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Akte X: Jenseits der Wahrheit

Akte X: Jenseits der Wahrheit

Ein Film von Chris Carter

„Are you asking me to give up?“


Ein Kellergewölbe, völlig verdeckt von der Schwärze der Dunkelheit, da kein Fenster vorhanden ist, das etwas Licht spenden könnte. Da durchschneidet auf einmal ein Lichtschein die Düsternis, bewegt sich suchend als sehendes Auge des Eindringlings durch den kleinen Raum, stößt auf Relikte einer längst vergessenen Zeit, bevor er auf dem Objekt seiner eigentlichen Begierde zur Ruhe kommt. Ein schwerer Aktenschrank steht mitten im Lichtfokus, der scheinbar schon lange nicht mehr geöffnet wurde. Ein Lächeln huscht plötzlich über ein ansonsten vollkommen schattenbehangenes Gesicht. Bis zum jetzigen Zeitpunkt, denkt sich der Mann und tritt vorsichtig, beinahe ehrfürchtig in den Lichtkegel.


Wäre Chris Carters Leben ähnlich seiner erfundenen Kultserie „Akte X“ aufgebaut, hätte der surfende Produzent, Drehbuchautor und Regisseur sein Lebenswerk wahrscheinlich auf die obige Weise wieder reaktiviert. Ganz spooky, mit vielen Spinnenweben und seltsamen Geräuschen eben. Denn das Finale der einflussreichsten Mysteryserie überhaupt liegt aktuell schon ganze sechs Jahre in der Vergangenheit, während der Kinofilm „Akte X - Der Film“ [1998] bereits vor einem Jahrzehnt Premiere feierte. Die Vorstellung, dass es je
mals ein weiteres Wiedersehen mit dem Ermittlerduo Mulder und Scully geben würde, schien somit über sehr lange Zeit hinweg regelrecht dazu verdammt gewesen zu sein, lediglich als nicht realisierbarer Traum Sonntag nachts aufzutauchen, um am Montag, direkt nach dem Aufwachen, dann wieder sang- und klanglos zu verschwinden. Zurück blieb jedesmal allerhöchstens ein Leck im Wasserbett. Montage können grausam sein. Doch jetzt, im Jahr 2008, kehren die X-Akten nach einigen Querelen wirklich und wahrhaftig noch einmal zurück auf die große Leinwand, befreit aus dem staubigen Schrank in irgendeinem Keller. Zurück geholt ans Tageslicht, um sich den Fans zu präsentieren. Ob sich das Warten gelohnt hat? Versuchen wir, ein wenig Licht in das bisher gut gehütete Geheimnis zu bringen, denn wie so häufig liegt die Wahrheit zunächst einmal wieder irgendwo da draußen.


Tiefster Winter. In Virgina verschwindet die FBI-Agentin Monica Bannan (Xantha Radley) spurlos. Ist sie Opfer eines Verbrechens geworden und möglicherweise schon gar nicht mehr am Leben? Die auf den Fall angesetzte Agentin Dakota Whitney (Amanda Peet) weiß weder ein noch aus. Erst als plötzlich ein als pädophil vorbestrafter Priester namens Joseph Crissman (Billy Conolly) auftaucht, gerät der Fall ins Rollen. Der seltsame Mann führt die Ermittler nämlich in das winterliche US-Niemandsland und somit auf eine heiße Spur, die im Eis, tief unter dem Schnee verborgen, fein säuberlich abgetrennte menschliche Körperteile zutage fördert. Welches scheußliche Verbrechen hat hier bloß stattgefunden? Neben dieser Frage erweist sich noch etwas anderes als bisher nicht erklärbar: warum suchten den Priester Visionen von der Entführten heim? Klar, dass die Bundesbehörden nicht viel von diesem übernatürlichen Humbug halten und sich in kollektivem Misstrauen üben, allen voran Whitneys Partner Mosley Drummy (Xzibit).


