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The Actors

The Actors

Ein Film von Conor McPherson

Wenn Schauspieler die Bühne verlassen, um im echten Leben von ihrer Kunst Gebrauch zu machen, dann versuchen sie entweder einen Nazi-Spion davon abzuhalten, die polnische Untergrundbewegung zu enttarnen oder aber sie wollen einem Gangster vollkommen eigennützig einfach nur um ein paar Moneten erleichtern. Letzteres ist Dreh- und Angelpunkt dieses kleinen irischen Films von Conor McPherson. McPherson, von Haus aus eigentlich Theaterautor, liefert mit THE ACTORS seine dritte und bis dato leider letzte Regiearbeit ab. Das Drehbuch stammt selbstverständlich aus seiner begnadeten Feder und erinnert vom Aufbau her mehr an ein Theaterstück als an einen Spielfilm. Wie so oft in seinen Stücken, geht es in The Actors um einen Taugenichts, der sich mit mehr Glück als Verstand durchs Leben schlängelt. Genau genommen geht es um zwei Taugenichtse, die – wie kann man es bei einem solchen Titel auch anders erwarten? – beide Schauspieler in einem Dubliner Theater sind. Wie so manch anderer Film vor ihm ist The Actors Opfer falscher Selbstvermarktung geworden und wurde dementsprechend wenig wohlwollenden von der Presse aufgenommen - zu Unrecht.
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Anthony O'Malley (Michael Caine) ist ein Schauspieler wie er im Buche steht: Begnadet, eitel und absolut erfolglos. Statt bei den ganz großen Filmproduktionen mitzuwirken, wie es sich seiner Meinung nach für einen Schauspieler seiner Klasse gehört, muss er sich regelmäßig auf einer schäbigen, kleinen Bühne vor spärlich bestückten Zuschauerplätzen erniedrigen und in einer grausigen Adaption von Shakespeares RICHARD III mitspielen. Zumindest darf er die Titelrolle bekleiden, was Thomas Quirk (Dylan Moran) nicht von sich behaupten kann. Er bekleidet lediglich die eher unspektakuläre Rolle des Boten im letzten Akt.

Zur Vorbereitung seiner Rolle als Richard III, hat sich O’Malley die letzte Zeit in zwielichtigen Hafenbars herumgetrieben, um den bösen Buben und harten Kerlen ein wenig über die Schulter zu schauen. Bei einem seiner fragwürdigen Ausflüge bekommt O’Malley zufällig spitz, dass ein Kleinganove namens Barreller (Michael Gambon) einer gewissen Partei noch Geld schuldet. Der Clou an der ganzen Sache: Barreller und seine Gläubiger haben sich noch nie getroffen.

Not macht bekanntlich erfinderisch und da O’Malley gerade damit gedroht wird aus seiner Wohnung gebeten zu werden, da er die Miete von seinem lausigen Schauspielergehalt nicht mehr zahlen kann, ist er erfinderisch genug, um eins und eins zusammenzuzählen. Um nicht selbst den Kopf hinhalten zu müssen, weiht er seinen „Schützling“ Tom in die Geschichte ein. Mit der Schauspielerei verhält es sich nämlich wie mit dem Pokern, es wird erst interessant, wenn etwas auf dem Spiel steht:“… like life or death or money.“. Die ganze Angelegenheit als Schauspieltraining betrachtend, soll Tom sich als besagter Gläubiger ausgeben, das Geld kassieren und wieder von der Bühne verschwinden. Dieser ist natürlich ganz und gar nicht von der Sache angetan, allerdings auch nur, weil er noch nicht weiß, dass sein Haus abgebrannt ist.

