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Them

Them

Ein Film von David Moreau, Xavier Palud

Ein Landrover zerschneidet die tiefe, unheimliche Dunkelheit der Nacht, als er ĂŒber eine einsame Landstraße mitten durch einen dichten Wald brettert.
Im Auto sitzen Mutter und Tochter – die Stimmung ist angespannt. Als das Handy lĂ€utet und der Ehemann sich nach dem Befinden seiner Familie erkundigt, eskaliert die konflikttrĂ€chtige Situation, wobei die Tochter ihren Eltern mit der kalten Schulter das typische „ihr könnt mich mal“ signalisiert und die Mutter darauf das Handy auf den Boden knallt, in der verstĂ€ndlichen Aufregung die Kontrolle ĂŒber das Auto verliert und gegen einen Masten fĂ€hrt.
Auto kaputt, Handy in seine Bestandteile zerlegt, zwei Frauen alleine in einem dunklen, menschenverlassenen, aber doch nicht so ganz leeren Wald.
Das ist die klassische Konstellation eines beginnenden Horrorfilms.
Nur will der Schrecken leider nicht so recht aufkommen. Vielleicht liegt das an der unglaublich vorhersagbaren Entwicklung, den unbeholfenen, eindimensionalen Charakteren, die statt Sympathie und Identifikation nur Ärgernis ĂŒber ihr plumpes und beklopptes Verhalten hervorrufen, oder vielleicht ist nur die ZĂ€higkeit, mit der der Film beginnt, fĂŒr die ersten GĂ€hner verantwortlich.
Aber vielleicht geht’s erst jetzt wirklich los?
Die Mutter steigt aus und stolpert mechanisch zum Vorderteil des Autos, um fachkundig den Motor zu untersuchen, wobei sie die nun ganz zahm gewordene Tochter anleitet, hie und da mal auf das
Gaspedal zu treten. Es vergeht einige Zeit und nachdem es der Tochter zu langweilig wird ĂŒber 5 Minuten die Motorhaube anzustarren und die Mutter seit ungefĂ€hr ebenso langer Zeit kein Lebenszeichen von sich gegeben hat, steigt der Teenager aus und schaut sich um. Komisch! Keiner da. Mehr ĂŒberrascht als verzweifelt lĂ€uft das Girly ein paar Schritte in beide Richtungen (selbst fĂŒr einen alten, krĂŒppelhaften Mann Zeit genug, sich im Auto bequem zu machen), bis sie unheimliche, knatternde GerĂ€usche aus dem Wald hört. Da wird sich das MĂ€del mit einem Schlag bewusst, dass sie in einem Horrorfilm spielt und laut ihrer Rolle nun in Panik ausbrechen sollte. Mit einer meisterhaften Improvisation eilt sie zum Fahrzeug, schließt sie sich dort ein und versucht die Polizei zu verstĂ€ndigen – dafĂŒr muss aber das Mobiltelefon erst wieder zusammengesetzt werden. In der Zwischenzeit macht sich jemand einen Jux, indem dieser mit der Fernsteuerung der gestohlenen AutoschlĂŒssel das TĂŒrschließen-TĂŒröffnen-Spielchen mit der schockierten HalbwĂŒchsigen treibt. Endlich zeigen die Verantwortlichen fĂŒr diesen Film Erbarmen mit dem Zuschauer: es sind wieder ein paar eigenartige, knatternde GerĂ€usche zu hören, die zur Steigerung des Grusels mal hier mal da erklingen (also in kurzer Zeit an ganz verschiedenen Orten), irgendein gnadenloses, verrĂŒcktes Etwas wirft tatsĂ€chlich mit Schleimhaufen auf die Fenster des Autos ein und der verbissene, bis an seine Grenzen gehende Jungschauspieler belohnt uns Zuschauer mit endlosen Minuten mimischer Glanzleistung eines panischen, wehrlosen MĂ€dchens.
Das wird auch dem Killer auf dem RĂŒcksitz auf Dauer zu fad und er verrichtet seine methodische Strangulierung mit einem Seil, die in ihrer kurzen Augenzwinker-Optik nicht einmal das Leiden des Zuschauers fĂŒr das Vorherige entlohnt.

