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La Vida Loca - Die Todesgang

La Vida Loca - Die Todesgang

Ein Film von Christian Poveda

Herzzerreißendes Geschrei durchpeitscht die staubige Friedhofsluft. Der Sarg hat ein Glasfenser, durch das man das Gesicht des Verstorbenen sehen kann. Eine Frau hat sich darauf geworfen. Sie wütet, schreit, heult und weint. Seine Witwe. Sie ist vielleicht 17 Jahre alt. Die Umstehenden singen und halten ineinander verschlungene Finger in die Höhe. Sie symbolisieren eine 18 - die Zugehörigkeit zur "Mara 18", einer der härtesten Gangs Lateinamerikas.

"Töte um zu leben, lebe um zu töten!" beschreibt die Mentalität der Gang-Mitglieder. Tatsächlich ist der Tod ihr ständiger Begleiter, denn auf den Straßen San Salvadors herrscht Krieg. Wie er begonnen hat, ist nebensächlich. Für die "Mara 18" gibt es nur ein Ziel: Die anderen, die "Mara Salvatrucha", zu vernichten.

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Etwa 50 Mitglieder zählt die "18", meist Jugendliche und junge Erwachsene. Kaum einer wird älter als 26. Sie leben in einer surrealen Welt aus Hass und Gewalt, gepaart mit Fürsorglichkeit und Liebe. Der "Clan" hat seine eigene Sprache, seine Riten und Tätowierungen, seine Hymnen und Symbole. Diese "Bruderschaft der Ausgeschlossenen" ersetzt die Familie. Eine Familie, die viele ihrer Mitglieder nie hatten. "La Chucky" etwa, deren Spitzname nicht von ungefähr kommt. Ihre leibliche Mutter hat sie als Baby weggegeben, weil sie sie nicht wollte. Auf ihrer Stirn prangt eine tätowierte 18, die sie sich aus Liebe zu ihrer Gang hat stechen lassen. Sie ist 19, Mutter zweier Töchter und saß bereits wegen vorsätzlichen Mordes im Gefängnis. Weil sie sich aber als volljährig ausgegeben hatte, wurde sie aufgrund eines Formfehlers entlassen.

Neben dem Tod ist die Hilflosigkeit das Leitmotiv. Das Gefühl, ohnehin keine chance zu haben. Als ein Polizist im Viertel stirbt, geht die Polizei in die Schulen. Lässt die Jugendlichen ihre T-Shirts ausziehen, um sie auf Gang-Tattoos zu überprüfen, und pfercht sie auf dem heißen Asphalt zusammen. Der Leiter der Operation hält eine Ansprache, die vor Pathos trieft: "Wir sind nicht eure Feinde. Ich weiß, dass ihr damit nicht weitermachen wollt. Wir können miteinander reden." Doch wer in völlig verschiedenen Welten lebt, spricht äußerst selten die gleiche Sprache.


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Eineinhalb Jahre dokumentierte Christian Poveda das Leben der "Mara 18" in Soyapango, einem Vorstadt-Slum von San Salvador. Während des Bürgerkriegs in den 1980er Jahren war er als Foto-Journalist in El Salvador unterwegs. 2004 kehrte Poveda ins Land zurück und porträtierte in einer Foto-Reportage 130 Mitglieder der beiden verfeindeten Gangs. Dabei knüpfte er Kontakte, die ihm Zugang zum Leben der Gang-Mitglieder ermöglichten. Poveda schlug beiden Gangs vor, einen Dokumentarfilm über sie zu drehen, und sagte, dass er sie dafür etwa ein Jahr begleiten müsste. Die "18" waren einverstanden, die Rivalen von den "Mara Salvatrucha" war ein Jahr zu lang.

Während der Dreharbeiten gab es keinerlei Schutz. "Andererseits hatte ich das Okay der obersten Gang-Instanzen erhalten, was die Dinge enorm erleichterte. Außerdem erlaubte mir die Polizei die Zusammenarbeit mit ihr im Viertel", sagte Christian Poveda in einem Interview. Seinen Mut bezahlte er jedoch mit seinem Leben: Am 2. September 2009 war Poveda auf der Rückfahrt von Dreharbeiten zu einer weiteren Dokumentation und geriet auf offener Straße in einen Hinterhalt. Ihn trafen vier Kugeln. In den Kopf. Von welcher der beiden Gangs die Schüsse kamen, ist ungeklärt.

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"La Vida Loca - Die Todesgang" ist mehr als Christian Povedas Vermächtnis: Ein sensibel-brutaler Blick auf das Leben der "verlorenen Generation" Mittelamerikas. Poveda hält sich zurück; es gibt keine Kommentare, keine Erklärungen, keine Hintergründe. Er stellt keine Fragen und sucht nicht nach Antworten. Poveda hat gewissermaßen mit den Porträtierten gelebt, sich aber dennoch notwendige Distanz des Dokumentarfilmers bewahrt - ein Balanceakt, der sich auszahlt. Seine Kamera urteilt nicht; sie beschreibt, was Poveda erlebt: "Jugendliche, die leiden, die uns provozieren, die auf uns herabsehen, die uns verachten, die zornig auf uns sind und uns ablehnen. So wie ihre teuflischen Visionen uns beängstigen und Albträume in uns wach rufen, so hoffe ich, wird sich auch unsere Sicht auf die Welt verändern. Diese verlorene Generation antwortet mit Pessimismus, Revolte und Tod."

Eine Rezension von Anita Klingler
(26. Januar 2010)
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Daten zum Film
La Vida Loca - Die Todesgang 2008
(La Vida Loca)
Regie Christian Poveda Drehbuch
Produktion Carole Solive, Luís Bellaba, Emilio Maillé & Gustavo Angel Kamera Christian Poveda
Länge 90 min FSK 16
Filmmusik Sebastián Rocca
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