So lässt sich Tom letzten Endes doch auf die ganze Schose ein und luchst Barreller erfolgreich viele, kleine Abbilder der ehrenwerten Königin Elizabeth II im Wert von 50.000 Pfund ab. Zu dumm, dass sich Barreller gar nicht als der verachtenswerte Ganove herausstellt, den O’Malley in so düsteren Farben an die Wand gemalt hat und zudem noch eine äußerst reizende Tochter hat. Toms schlechtes Gewissen ist unweigerlich vorprogrammiert. Das Auftauchen der richtigen Gangster, die das Geld gerne in den eigenen Händen sehen würden, verkompliziert die Angelegenheit ein klein wenig. Nun ist vollstes schauspielerisches Können gefragt, um wieder heil aus dem selbstverschuldeten Schlamassel heraus zu kommen. Zum Glück hat Tom eine aufgeweckte, neunjährige Nichte, die die beiden Vollzeittrottel und Schmalspurganoven mit ihrer geballten Lebenserfahrung vor so mancher Dusseligkeit bewahrt.
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Kaum zu glauben, dass ein Film, der gleich mit zwei „Sirs“ aufwarten kann derart sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden konnte. Nach eher bescheidenen Kritiken seitens der Presse und verhaltener Begeisterung in den Reihen des Publikums, verschwand The Actors mit halsbrecherischer Geschwindigkeit von den irischen Kinoleinwänden. Hierzulande wurde er gar nicht erst ausgestrahlt – eine deutsche Synchronisation fehlt meines Wissens bis heute. In solchen Fällen machen sich das Englischstudium und die neu angeschaffte Kreditkarte bezahlt, denn zum Glück hat dieser kleine, feine Film in Großbritannien zumindest den Weg auf DVD gefunden.

Anders als es das Kinoposter nahe legt, ist The Actors nicht nur eine alberne Slapstick-Komödie sondern auch ein feinfühliges, theatralisches, wenn auch unspektakuläres Schauspiel mit charmant-ironischen Zügen. Kein Film zum lauthals Lachen, sondern zum dauerhaft Schmunzeln. Wer Ernst Lubitschs (oder Mel Brooks’) Sein oder Nichtsein gesehen hat, wird die ein oder andere Parallele zu diesem Filmklassiker entdecken. Die Nazis marschieren zwar nicht in Polen ein, tummeln sich aber in einer miserablen Adaption Richards III auf der Bühne. Der Star des Stücks ist so von sich eingenommen, dass seine Gehirnkapazität für die eventuell angebrachte Selbstkritik nicht mehr ausreicht. Und zu guter Letzt wäre da noch der drittklassige Schauspieler, der stets nur die Einzeiler-Rollen bekommt, seine große Rolle aber im wahren Leben ergattern kann. Hier liegt auch die Ironie der ganzen Geschichte: Der Schauspieler, der auf der Bühne zu überzeugen weiß, ist im echten Leben hoffnungslos verloren, weil im das Improvisationstalent fehlt, wohingegen der Schauspieler, der auf der Bühne nicht mal eine Fahne halten kann ohne die Szene zu vermasseln, sich im wahren Leben als überzeugender Mime entpuppt und problemlos in die verschiedensten Rollen schlüpfen kann.

Dass es für dein ein oder anderen Lacher sorgen kann, wenn ein begnadeter Schauspieler sich selbst parodiert, haben wir spätestens seit Reine Nervensache begriffen. Und was Robert De Niro kann, kann Michael Caine schon lange. Einmal mehr stöckelt er als sexy Blondie über den Bildschirm. Der wahre „Master of Disguise” ist aber der Stand-Up-Comedian Dylan Moran (Shaun of the Dead, Black Books), der hier mit nicht enden wollender Spielfreude das macht, was er am besten kann: Quatsch auf amüsantem Niveau. Mehr ist The Actors zugegebenermaßen auch nicht, aber nichtsdestotrotz lassen sich ein paar kurzweilige 90 Minuten mit diesem Filmchen verbringen. Vorausgesetzt man nimmt ihn und seine Klischee-Jonglage nicht allzu ernst.
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Eine Rezension von Anja Mikolajek
(07. November 2008)
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Daten zum Film
The Actors Irland, Großbritannien, Deutschland 2003
(The Actors)
Regie Conor McPherson Drehbuch Conor McPherson
Produktion FilmFour, Senator Film, Bórd Scannán na hÉireann, Company of Wolves, Four Provinces Films
Darsteller Michael Caine, Dylan Moran, Michael Gambon, Miranda Richardson, Lena Headey
Länge 91 Minuten FSK
Filmmusik Michael Nyman
Der Film ist am 8. März 2004 in Großbritannien bei Momentum Pictures auf DVD erschienen.
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