So beginnt also der neue Film „Them“ aus dem schönen Frankreich (original ĂŒbrigens: „Ils“). Und laut der Werbung, mit der fĂŒr die DVD geworben wird, erwartet den Zuschauer im Laufe der nĂ€chsten Stunde !!! ein (einstĂŒndiger) „Alptraum aus dem man nicht erwachen kann“, eine „Tour de Force des Schreckens“ und ein Film, der „zweifellos zu den Höhepunkten des Genres der letzten Jahre gezĂ€hlt werden muss.“
Man darf nun mal nicht alles glauben was man liest.
Die eigentliche Handlung kann um ihrer Schlichtheit gar nicht mehr reduziert werden.
Ein französisches Paar – die Französischlehrerin einer Grundschule, ClĂ©mentine (Olivia Bonamy), und der offenbar erfolglose und deshalb leicht frustrierte Schriftsteller Lucas (MichaĂ«l Cohen) – haben sich in RumĂ€nien, nahe Budapest, ein riesiges altes Haus gekauft und versuchen hier eine Existenz aufzubauen. An einem solcher Abende, wo wiedermal nur MĂŒll im Fernsehen lĂ€uft und der Sex routiniert und einschlĂ€fernd ist – also einer dieser Abende an denen man beschließt mal frĂŒher ins Bett zu gehen – lĂ€utet mitten in der Nacht das Telefon und statt einer Stimme ist wieder dieses groteske, rasselartige GerĂ€usch vom Intro zu hören. Kurz darauf geht der Strom aus und irgendjemand oder besser gesagt irgendjemande, nĂ€mlich „Them“, haben sich Zutritt auf das GrundstĂŒck verschafft, schleichen um das Haus herum und leuchten ab und an ganz frech mit Taschenlampen in die Fenster hinein. Als auch noch das Auto gekidnappt wird, ist das PĂ€rchen kurz vorm Durchdrehen.
ThemThemThem
Es ist frustrierend zu beschreiben wie sich alles in die LĂ€nge zieht, da man die Hauptdarsteller erstmal gemeinsam in den Keller zur Untersuchung des Sicherheitskastens runter laufen lĂ€sst, dann beide wieder hoch ins Schlafzimmer. Dann geht der Mann alleine runter und warnt die Frau ja nicht nachzukommen und kommt dann doch wieder hoch mit der Gewissheit, diejenigen, die fĂŒr die ganzen Scherereien verantwortlich sind, sind nun im Haus und treiben nun hier ihre Spielchen. Mit anderen Worten, bzw. mit den Worten der DVD-Promotion, wieder ein klassisches „Terrorkino wie es puristischer und hĂ€rter kaum sein kann“.
Hier sei noch angemerkt, dass die Macher Moreau und Palud (und die sind als Drehbuchschreiber und Regisseure zugleich wirklich fĂŒr jede Szene zur Verantwortung zu ziehen) fieserweise auf die Idee kamen, den Terror in unsere Köpfe dadurch zu bannen, dass sie die gesamte Handlung in Echtzeit und mit qualitativ armseligsten Linsen gefilmt haben. Das heißt, dass wenn ClĂ©mentine und Lucas nun das eingenommene Haus verlassen und in die Tiefen des Walde laufen, die Kamera, Ă€hnlich wie in „Blair Witch Project“, ohne zeitraffende Schnitte, also in Echtzeit, sich ihnen auf die Fersen heftet. Einmalig!!!

Abschließend darf nicht fehlen, dass „Them“ genau das einhĂ€lt, was das Intro verspricht: die unoriginelle und vorhersagbare Andeutungen offenbaren sich auch wirklich in dem was man schon seit der HĂ€lfte des Filmes allmĂ€hlich vermutet hat. Und wenn man meint, schlimmer kommt’s nimmer, dann ist man noch nicht am Schluss angelangt.

Mein Tipp an dieser Stelle: wer wirklich genreprĂ€gendes, innovatives, verstörendes und atmosphĂ€risches Terrorkino sehen will, lasse die Finger lieber von diesem Fake und greife stattdessen zu „High Tension“ von Alexandre Aja, dem französischen Kollegen von dem Regal daneben.

Eine Rezension von Eduard Beitinger
(23. Mai 2007)
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Daten zum Film
Them Frankreich 2006
(Ils)
Regie David Moreau, Xavier Palud Drehbuch David Moreau, Xavier Palud
Produktion Eskwad, Studio Canal Kamera Axel Cosnefroy
Darsteller Olivia Bonamy, Michaël Cohen, Adriana Mocca, Maria Roman, Camelia Maxim
Länge 77 min. FSK 16
Filmmusik Serge Rouquairol
Kommentare zu dieser Kritik
Bastian TEAM sagte am 03.01.2008 um 16:12 Uhr

Hab mir den eben mal angeschaut und muss sagen: So schlecht find ich das gute StĂŒck gar nicht. So gut gemacht wie "High Tension" isser vielleicht nicht, aber vor allem der Einsatz der GerĂ€usche ist schon recht gelungen! Mal abwarten wie das "The Eye"-Remake der Herren Moreau/Palud wird - der Trailer kann sich zumindest sehen lassen...
sunglassyuppie sagte am 10.03.2012 um 10:19 Uhr

FĂŒr mich ein sehr gelungenes, atmosphĂ€risches StĂŒck Film. Kann ich nur weiterempfehlen...

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