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Arrival

Arrival

Ein Film von Denis Villeneuve


EINE EXTRATERRESTRISCHE BEWÄHRUNGSPROBE


Diesen Film genießt man besten ohne jegliches Vorwissen. Unsere bewusst kurz gehaltene und spoilerfreie Rezension soll dem Rechnung tragen.


Wenn Aliens auf der Erde landen, verheißt das in der Welt des zeitgenössischen Science-Fiction-Kinos selten etwas Gutes, vor allem dann, wenn sie nach erfolgter Schlacht 20 Jahre später an den Ort des Geschehens zurückkehren. Bei einem Roland Emmerich gerät ein solcher Besuch dann allzu schnell zum Effekteschaulaufen, das optisch zwar sattmacht, inhaltlich aber über weite Strecken eher nur das absolute Mindestmaß an filmischen Kalorien bereithält. Dass weniger hingegen manchmal mehr sein kann, weiß der geneigte Kinozuschauer nicht erst seit dem Sensationserfolg „Gravity“ [2013], der in unter 90 Minuten eine Geschichte über das Leben erzählte, die auch optisch überzeugte. Seitdem (und nicht etwa erst seit „Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht“ [2015]) befindet sich das Science-Fiction-Genre wieder im Steigflug, was sich 2017 in Filmen wie „Passengers“, „Alien: Covenant“ und „Blade Runner 2“ niederschlagen wird.


Der Kanadier Denis Villeneuve, der uns zuletzt den atmosph
ärisch-dichten Drogen-Reißer „Sicario“ [2015] bescherte, hat sich mit vorgenanntem „Blade Runner 2“ wahrscheinlich das meisterwartete Science-Fiction-Projekt des kommenden Jahres rausgepickt, das mal eben einen der besten Filme aller Zeiten fortführt. Dass ein solch prestigeträchtiges Unterfangen in die Hände eines noch verhältnismäßig jungen Regisseurs gegeben wird, der seit 1998 erst acht Filme gedreht hat und bisher eher im Thriller-Genre unterwegs war, ist dabei womöglich eine der größten Überraschungen, zeugt aber von einem gesunden Urvertrauen des produzierenden Studios in die Fähigkeiten des Kanadiers, der es seit seinem Debütfilm bereits auf mehrere Oscarnominierungen gebracht hat. Ohne vorweggreifen zu wollen: Nach Sichtung von „ARRIVAL“, Villeneuves erstem (!) Ausflug ins Sci-Fi-Genre, steht unumstößlich fest, warum der bekennende Genre-Fan grünes Licht für „Blade Runner 2“ bekam, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch keinen filmisch und thematisch ähnlichen Genrebeitrag als Referenz vorweisen konnte - der Mann ist einfach gut, und das aus mehreren Gründen, wie er uns anhand von „ARRIVAL“ eindrucksvoll beweist.


Grund 1: „ARRIVAL“ erzählt nur vordergründig eine Geschichte über Aliens, die der Erde einen Besuch abstatten, ist in der Gesamtschau aber weitaus vielschichtiger, als der Titel, der Altbekanntes suggeriert, vermuten lässt. Wenn Amy Adams und Jeremy Renner vom Militär unter der Leitung von Forest Whitaker als Wissenschaftler herangezogen werden, um die erste Kontaktaufnahme mit den unbekannten Besuchern in die Wege zu leiten, dann erleben wir drei gestandene Schauspielgrößen, die in ihren präzise gezeichneten Rollen zunächst auf bekannten Pfaden wandeln, nur um kurz darauf vor einem großen Labyrinth voller wichtiger Fragen zu stehen, in dem sich auch der Zuschauer alsbald gerne verliert. Es sind Fragen wie Was tun wir in Anbetracht der Möglichkeit einer außerirdischen Kontaktaufnahme? und darauf aufbauend, welche Antworten wir wohl erhalten werden. Die Kommunikation ist hier mehr als nur wichtiger Spielball im Austausch zwischen verschiedenen Welten. Sie ist das alles Vereinende, das soviel mehr über uns alle aussagt. Und plötzlich wird so aus einem einfachen Warum seid ihr hier? die viel wichtigere Frage, warum wir dies überhaupt fragen müssen. Denn sollten wir es nicht besser wissen?


