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von Michele Soavi




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Drachenzähmen leicht gemacht

Drachenzähmen leicht gemacht

Ein Film von Dean DeBlois, Chris Sanders

Was einst mit dem umjubelten Geheimtipp „Toy Story“ [1995] begann, hat sich mittlerweile schon längst zum Selbstläufer entwickelt und dabei alte Recken in Form des klassischen Animationsfilms nach und nach in den Schatten gedrängt: Am Computer gerenderte Märchenstunden sind heute mehr denn je auf dem Erfolgskurs. Fast möchte man meinen, dass allmählich gar eine leichte Übersättigung zu verzeichnen ist, findet sich doch neben wirklich guten Genrevertretern auch immer wieder eher mäßige Ware, die allein aus reiner Profitgier hastig auf den derzeit so angesagten Animationszug aufgesprungen ist, während die mit Originalität und Witz gefüllten Koffer einsam am Bahnhof zurückgelassen wurden. Ein zugleich beklagenswerter wie auch in gewisser Hinsicht nützlicher Umstand. Denn im Lichte mauer Filmchen reicht manchmal schon die konsequente Zuhilfenahme von einfachsten Zutaten aus, um das Endprodukt gekonnt und einfallsreich von der breiten Masse lieblos heruntergekurbelten Einheitsbreis abzuheben. Und „abheben“ passt im vorliegenden Fall wie die Faust aufs Auge, auch wenn „DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT“ – soviel darf durchaus schon jetzt verraten werden – trotz allerlei Flugszenen zu jeder Zeit auf dem sicheren Boden der Tatsachen verweilt. Aber beginnen wir doch am Anfang:

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Drachenzähmen leicht gemachtDrachenzähmen leicht gemacht

Wenn Hicks (Originalstimme: Jay Baruchel) schon nicht die imposante Statur seines Vaters und Wikingerhäuptlings Haudrauf (Gerard Butler) geerbt hat, dann doch zumindest den Wunsch, so bald wie möglich mit den eigenen Händen einen Drachen zu erlegen. Sein Heimatdorf Berk wird passenderweise dazu regelmäßig von den geflügelten Gesellen angegriffen, und neben der gesamten männlichen und wahrlich starken Bevölkerung nimmt auch die (nicht nur) von Hicks heimlich verehrte Astrid (America Ferrera), das beliebteste Mädchen im Dorf, ein ums andere Mal den Kampf gegen das sogenannte Ungeziefer auf. Doch Hicks, eher von dürrer und schmächtiger Statur, wird ein solches Unterfangen gar nicht erst zugetraut – vor allem nicht von seinem Vater. Dieser hat nämlich nicht viel für die Erfindungsgabe seines Sohns über. Ein Grund mehr, sich endlich zu beweisen, denkt sich der Jugendliche. Während eines weiteren Drachenangriffs schleicht sich Hicks daher aus dem Haus, um mit einer selbstgebastelten Seilschleuder-Maschine gleich den gefährlichsten und geheimnisumwittertsten aller Drachen zu fangen: den sagenumwobenen Nachtschatten. Und unglaublicherweise gelingt das Vorhaben. Getroffen stürzt der mysteriöse Drache, allerdings unbemerkt von den Dorfbewohnern, im nahegelegenen Wald ab, und Hicks ergreift die günstige Gelegenheit beim Schopfe, endlich seinen Vater stolz zu machen. Als der Wikingerhäuptling mit versammelter Mannschaft in See sticht, um das Drachennest zu finden und den Angriffen ein für alle Mal Einhalt zu gebieten, begibt sich der Junge heimlich und mit dem festen Willen zur Absturzstelle, seine erste eigene Drachenbeute zu töten. Doch was in der Theorie noch halbwegs einfach klingt, erweist sich in der praktischen Umsetzung zumeist als überaus schwierig. Und so trifft Hicks, der im Angesicht des gefangenen Geschöpfes plötzlich gar nicht mehr sonderlich willens ist, den kampfunfähigen Nachtschatten kaltblütig zu töten, eine mutige, aber auch überaus folgenschwere Entscheidung…

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„You just gestured to all of me.“


Beziehungen von Eltern zu Kindern und die daraus entstehenden Konflikte werden immer gerne bemüht, wenn es darum geht, zumindest eine kleine Spur von Ernst in filmischen Werken zu verorten. „DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT“ („How To Train Your Dragon“) präsentiert uns somit trotz echter Wikinger und Fabelwesen eine eher klassische Geschichte. Denn das, was unser Held durchmacht, ist nicht etwa nur eine ausgedachte Laune der Drehbuchautoren, sondern vielmehr die überraschend treffsichere Beleuchtung eines Phänomens, das die Zeiten bis heute überdauert hat: der Graben zwischen den Generationen wird zunehmend größer, so dass sich die beiden Seiten, überspitzt gesagt, bald wohl nicht einmal mehr über ein Megaphon miteinander verständigen können. Am Beispiel von Vater Haudrauf und Sohn Hicks erkennen wir recht schnell, dass es zwar keine Kunst ist, mit einem Gegenüber zu reden. Wirklich miteinander zu kommunizieren und Verständnis für den anderen aufzubringen, gehört jedoch zum persönlichen Lernprozess, den das Leben, mal mehr oder weniger deutlich, für jeden von uns bereithält.


