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Fall 39

Fall 39

Ein Film von Christian Alvart

Ein weiterer Horrorfilm (oder eher Melange aus sanftem Grusel und Mystery-Thriller) in der Tradition des Klassikers "Das Omen", der das schlimmste aller schrecklichen Monster in den Vordergrund stellt: unschuldig dreinblickende Kinder. Als die engagierte Sozialarbeiterin Emily (Renée Zellweger) in letzter Minute ein kleines Mädchen aus den Klauen der Eltern befreit - die die Göre gerade im Backofen grillen wollten - ahnt sie noch nicht, das sie sich gerade das personifizierte Böse angelacht hat. Wie das so ist, nimmt sich Emily den Fall zu Herzen und nimmt das scheinbar grausam misshandelte Kind zu sich auf. Doch schon nach kurzer Zeit häufen sich die merkwürdigen Umstände um die zwölfjährige Lillith, deren altkluge Kommentare zuweilen als Drohungen ausgesprochen werden.

Noch bevor es den ersten Todesfall gibt, weiß auch der im Genre unerfahrene Zuschauer schnell, worauf das Ganze hinausläuft. Umso überraschender, dass die Vorhersehbarkeit der altbackenen und gemächlich entwickelten Story kein Hindernis darstellt: Stimmungsvoll dunkle Kulissen, vielsagende böse Blicke und sparsam dosierte Schockeffekte verlieren eben nicht an Wirkung, bereitet man sie mit genug Sorgfalt auf. Besonders die langsame Erzählweise schafft in der ersten Hälfte eine wohlige Spannung, die nicht zu sehr an den Nerven zehrt und kein verstörendes Potential aufbietet, andererseits aber mit eher subtilen Gesten eine unheimliche Atmosphäre schafft. Die für ihr Alter schon bemerkenswert erfah
rene und souverän auftretende Jodelle Ferland erweist sich als glückliche Besetzung für die böse Lillith - ob man ihre Vorstellung aber eher unfreiwillig komisch findet oder eben scary as hell, das hängt vom jeweiligen Betrachter ab und ob der eben ein Kind als Filmmonster akzeptieren kann.

Die teils unentschlossene Gestaltung bleibt konventionell, schlagen sich die kreativen Differenzen zwischen Regisseur und Produzenten doch sichtlich nieder. Reichlich überambitioniert ist vor allem eine Insekten-Attacke aus dem eigenen Körper geraten. Eine wirklich morbide, grausam detaillierte Sequenz, die ihren Schrecken durch den übermäßigen Einsatz durchschnittlicher CGI-Effekte verliert. Der auf leise Spannung setzende Film bezieht seinen psychologischen Horror aus der Unschuld eines Kindergesichtes, sodass die betont physischen Ausbrüche in den Mordszenen merkwürdig isoliert vom restlichen Film bleiben und damit eher kalt lassen. Außerdem kann der Film einige auffällige Anschlussfehler nicht verbergen und versandet spätestens in der zweiten Hälfte deutlich in den Genrevorgaben. Bis sich die übernatürliche Komponente überhaupt entwickelt, hofft man bereits auf einen bodenständigeren Ausklang, der eventuell auch als reiner Psycho-Thriller ohne phantastische Elemente funktioniert hätte. Die Erklärungswut des modernen amerikanischen Horrorfilms findet sich auch hier wieder, auf einen schneidigen Twist wurde dankenswerterweise verzichtet.

Derlei Schönheitsfehler werden dann aber wieder teilweise durch den gut aufgelegten Cast rund um Renée "Bridget Jones" Zellweger kaschiert. Bradley Cooper (HANGOVER) macht eine gute Figur als einfühlsamer Co-Star, gehört aber ganz klar nicht in dieses Rollenprofil und Ferland gibt sich größte Mühe, bösartig auszusehen. Im Rahmen der Genrekonventionen ist "Fall 39" definitiv ein kleiner feiner Hingucker geworden, der sich nicht modernen Mätzchen abgibt sondern ganz und gar klassisch-ruhig auf angenehme Gänsehautentwicklung setzt. Überraschungen oder unkonforme Wendungen sollten daher nicht erwartet werden, einige ruppige Gewaltszenen lässt sich der Film dann aber doch nicht nehmen. Im übrigen debütiert mit Christian Alvert ("Antikörper") ein weiterer deutscher Regisseur in Hollywood und da hat schon so mancher Landsmann einen schlechteren Einstand erlebt. Zwar weist auch FALL 39 nicht die Spur einer eigenen Handschrift auf und könnte ebenso gut von einem anonym bleibenden Fließbandregisseur stammen, doch mit derlei Komplikationen ist immer zu rechnen beim Gang nach Hollywood. Alles in allem kann man mit FALL 39 zufrieden sein, sollte man auf der Suche nach leidenschaftslosem Unterhaltungskino zum schnell-wieder-vergessen sein. Denn bleibende Spuren will der Film nicht hinterlassen, was vielleicht bei allen gelungenen Ansätzen das vernichtendste Urteil darstellt.

Eine Rezension von Marco Siedelmann
(01. März 2010)
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Daten zum Film
Fall 39 USA, Kanada 2008
(Case 39)
Regie Christian Alvart Drehbuch Ray Wright
Produktion Kevin Misher, Steve Golin Kamera Hagen Bogdanski
Darsteller Renée Zellweger, Bradley Cooper, Jodelle Ferland, Ian McShane, Kerry O'Malley, Callum Keith Rennie
Länge 109 Minuten FSK ab 16
Filmmusik Michl Britsch
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