Dieser ist auch nicht sonderlich begeistert vom Entschluss seiner Partnerin, die ehemalige FBI-Agentin Dana Scully (Gillian Anderson), welche zuvor in der nun stillgelegten FBI-Abteilung der sogenannten X-Akten gearbeitet hat (Fälle mit scheinbar paranormalen Hintergrund) und nun ihrem Job als Ärztin in einem katholischen Krankenhaus frönt, zu kontaktieren, um so an ihren Partner Fox Mulder (David Duchovny) heranzukommen. Sechs Jahre sind nach den Geschehnissen in der Serie bisher vergangen, in denen Mulder unrühmlich aus dem FBI ausschied und seitdem untergetaucht ist. Doch das Federal Bureau of Investigation bietet ihm einen Deal an: alle Vorwürfe gegen ihn sollen fallengelassen werden, wenn Mulder sich dazu entschließt, den Ermittlern mit seinem Wissen über paranormale Phänomene zur Seite zu stehen. Zunächst nur ungern, dann jedoch wieder mit vollster Überzeugung, willigt Mulder ein. Haben Pater Crissmans Visionen gar wirklich einen paranormalen Hintergrund? Der Ex-Agent versucht, eine Verbindung zu dem seltsamen Mann aufzubauen, während Scully noch nicht so recht warm werden will mit der Vorstellung, wieder im Dienste des Übernatürlichen tätig zu werden. Doch als eine weitere Frau entführt wird, nimmt alles eine dramatische Wendung...


Viele hatten gehofft, gebangt, und wie nicht anders zu erwarten, schöpft Serienerfinder Carter hinsichtlich der Präsentation wieder einmal komplett aus den Vollen und lässt seinen Stammkameramann Bill Roe die schon in der Inhaltsangabe angedeutete Atmosphäre in düster komponierte, unheilschwangere Bilder verpacken, die Fans der Serie sofort wieder in das altbekannte X-Gefühl versetzen. Untermalt wird das dunkle von permanentem Schneetreiben durchzogene Geschehen von einem gewohnt guten Soundtrack aus der Feder von Hauskomponist Mark Snow, ohne den es beispielsweise die berühmte Titelmelodie nicht in der jetzigen Form geben würde. Stimmig bis zum letzten Ton, so dass auch hier kein Grund zur Beanstandung besteht. Wenn Scully hinter Mulder durch die von ihr mittlerweile gehasste, alles verschluckende Dunkelheit pirscht und dabei nur einige verschwommene Moll-Klänge aus den Boxen ertönen, ist wohlige Gänsehaut garantiert.


Zu schade, dass dies gerade auf das Wichtigste – die Geschichte – nicht in vollem Maße zutrifft. Zwar ist sie durchweg durchdacht und seitens Carter mit viel Feingefühl inszeniert worden, doch beschleicht einen während der 105 Minuten Laufzeit zwangsläufig der Verdacht, dass all das, was zumindest etwas mysteriös erscheinen könnte, schon längst erzählt und verbraucht wurde. Nicht anders ist es zu erklären, dass im zweiten Kinofilm für „Akte X“-Verhältnisse reichlich unmysteriös und konventionell versucht wird, Spannung zu erzeugen. Einzig in dem von Visionen geplagten Pater Crissman, der hier gewissermaßen im Alleingang die Mystery-Fahne schwenken muss, blitzt ein Funke dessen auf, was die unheimlichen Fälle des FBI im Grunde salonfähig gemacht hat. Sicherlich ist dies nicht schlimm, weil vor allem in der zweiten Hälfte die Atmosphäre derart plastisch erscheint, dass man meinen könnte, sie mit bloßer Hand zu greifen. Doch denkt man an den im direkten Vergleich viel epischer anmutenden Vorgänger zurück, der mit seinen Verschwörungstheorien nicht nur eingefleischte Fans verwirrte, so lässt sich traurigerweise nichts anderes ein Rückschritt in Sachen Storydichte konstatieren.


