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Toter Mann

Toter Mann

Ein Film von Christian Petzold

In einem Hallenbad verliert eine junge, schöne Frau (Nina Hoss) beim Hinausgehen ein Buch - der Anwalt Thomas (André Hennicke) läuft ihr, nach anfänglichem Zögern, hinterher und hält es ihr lächelnd entgegen. Sie geht weiter zur Bushaltestelle, er wird von seinem Bruder und Kollegen mit dem Wagen abgeholt. Doch zum letzten Mal haben sie sich nicht gesehen. In einem Café spricht Thomas' Bruder eine Frau an, die sich mit ihrer Freundin unterhält - diese Freundin ist Thomas' Unbekannte. Dann taucht sie wieder im Schwimmbad auf und kann sich an Thomas scheinbar nicht mehr erinnern. Als er ihr anbietet, sie mit dem Wagen zur Arbeit zu fahren, lehnt sie ab, doch anstatt auf den Bus zu warten, geht sie in einen Park und geradewegs auf eine Brücke zu, wo sie sich über die Brüstung lehnt und in die Ferne schaut. Thomas folgt ihr, und als er hinter ihr steht, wendet sie sich zu ihm. Sie kommen ins Gespräch und er lädt sie zum Abendessen ein.

Das Restaurant ist bereits am Schließen, die Küche hat längst Feierabend, da taucht Leyla, so heißt sie, auf. Und weil es um die Uhrzeit in der Stadt nirgens mehr zu essen gibt, lädt Thomas sie zu sich nach Hause auf eine Pizza ein, Mozzarella oder Funghi. Nachdem sie gegessen und getrunken und unzählige Male Dionne Warwicks "What the world needs now" gehört haben, von der Leyla begeistert ist, geht er die Schallplatte erneut auflegen und findet wiedergekehrt seinen Gast eingeschlafen auf der Couch vor. Er macht ein Bild von ihr.
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Am nächsten Morgen ist sie verschwunden und nur ein Zettel als Beweis für die Wirklichkeit der letzten Nacht geblieben. Verschwunden ist aber auch Thomas' Notebook, auf dem alle seine Daten, ohne Passwortzugang, gespeichert waren. Darunter auch die über Michael Blum, seinen Mandanten, einen die Resozialisierung durchlaufenden ehemaligen Häftling, hinter dessen unscheinbarem Äußeren sich tiefe Abgründe verbergen. Und dann lächelt eine neue Küchenkraft Blum beim nächsten Mittagessen in der Kantine an. Ist es Zufall, dass es keine andere als Leyla ist?

Christian Petzold ist ein Hitchcock des deutschen Gegenwartsfilms. Zwar verwendet er nicht die Effekte und Regietricks des gebürtigen Engländers, aber in Supense und Rätselhaftigkeit und Unheimlichkeit seiner Charaktere und Personen steht er ihm in nichts nach (so hat Petzold auch gesagt, er habe den Darstellern als Einstimmung auf den Film "Marnie" gezeigt, daneben übrigens auch Vardas "Cleo von 6 bis 8"). Bei ihm vielleicht noch mehr als bei Hitchcock gibt es diesen furiosen Umschwung von scheinbarer Komödie zum ergreifenden Kriminaldrama. Auch Toter Mann beginnt als leichter Liebesreigen mit ironischen und ausgefeilten Dialogpartien uns entwickelt sich unversehens in die entgegengesetzte Richtung.
Petzolds Einstellungen sind photorealistische Gemälde, Ausdruck des Materialismus unserer Welt und unseres Alltags. Sie sind Zustandsbeschreibung und Kritik zugleich. Überall, in den Räumen wie in den Gesichtern sieht man Leere und Traurigkeit. So hat jeder seiner Filme neben der Spannungs- auch eine soziologische Dramaturgie, mit großer Finesse integriert er die Arbeiterwelt in davon scheinbar ganz fernliegenden Sujets. Wie jeder gute Regisseur hat er auch schon seine Motive: Brücken, Wasser, das in den Szenen vorherrschende Weiß, eine bestimmte Art des Musikeinsatzes (der in diesem Film mit seiner ständigen Wiederholung eines Leitsongs an "Chungking Express" mit seinem "California Dreamin'" erinnert). Und seine Darsteller leisten ganz Großes, versetzen sich glaubwürdig und voller Kraft in ihre Rollen.
Petzolds Filme und auch Toter Mann haben so viele Qualitäten. Nur, leider, leider verlieren sie sich hier gegen Ende mehr und mehr. Das Mysteriöse weicht schon schnell der Vorhersehbarkeit und Langatmigkeit, man hat den Eindruck man wohne der Leblosigkeit und Künstlichkeit einer griechischen Tragödie bei, was nicht zuletzt am allzu konstruierten Skript liegt. Der Schluss leidet, bei aller Logik und Nachvollzierbarkeit, an seiner fehlenden Intensität und seiner Kühle. Der in der Schlussszene geweckte Hoffnungsschimmer will dann auch nicht wirklich überzeugen. So teilt sich der Film in eine hervorragende erste und eine nicht ganz überzeugende zweite Hälfte.
Toter Mann wurde für das Fernsehen gedreht und lief wegen rechtlicher Schwierigkeiten mit den Produzenten nicht im Kino (und ist bedauerlicherweise auch, wie fast alle Werke Petzolds, [noch] nicht auf DVD erhältlich). Dafür aber auf zahlreichen Filmfestivals, wie Rotterdam, Baden-Baden, Biarritz, wo er den Preis für das beste Drehbuch gewann. Regie, Hauptdarstellerriege, Kamera erhielten jeweils den Grimme-Preis. Zu Recht. Denn bei allen Schwächen liegt der Film doch weit über den durchschnittlichen heimischen Produktionen und weist Petzold als einen Regisseur aus, der dem deutschen Kino einen neuen, eigenen, bemerkenswerten Ton verleiht.

Eine Rezension von Michael Kaufmann
(17. September 2007)
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Daten zum Film
Toter Mann Deutschland 2001
(Toter Mann)
Regie Christian Petzold Drehbuch Christian Petzold
Produktion teamWorx
Darsteller Nina Hoss, André M. Hennicke, Sven Pippig
Länge 90 min FSK
Filmmusik Stephan Will
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