Grund 2: Dem Zuschauer wird die günstige Gelegenheit geboten, seine Antworten selbst zu finden. Nach- und Mitdenken ist hier Pflicht. Immer wieder unterbrechen szenische Einschübe, die zunächst vielleicht wenig Sinn ergeben, den Film, die zum Ende hin jedoch allzu klar in das klug durchdachte und interessant verschachtelte Story-Konstrukt eingebettet werden und für jedermann genug Diskussionspotenzial bieten sollten, um auch noch das kleinste Detail dieser klugen Geschichte, die aktueller nicht sein könnte, über den Abspann des Films hinaus am Leben zu erhalten.


Grund 3: „ARRIVAL“ ist somit in seiner Machart intelligent genug, um den Zuschauer zu fordern, dabei so spannend wie ein adrenalingeschwängerter Thriller und über allem eine zu Herzen gehende, emotionale Mystery-Parabel auf eine die Grenzen von Zeit und Raum sprengende Menschlichkeit, die angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage genau zum richtigen Zeitpunkt erscheint. Denn was bringen auf- und hochgerüstete Streitkräfte in aller Herren Länder, wenn jeder am Ende doch nur sein eigenes Ding dreht, anstatt gemeinsam efizient an demselben Strang zu ziehen? Die Mittel zur Einheit sind da, bieten sich unseren Augen und unserem Verstand feil, werden aber angesichts einer vermeintlichen außerirdischen Bedrohung immer wieder von (nicht explizit gezeigter) Waffengewalt und diplomatischer Engstirnigkeit in Grund und Boden gestampft. Der Konflikt schwelt in „ARRIVAL“ an allen Ecken und Enden, das Misstrauen brodelt einem Geysir gleich an der Oberfläche. Was sagt das am Ende wirklich über uns, die Menschheit, aus?


Grund 4: „ARRIVAL“ scheut sich nicht, diese wie auch auch andere, unbequeme Fragen aufkommen zu lassen. Nicht jedes Fragezeichen wird dabei vollständig beseitigt, es überwiegt aber schließlich das Festigen eines klaren Standpunktes, den der Film bezieht und welcher letzten Endes als überdeutliches Ausrufezeichen über allem schwebt. Wie die zwölf Raumschiffe der außerirdischen Besucher, die plötzlich auf der Erde aufgetaucht sind.


Grund 5: Weitreichende Fragen (und sofern möglich deren Antworten) werden größtenteils gekonnt zu einem dichten Netz verknüpft, dessen Maschen höchstens stumpfen Action-Bombast und hohle Phrasen fallenlassen, ansonsten aber ein filmisch wie inhaltlich kohärentes, superb fotografiertes und gekonnt vertontes Science-Fiction-Wunder zusammenhalten, das vermutlich viele Zuschauer positiv überraschen dürfte. Denn das hat dieser Film, der nur das Gewand eines Sci-Fi-Thrillers trägt, verdient: Viele Zuschauer, die sich völlig unvoreingenommen und aufgeschlossen einem knapp zweistündigen Exkurs darüber hingeben, wie klassische, intelligente Science-Fiction im modernen Gewand aussehen und ohne jegliche Action-Momente funktionieren kann.


Grund 6: Mit „ARRIVAL“ ist der immens talentierte Denis Villeneuve nach acht Filmen endlich in dem Genre angekommen, für das schon seit jeher sein Herz schlägt. Der Titel des Films ist Programm. Heißen wir den Regisseur und die außerirdischen Besucher also herzlich im Kino unseres Vertrauens willkommen, denn jedes weitere geschriebene Wort über diesen tollen, diskussionswürdigen und überaus intelligenten Film ist bereits ein Wort zu viel.


Fazit: Diese „Ankunft“ ist nahe an der Perfektion und vielleicht die größte Überraschung in diesem Kinojahr.


Cover: © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH


Eine Rezension von Stefan Rackow
(23. November 2016)
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Daten zum Film
Arrival USA 2016
Regie Denis Villeneuve Drehbuch Eric Heisserer Vorlage Story of Your Life von Ted Chiang
Produktion 21 Laps Entertainment / FilmNation Entertainment / Lava Bear Films Kamera Bradford Young
Darsteller Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Tzi Ma, u.a.
Länge 116 Minuten FSK ab 12 Jahren
http://www.arrivalmovie.com/
Filmmusik Jóhann Jóhannsson
Bundesweiter Kinostart: 24.11.2016
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