Überhaupt ist Mulder und Scullys Wiederkehr auf die hiesigen Leinwände eigentlich weniger ein packender Mystery-Thriller denn vielmehr eine überraschend tiefgründige Abhandlung über die Kraft des Glaubens und eine Charaktervertiefung, der sich einige düstere Einstellungen anheften. Leider wird dieser Umstand deutschen Kinogängern vor dem Betreten des Kinosaals vollkommen verborgen bleiben, wurde doch aus dem Originaluntertitel I want to believe in der Übersetzung ein wenig aussagekräftiges und darüber hinaus absolut unpassendes Jenseits der Wahrheit. Jenseits der Wahrheit bewegt sich hier nämlich niemand. Vielmehr ist es wieder einmal sie, der Gillian Anderson und David Duchovny (mit neuer Synchronstimme) gewohnt souverän in ihren Paraderollen nachhasten. Nur diesmal halt konventioneller und weitaus vorhersehbarer, denn bereits nach wenigen Minuten dürfte selbst ungeübten Zuschauern klar sein, wie das (nichtvorhandene) Alien läuft. Ob hier der Wunsch, neue Fans für die Serie zu begeistern, Vater des Gedankens und des daraus entstandenen Endproduktes war? Jedenfalls verlässt der Film mehr als einmal vertraute Pfade, nur um anschließend – ohne Bienen! – vor allem den Shippern das zu geben, was sie wollten. Alle anderen freuen sich daneben auf das Wiedersehen mit einem weiteren alten Vertrauten gegen Ende, wenngleich das „Familientreffen“ ruhig etwas weniger spärlich hätte ausfallen können.


So ist „AKTE X: JENSEITS DER WAHRHEIT“ am Ende des Tages nicht mehr und nicht weniger als ein spannendes, wenn auch nach all den Jahren des Wartens nicht vollends überzeugendes Wiedersehen mit einigen alten Bekannten, die diesmal leider vergessen zu haben scheinen, die sonst so beliebten Leckereien respektive Zutaten als Präsent mitzubringen. Zwangsläufig fragt sich der X-Phile, ob sie wohl jemals wieder zurückkehren. Glaubt man – und da ist man wieder beim Untertitel des Originals – der wirklich letzten Einstellung nach dem optisch raffinierten Abspann, so ist die Dunkelheit letztendlich dem Licht gewichen. Ein versöhnliches Ende gar? Zweifellos ein seltsam anmutender Moment in einem Universum wie dem der X-Akten, der durchaus als lediglich netter Gag zum Schluss funktionieren würde, wäre da nicht dieses seltsame Gefühl von Ernsthaftigkeit, das die Szene befremdlicher erscheinen lässt als es beispielsweise ein übergroßer Plattwurmmann im Untergrund jemals sein könnte. Aber wahrscheinlich muss auch diese Frage, diese Unklarheit erst zentimeterdick Staub ansetzen, bevor sie schließlich einmal wieder aus der hintersten Ecke in einem kalten, alten Aktenschrank hervorgekramt wird.



Eine Rezension von Stefan Rackow
(24. Juli 2008)
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Daten zum Film
Akte X: Jenseits der Wahrheit USA 2008
(The X-Files: I Want to Believe)
Regie Chris Carter Drehbuch Frank Spotnitz & Chris Carter
Produktion Chris Carter, Frank Spotnitz Kamera Bill Roe
Darsteller Gillian Anderson, David Duchovny, Billy Connolly, Amanda Peet, Mitch Pileggi, Xzibit, Carrie Ruscheinsky, Callum Keith Rennie, Adam Godley, Nicki Aycox
Länge 104 Minuten FSK ab 16 Jahren
http://microsites2.foxinternational.com/de/x_files/
Filmmusik Mark Snow
Wichtiger Hinweis für alle Fans, mit der Bitte um Beachtung Bei diesem Film lohnt sich das Abwarten des Abspannes, da noch etwas nachkommt
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