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Durst

Durst

Ein Film von Chan-wook Park

Seinen Bekanntheitsgrad unter Filminteressenten aus aller Herren Länder verdankt Chan-wook Park wohl zuallererst seiner inoffiziellen Rache-Trilogie. Den Anfang machte “Sympathy for Mr. Vengeance”, darauf folgte der faszinierend-versponnene Gewaltrausch Oldboy, und schließlich der aus femininer Sicht erzählte Lady Vengeance, der als sperriges Essay über die moralische Rechtfertigung von Rache bisweilen allerdings über die eigenen Ansprüche zu stolpern drohte. Das ausgemachte Ziel, Licht ins Dunkel einer gepeinigten Seele zu bringen und der Frage nach Schuld und Sühne auf den Grund zu gehen, verfolgte der Südkoreaner über alle drei Filme hinweg. Mit “Durst” (internationaler Titel: “Thirst”) unternimmt Park nun eine kleine Exkursion zum Vampirfilm. Seine untoten Protagonisten nutzt und versteht er als Spiegelungen seiner bisherigen (sterblichen) Personenrollen. So gefällt das zwischen Schwermut und Poesie hin und her taumelnde Schauerstück als selbstbewusstes und virtuos inszeniertes Genrekino, dem aber die Disziplin und Schärfe von Parks Rachedramen abgeht.

Der katholische Priester Sang-hyeon (Song Kang-ho) ist als Seelsorger auf der Intensivstation eines Krankenhauses tätig, wo er den sterbenden Patienten in deren letzten Stunden Beistand leistet. Er selbst war stets streng gläubig, scheint sein Vertrauen in die himmlischen Mächte aber mehr und mehr
zu verlieren. Aus dem tiefen Willen heraus, Gutes zu tun, nimmt er als Versuchskaninchen an einem medizinischen Experiment teil, welches für ihn tödlich endet. Dann holt ihn die Bluttransfusion eines anonymen Spenders wie durch ein Wunder zurück ins Diesseits. Der Preis dafür ist allerdings hoch: Sang-hyeon wandelt ab sofort als Vampir auf der Erde, der dazu verdammt ist, sich ständig vom Blut seiner Mitmenschen ernähren zu müssen, was sich mit seinem bisherigen Glauben normalerweise nicht vereinbaren ließe. Als der unglücklich hin- und her Gerissene seinem früheren Schulkameraden Kang-woo (Sin Ha-gyoon) über den Weg läuft und sich in dessen unterdrückte Ehefrau Tae-joo (Kim Ok-bin) verliebt, nimmt eine verhängnisvolle Affäre ihren Lauf…

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Der schon so oft totgesagte Vampirfilm erlebt momentan einen phänomenalen Boom. “Schuld” daran sind die Verfilmungen von Stephenie Meyers “Twilight”-Büchern, die am Box Office alle Rekorde brechen, Nervenzusammenbrüche bei Millionen von kreischenden Teenies auslösen und dafür sorgen, dass die lichtempfindlichen Flattermänner wieder der letzte Schrei auf Kinoleinwänden sind. Chan-wook Park, der sein aktuelles Projekt von langer Hand geplant hat und am liebsten schon vor rund zehn Jahren mit den Dreharbeiten begonnen hätte, profitiert nun eher zufällig von dieser Blutsauger-Mania, weil er mit “Durst” schlicht zur richtigen Zeit den richtigen Film ins Rennen schickt.

Mit romantisierender Soap-Opera hat Parks Interpretation des hundertfach adaptierten Stoffs jedoch nichts gemein. Der Regisseur wählt mit dem innerlich ausgebrannten Gottesmann als Ausgangspunkt einen weitaus seriöseren Ansatz, der sich nicht nur auf das Recyclen von Genreklischees beschränkt. An seine monoton heruntergebeteten Katholizismen glaubt Priester Sang-hyeon selbst schon lange nicht mehr, seine individuelle Absolution sucht er in dem risikoreichen Virenexperiment, mit dem unausgesprochenen Wunsch im Hinterkopf, dabei umzukommen. Die zweite Chance, die er durch die Bluttransfusion bekommt, ist auch eine Art Läuterung des Schicksals, weil er von nun an zum ewigen Leben auf Kosten der Leben anderer verdammt ist. In einer der groteskesten Szenen liegt Sang-hyeon auf dem Boden eines Krankenzimmers und saugt das Blut aus dem Infusionsschlauch eines wehrlosen Komapatienten.

