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Erbarmungslos

Erbarmungslos

Ein Film von Clint Eastwood

Der Wilde Westen ist tot. Es lebe der Wilde Westen! So oder ähnlich muss das Motto für Clint Eastwood gelautet haben, als er 1992 sein mit vier Oscars ausgezeichnetes Film-Wunderwerk “Erbarmungslos”, im Original weitaus sinniger “Unforgiven” betitelt, abdrehte. Doch waren die Tage des standhaften Revolverhelden ohne Furcht und Tadel, dem der Blick über den staubigen Horizont eine strahlende Zukunft verspricht, schon damals nicht nur gezählt, sondern längst zu Ende gegangen. Somit stellte “Unforgiven” auf der einen Seite zwar eine Hommage, auf der anderen Seite jedoch auch einen wehmütigen Abgesang dar - einen Abgesang auf die Mythen eben jenes Genres, welches Eastwood einst zur lebenden Legende werden ließ.

Seit seine Frau vor zwei Jahren verstarb, möchte der alternde Ex-Kopfgeldjäger William Munny (Clint Eastwood) vom Töten nichts mehr wissen. Resigniert zieht er sich auf seine Schweinefarm zurück, die er außer mit dem Vieh auch noch mit seinen beiden Kindern teilt. Als der großmäulige Jungspund Elroy Tate, genannt “Schofield Kid” (Jaimz Woolvett), jedoch aufkreuzt und ihn darum bittet, sich mit ihm auf die Suche nach zwei Cowboys zu machen, die in einem Saloon im gottverlassenen Wüstenkaff Big Whiskey einer Prostituierten das Gesicht zerschnitten haben, wirft er seine Vorsätze über den Haufen und reitet - wenn auch zögerlich - mit dem Burschen mit. Schließlich hat die lädierte Dirne auf ihre Peiniger ein Kopfgeld in Höhe von 1.000 Dollar ausgesetzt, wovon Mu
nny im günstigsten Fall die Hälfte bekommen würde. Zur weiteren Verstärkung nehmen die Männer Munny`s alten Kumpel Ned Logan (Morgan Freeman) mit, der sich hauptsächlich aus Loyalitätsgründen dazu bereit erklärt, sein Pferd zur Jagd auf die beiden Outlaws zu satteln. Im Städtchen Big Whiskey geraten die Drei unerwartet in einen Zwist mit dem Sheriff Little Bill Daggett (Gene Hackman), einem skrupellosen Sadisten in Gesetzeshüteruniform, der gerne mit seiner Macht kokettiert und sich in seinen Ermittlungen gestört sieht - nicht nur von Munny und seinen Mitstreitern, sondern auch von dem Engländer English Bob (Richard Harris), der ebenfalls ein Auge auf die Belohnung der Prostituierten geworfen hat…

Wenn man an den Schauspieler Clint Eastwood denkt, wird man womöglich sofort den “namenlosen Fremden” aus Sergio Leones Meisterwerk Zwei glorreiche Halunken vor Augen haben: Poncho, Zigarillo im Mundwinkel und lakonische Coolness - seine mit “Dirty Harry” wohl berühmteste Rolle wurde zur Ikone und definierte einen neuen Typus des raubeinigen Westernhelden. Dass seitdem so gut wie alles, was der Mann aus Los Angeles anpackte - egal ob als Darsteller oder als Regisseur - zu Gold wurde, sei hier nur am Rande erwähnt. Als Eastwood 1992 mit “Unforgiven” quasi zu seinen Wurzeln zurückkehrte - in einer Zeit, in der die alten Wildwestrecken längst von der Bildfläche verschwunden waren - konnte man zumindest Bedenken anmelden, da doch niemand mehr ernsthaft nach dem oft belächelten Genre zu rufen schien. Und doch war ihm mit der bittersüßen, desillusionierenden Neowesternballade der ganz große Wurf vorbestimmt. Eastwood verbeugte sich in Demut vor seinem Genre, um ihm gleichzeitig die Grabrede zu halten. “Unforgiven” übernimmt dabei die gängigen Motive und Formula des Western und verwendet sie in einem realistischeren und bodenständigeren Kontext, fern jeglicher sentimentaler Phantastereien, die das Genre einstmals maßgebend prägten.

