hängebrücke, einen unheimlichen Wald voll seltsamer Wölfe sowie ein Verwirrspiel in einem Dorf sowie einer Lehmgrube – oder sowas ähnlichem. Und immer wieder natürlich die Hexe, die für Konflikte und Zweifel innerhalb der Gruppe sorgt. Dabei ist das meiste halt ziemlich unausgearbeitet: die Hängebrücken-Szene kann nicht so richtig Spannung aufbauen, da sie sehr früh im Film kommt (und der Streifen ja sonst ziemlich flott vorbei wäre), und die Wolfszene im Wald bleibt ziemlich nebulös, da nicht erklärt wird, was mit den Viechern überhaupt los ist. Diese sind nämlich sehr sehr böse und können sich mittels Power-of-bad-CGI irgendwie noch so halb verwandeln...warum und wieso? Kein Plan. Und auch die Hexe an sich bzw. die Frage ihrer Schuld vermag nicht so richtig zu überzeugen, denn mal ehrlich: dass die junge Frau nicht ganz unschuldig ist, macht nicht nur sie selbst, sondern bereits der Trailer des Films deutlich! Da scheint Behmen irgendwie etwas auf dem Schlauch zu stehen.

Und wenn im letzten Drittel der Film zu so einer Mischung aus Horroraction und Exorzismus-Film mutiert, steigert er sich nach dem manchmal langatmigen zweiten Drittel noch einmal ungemein in seinem Unterhaltungswert. Denn dann gibt es muntere Zombies, CGI-Dämonen sowie jede Menge Mayhem vermengt mit viel allgemeinem Bullshit. Bullshit etwa: ein Charakter wird geradezu vaporisiert und trotzdem irgendwie begraben. Oder etwa auch, als Cage die Hexe endlich töten will, aber mit dem Spruch aufgehalten wird „Wir sind doch gleich da.“ und tatsächlich: in Sichtweite findet sich endlich die Abtei! Am allerschönsten, und damit definitiv einer der Gründe, der allein das Anschauen des Films rechtfertigt: der Twist – der hier natürlich nicht verraten wird – führt den Zuschauer unweigerlich zu einer Frage: Warum das Ganze? Denn dieser Twist negiert die komplette Handlung und lässt den Film an sich überflüssig wirken, da absolut nichts des Filmes notwendig gewesen wäre. Sensationell! Dass dies bei der Entstehung des Films scheinbar niemand gemerkt hat, ist schon ziemlich unfassbar. Großer Trash, großer Sport!

Dabei scheint manchmal aber doch so etwas wie ein genuin guter Film durch. Großartig ist beispielsweise das Make-Up der Pestkranken; diese Masken würde man doch gerne in einem besseren Film zu Gesicht bekommen. Auch der Anfang des Films, in dem drei Hexen der Prozess gemacht wird, ist wirklich gut inszeniert und präsentiert einen schönen und äußerst stimmungsvollen Einstieg. Für den Rest von „Season of the Witch“ (der deutsche Titel macht übrigens ebenso herzlich wenig Sinn) gilt allerdings auch noch etwas wichtiges: scheinbar wissen die meisten Beteiligten rund um Regisseur Dominic Sena, was für ein Quark das ganze eigentlich ist, und haben dabei also jede Menge Spaß. Nur Claire Foy als Hexe kann als Schauspielerin wirklich überzeugen, während Cage und Perlman halt Gas geben und es darüberhinaus noch einen Orlando-Bloom-Verschnitt in einer fürchterlich überflüssigen Rolle gibt.

Insofern bleibt nur noch eine Empfehlung auszusprechen: Schaut euch „Der letzte Tempelritter“ an, solange er noch im Kino läuft – oder dann halt später auf DVD. So bad, it's good – das passt perfekt auf diesen Cage-Streifen, der uns einen ungewöhnlichen Genremix beschert und mit seinem munteren Wahnsinn und seiner Sinnlosigkeit für jede Menge Witz sorgt. Erwartet nur kein gutes „Historiendrama“ (wie mir eine Bekannte erzählte), denn dann werdet ihr enttäuscht werden.

Großer Käse, aber großer Spaß!

Eine Rezension von David Kugler
(03. April 2011)
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Daten zum Film
Der letzte Tempelritter USA 2011
(Season of the Witch)
Regie Dominic Sena Drehbuch Bragi F. Schut
Produktion Atlas Entertainment, Relativity Media Kamera Amir M. Mokri
Darsteller Nicolas Cage, Ron Perlman, Claire Foy, Stephen Campbell Moore , Stephen Graham, Ulrich Thomsen, Robert Sheehan, Christopher Lee
Länge ca. 93 Minuten FSK 16
Filmmusik Atli Örvarsson
Kommentare zu dieser Kritik
Arvid sagte am 13.06.2012 um 12:18 Uhr

Ich kann deinem Kommentar (fast) zu 100 % zustimmen, insbesondere der Vergleich mit Buddy-Cop-Filmen und der Zigarre für Perlman - Hellboy lässt grüssen.
Zwei Anmerkungen hab ich allerdings noch:

"(...)), und die Wolfszene im Wald bleibt ziemlich nebulös, da nicht erklärt wird, was mit den Viechern überhaupt los ist. Diese sind nämlich sehr sehr böse und können sich mittels Power-of-bad-CGI irgendwie noch so halb verwandeln...warum und wieso? Kein Plan (...)"

Die Wölfe stehen ja unter dem Einfluss der Hexe; sie ruft das Rudel zunächst mit "Wolfsgeheul" heran. Die Verwandlung soll dann wohl den dämonischen Einfluss sichtbar machen, ähnlich der kurzfristigen Verwandlung des Gesichts diverser besessener Filmfiguren zu einer Fratze, die aus Wut oder ähnlichen Gründen für einen Moment ihr menschliches Äusseres ablegen und ihr dämonisches Inneres offenbaren.

"(...)Oder etwa auch, als Cage die Hexe endlich töten will, aber mit dem Spruch aufgehalten wird „Wir sind doch gleich da.“ und tatsächlich: in Sichtweite findet sich endlich die Abtei!(...)"

Finde ich jetzt auch nicht so abwegig; Cage will die Hexe töten, weil bereits zwei seiner Wegbegleiter dran glauben mussten und er nicht noch mehr Opfer will. Allerdings ist das eigentliche Ziel, die Pest aufzuhalten; dazu muss die verantwortliche Hexe in die Abtei gebracht werden. Und da die Abtei bereits in Sichtweite ist, sind weitere Opfer doch eher unwahrscheinlich, so dass das Hauptziel relativ gefahrlos erreicht werden kann.

"(...)Denn dieser Twist negiert die komplette Handlung und lässt den Film an sich überflüssig wirken, da absolut nichts des Filmes notwendig gewesen wäre(...)"

Da weiss ich jetzt nicht genau, was du meinst... aber wir wollen ja auch nicht zuviel verraten.

Ich kann mich ansonsten nur anschließen: schaut euch den Film an!

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