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Doch nicht nur das: Sang-hyeon wird außer vom Blutdurst plötzlich von einem “Durst”, einem unstillbaren Verlangen nach unkeuschem Vergnügen getrieben, dem er ebenfalls nicht widerstehen kann. Hier steuert die Handlung auf den obligatorischen Aspekt der sexuellen Anziehungskraft über den vampiristischen Blutinstinkt zu. Diesen betrachtet Park aber eher aus sicherer ironischer Distanz, wie wenn Sang-hyeon und Tae-joo sich beim ekstatischen Liebesspiel gegenseitig zärtlich an den Kehlen knabbern. Die Lovestory der beiden offenbart dem Priester gleichzeitig eine weitere “zweite Chance“: Wenn er schon nicht die Seelen der vom Tode dahingerafften im Hospital retten konnte, so will er wenigstens die Seele Tae-joo`s retten, die schwer unter ihrem Pascha-haften Ehemann zu leiden hat und in Sang-hyeon eine Ausflucht aus ihrem grauenhaften Alltag sieht.

Auch ansonsten schwankt Park in seinem Inszeniergestus munter zwischen Tragik und Komik bzw. Ironisierung der speziellen Tragik des Vampirdaseins hin und her, etwa wenn er die naive Liaison der beiden poetisch überhöht, so wie in der Szene, in der die Vampire des nachts über die Hausdächer schweben, jegliche Folgen ihrer mörderischen Beziehung ignorierend. Wenn die versenkte Leiche des ungeliebten Gatten als personifiziertes schlechtes Gewissen im blendend weiß gestrichenen Heim der Liebenden erscheint (Weiß als “Farbe“ der Unschuld), erinnert “Durst” dann auch an den surrealistischen Touch seiner Rache-Trilogie.

Chan-wook Park beleuchtet den Vampirfilm zwar aus einer sehr individuellen Perspektive, legt ihn aber nicht neu aus, wie man es von einem Regisseur seines Schlages vielleicht erwartet hätte. Die Rückgriffe auf bereits bekannte Genrefragmentstücke wie der Quaddelbildung auf der Haut bei dringender Benötigung von Blut (siehe Planet Terror) sind nicht zu übersehen, und der irreversible Pfad der Liebenden in den Abgrund verläuft ohne große Überraschungen. Auch gelingt es Park diesmal nicht, sich selbst nennenswert weiterzuentwickeln. Eher kreist „Durst“ etwas unentschlossen um seine bisherigen Themenbereiche und Fetische, ohne ihnen neue Facetten abzugewinnen. Ab dem Schlaganfall der Mutter verliert sich der Film dann kurzerhand in unglaubwürdigem Hokuspokus, bis er sich zum superb-poetischen Finale hin wieder fängt.

Fazit: Kinoästhet Chan-wook Park meldet sich mit der düsteren Vampirballade „Durst“ in einem neuen Genre zurück. Unbekümmert lässt der Südkoreaner den theologischen Ansatz in einen Komplex aus Horror, Ekel, Sex, Comedy und Romantik münden, der visuell wie inhaltlich einiges aufbietet. An die Klasse seiner Rache-Trilogie kann er mit seinem neuen Film zwar nicht anknüpfen, doch die Messlatte lag eben von vornherein auch ziemlich weit oben.

Eine Rezension von Christopher Michels
(28. Januar 2010)
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Daten zum Film
Durst Südkorea 2009
(Bak-Jwi (Alternativtitel: Thirst))
Regie Chan-wook Park Drehbuch Chan-wook Park, Jeong Seo-kyeong
Produktion Focus Features, MFA+ Kamera Jeong Jeong-hoon
Darsteller Song Kang-ho, Kim Ok-bin, Kim Hae-sook, Sin Ha-gyoon
Länge 133 Minuten FSK ab 16
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