Mehr oder weniger deutlich deshalb, da mitunter eine Form der „Betriebsblindheit“ den Blick auf das Offensichtliche gehörig erschwert. So kämpfen vorliegend die Wikinger immer wieder gegen die Drachen und stampfen ihr zerstörtes Dorf in der Folgezeit regelmäßig neu aus dem Boden, als wenn es die normalste Tätigkeit auf der Welt wäre. Eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme aus Gewohnheit, denn dass die Drachen in Bälde wieder zurückkehren und eine Schneise der Verwüstung hinterlassen werden, ist mehr als sicher. Auch unser junger Held Hicks läuft bereits am Anfang Gefahr, dem althergebrachten Habitus des Drachentötens zu verfallen, weil er nichts mehr ersehnt, als endlich seinem erwachsenen Vater zur Ehre zu reichen. Dabei genügt manchmal schon ein etwas genauerer Blick, um zu erkennen, dass das Streben der Vergangenheit um Anerkennung und entgegengebrachtes Verständnis nichts weiter war als eine Illusion, die die Weichen für die Zukunft völlig falsch gestellt hat. Die zwar späte, aber nichtsdestotrotz wichtige Einsicht, dass man einem Trugschluss aufgesessen ist, gehört auch zum Reifeprozess und führt im Falle von DreamWorks’ Animationsabenteuer zu einer eindrucksvollen Umkehr der Rollen: Der vormals Belächelte zeigt denen, die zeit ihres Lebens glaubten, das Richtige zu tun, dass genau das Gegenteil der Fall war, und wird praktisch über Nacht erwachsen.

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So formiert sich plötzlich ein altbekanntes Thema zwischen all den beeindruckenden Animationen, mit dem sowohl Groß als auch Klein etwas anzufangen weiß und das durchaus liebevoll und mit viel Fingerspitzengefühl präsentiert wird. Auf einfallsreiche Art und Weise entwickelt sich die Geschichte des zugrundeliegenden Kinderbuchs von Cressida Cowell zu einem wortwörtlich wilden Ritt, der mit Witz, Action und dem nötigen Feingefühl innerhalb von 90 Minuten die Stationen auf dem Weg zum Erwachsenwerden streift, dabei den vermuteten moralischen Zeigefinger aber außen vor lässt. Während also die irrsten Drachenwesen ans Tageslicht gezerrt werden, Väter und Söhne sich annähern und die Liebe schlussendlich wieder über allem steht, obsiegt letztlich Kurzweil über gehobenen Anspruch, das vermeintlich Einfache über das Komplexe. Und es fühlt sich schlichtweg richtig an. Denn da zumeist schon das so simpel erscheinende Miteinander in einer mittelschweren Katastrophe mündet, sollte (und kann) man eigentlich nur dankbar sein, wenn uns ein Animationsfilm aufzeigt, dass die Suche nach der Problemlösung stets im Kleinen zu beginnen hat.


Fazit: Manchmal kann man auch mit kleinen Drachen dem Zuschauer eine Freude machen. Kurzweil und eine gesunde Portion Ernst gehen Hand in Hand in dieser 165 Millionen Dollar teuren Produktion, die gegen Ende vielleicht etwas zu dick aufträgt, insgesamt aber ein optisch eindrucksvolles und inhaltlich präzise ausgearbeitetes Filmerlebnis bietet, das auch ohne das dauernde Abfeuern von Gagsalven zu gefallen weiß. Denn mit dem stummen Nachtschatten, der zunächst wie eine Kreuzung aus gigantischer Kaulquappe und einem schnurrenden Kätzchen erscheint, hat DreamWorks wohl den niedlichsten Charakter seit Pixars Wall·E kreiert. Da dürfte der nächste Abflug so gut wie sicher sein.


Zusatzbemerkung: Der Film erscheint über Paramount Home Entertainment in einer 1 Disc-Edition auf DVD und Blu-ray. Die dieser Rezension zugrunde liegende DVD bietet neben dem Hauptfilm, der mit scharfem Bild und kristallklarem Ton (Dt. / Englisch in DD 5.1 mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln) überzeugt, noch einen Audiokommentar der Macher, sowie einen überaus interessanten Blick hinter die Kulissen, der zeigt, wie den unzähligen Drachen digitales Leben eingehaucht wurde. Alles in allem eine für einen Animationsfilm durchaus gelungene Heimkinoauswertung.



Eine Rezension von Stefan Rackow
(25. Oktober 2010)
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Daten zum Film
Drachenzähmen leicht gemacht USA 2010
(How to Train Your Dragon)
Regie Dean DeBlois, Chris Sanders Drehbuch William Davies, Dean DeBlois, Chris Sanders
Produktion DreamWorks Animation / Mad Hatter Entertainment / Mad Hatter Films / Vertigo Entertainment
Länge ca. 94 Minuten FSK ab 6 Jahren
http://www.howtotrainyourdragon.com/
Filmmusik John Powell
Originale / deutsche Sprecher Jay Baruchel / Daniel Axt (Hicks), Gerard Butler / Dominic Raacke (Haudrauf der Stoische), Craig Ferguson / Thomas-Nero Wolff (Grobian), America Ferrera / Emilia Schüle (Astrid), Jonah Hill / Tim Sander (Rotzbakke), Christopher Mintz-Plasse / Hannes Maurer (Fischbein), T.J. Miller / Nico Sablick (Taffnuss), Kristen Wiig / Britta Steffenhagen (Raffnuss)
Preise und Auszeichnungen Nominiert 2011 für zwei Oscars: Bester Animationsfilm & Bester Score (John Powell)

Rezensionsexemplar freundlicherweise zur Verfügung gestellt von © Paramount Pictures.
Kommentare zu dieser Kritik
Jeannette TEAM sagte am 10.05.2011 um 21:03 Uhr

Wir haben den Film mit Erwachsenen und Kindern angesehen und fanden ihn alle sehr gelungen. Für mich war es vor allem ein Film über Freundschaft, weniger Vater-Sohn-Dings. Der Nachtschatten war wirklich unglaublich süß und manche Szenen mit ihm mussten wir gleich mehrmals anschauen. Diese Figur ist mal richtig toll geworden.

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