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Eastwoods Figur, der Viehzüchter und Ex-Pistolero William Munny, ein weiterer denkwürdiger Charakter in der Laufbahn des Filmgenies, ist ein mehr als deutlicher Gegenpol zu seinen früheren Rollen, z. B. als Fremder in der “Dollar”-Trilogie oder als hartgesottener Cop “Dirty Harry”. Der coole, besonnene Held von einst ist kein Held mehr, sondern ein abgewrackter alter Mann, der mit sich selbst und seiner Vergangenheit im Unreinen ist. Die Frau ist tot, der Haushalt wächst ihm über den Kopf, selbst das Schießen geht ihm nicht mehr so leicht von der Hand. Eigentlich hat er so etwas wie einen Lebenssinn längst aus den Augen verloren. Dem “Beruf”, mit dem Colt für Gerechtigkeit zu sorgen, hat er seiner Frau zuliebe abgeschworen, weswegen ihm das nötige Kleingeld fehlt, um seine Kinder zu ernähren und die Farm zu finanzieren. Demnach kommt ihm der Vorfall, der sich in dem Provinznest Big Whiskey ereignet, wie gerufen. Brächte er die Männer, die sich an der Hure im Saloon vergriffen haben, zur Strecke, würde ihm die dann winkende Belohnung dazu verhelfen, besser über die Runden zu kommen.

Gleichzeitig macht sich in Munny während der Mission wieder der Gerechtigkeitsfanatiker vergangener Tage bemerkbar. Der kaltschnäuzige Sheriff Little Bill wird sein “Feindbild” und erbitterter Widersacher, der Munny am Ende mit dessen eigenen moralischen Grundsätzen konfrontiert: “I don`t deserve to die like this…”, winselt er am Boden des Saloons liegend. Munny, der irgendwo schon erkennt, dass Little Bill nicht Unrecht hat, da niemand als Strafe für sein Handeln den Tod verdient, zögert zunächst. Schlussendlich erschießt er Little Bill doch. Nicht unbedingt weil er der Ansicht ist, dass der Zweck jedes Mittel heiligt, sondern weil es ihm ein persönliches Anliegen war, das zu Ende zu bringen, wofür er engagiert wurde: nämlich die Stadt von Brutalität, Korruption und selbstgerechtem Machtgehabe zu befreien. Die beiden Cowboys und der gesetzlose Sheriff Little Bill sind tot, doch Munny`s Wunschtraum, ein Leben ohne den `gegenwärtigen Tod´, bleibt für immer eine Illusion. Die Sicherung der Zunkunft seiner Kinder und seines Grundstücks hat er gegen das Leben seines Freundes Ned Logan und das vieler anderer sozusagen “eingetauscht”, so wie Schofield Kid seine naiven Vorstellungen vom furchtlosen Helden, die er mit Prahlereien über seine angeblichen “Heldentaten” untermauert, gegen die bittere Erkenntnis über die schwerwiegenden Folgen von Mord und Totschlag “eintauscht”. Wer sich einmal in der Spirale der Gewalt verfangen hat, für den gibt es keinen Ausweg - und wenn doch, dann ist es für immer gebrandmarkt. Das macht “Unforgiven” auf beeindruckende Weise deutlich.

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Eastwood skizziert seine Charaktere als mit natürlichen Fehlern beladene Menschen wie du und ich, nicht als schablonenhafte Bilderbuch-Helden, die in grundsätzlich jeder Situation die richtige Entscheidung treffen. Munny tut nicht einfach seinen “Job” oder befreit die Stadt vom brodelnden Chaos, an seinen Händen klebt genauso Blut wie an den Händen von Little Bill. Obwohl die Motivationen der Figuren stets nachzuvollziehen sind, verlaufen die Grenzen zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht dennoch fließend. Eastwood beschönigt oder romantisiert indessen nichts, er zeigt den Wilden Westen als das, was er war (und nicht als das, was er in vielen anderen Filmen dieses Genres vorgab zu sein): eine Vorstufe zu unserer heutigen Zivilisation - und zwar in einem Zeitabschnitt, in dem die konservativen “Werte” des Landes immer mehr von einem neuen, modernen Denken eingeholt wurden und beispielsweise Frauen begannen, gegen die Unterdrückung durch das strenge Patriarchat aufzubegehren. In ungeheuer stimmungsvollen, erlesenen, aber teilweise auch kompromisslosen Bildern feiert “Unforgiven” die Renaissance eines totgeglaubten Genres und erweist ihm gleichzeitig die letzte Ehre.

Das vielschichtige Skript von David Webb Peoples, die atemberaubende Fotografie Jack Greens und die bestens aufgelegte Riege der Weltstars Eastwood, Freeman, Hackman und Harris machen “Unforgiven” zu einem der besten Western überhaupt.

Eine Rezension von Christopher Michels
(29. August 2009)
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Daten zum Film
Erbarmungslos USA 1992
(Unforgiven)
Regie Clint Eastwood Drehbuch David Webb Peoples
Produktion Warner Kamera Jack N. Green
Darsteller Clint Eastwood, Morgan Freeman, Gene Hackman, Richard Harris
Länge 125 Minuten FSK ab 16
Filmmusik Lennie Niehaus, Clint Eastwood
Kommentare zu dieser Kritik
Micha Barbarez sagte am 09.10.2009 um 14:47 Uhr

Für mich der 2. beste Western (hinter Spiel mir...). Und was für eine grandiose Besetzung !

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