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Stadt der Engel

Stadt der Engel

Ein Film von Brad Silberling

„Some things are true, whether you believe in them or not.“


So lang es unter den Menschen den Glauben an eine höhere Macht gibt, deren Wirken den Lauf der Welt bestimmt, so lang existiert auch der Glaube an jene Geschöpfe, die zwischen dieser und unserer Wirklichkeit stehen; an eine Verbindung beider durch ein physisch nicht greifbares Band; an Wesen, welche die Seelen der Menschen berühren, sie behüten, ihnen Ruhe und inneren Frieden bringen, wo sie von Nöten sind.
Als Bindeglied zwischen der weltlichen und der himmlischen Sphäre sind sie als Boten unterwegs, die zwar gelegentlich vermittelnd eingreifen, jedoch keineswegs die Geschicke der Menschen lenken, sondern vielmehr über diese wachen und sie auf ihrem Weg durch das Leben und darüber hinaus begleiten. Unbemerkt von ihren Schützlingen besteht dabei ein gegenseitiger Austausch, denn Vieles, was im irdischen Leben so selbstverständlich ist, ist ihnen fremd. Nicht umsonst halten sie sich oft in Bibliotheken auf. Sie wollen lernen, verstehen, begreifen. Seth ist einer von ihnen. Einer der besonders wissbegierigen Art. Wann immer er Jemanden aus dem diesseitigen Leben heraus begleitet, versucht er zu ergründen, was es heißt zu leben. „What did you like best?“ fragt er stets, und die Antworten sind ebenso vielfältig wie das Antlitz der Menschheit selbst.

Wie empfinden zwei Menschen eine zufällige Berührung? Wie fühlen sich Flanell-Schlafanzüge mit Füßen an? W
ie ist es, gesehen zu werden? So vieles, das Seth gern erfahren, selbst erleben möchte. Fragen, die umso drängender werden als er auf Maggie trifft. Er wurde geschickt, um eben jenen Patienten ins Jenseits begleiten, dessen Leben die junge Herzchirurgin in ihrem O.P. zu retten versucht. Ihr verzweifelter Kampf und vor allem die tiefe Trauer, die sie nach ihrer Niederlage erfasst, berühren Seth zutiefst. Er begleitet sie stetig, will ihr ihren Mut und den Glauben an sich selbst wiedergeben, beschließt sogar sich für sie sichtbar zu machen, um ihr näher sein zu können – und verliebt sich Hals über Kopf. Doch während ihm als übersinnlichen Wesen noch immer ihm jegliche physische Empfindungen verwehrt bleiben, ist Maggie trotz ihrer kurzzeitigen persönlichen Krise weiterhin fest verankert in rationalem Denken und gelenkt von dem Wunsch nach gegenseitig erwiderter körperlicher Nähe. Zwei Welten, die vermeintlich begannen sich anzunähern, scheinen doch unüberbrückbar weit voneinander entfernt...

„I am a messenger of God.”
„Got a message for me?”
„I already gave it to you.”
„Well, did you use my pager? Cause I usually don’t get my messages unless you beep me.”
„You’ve definitely been beeped.”


Als Neufassung von Wim Wenders’ "Der Himmel über Berlin" greift "STADT DER ENGEL" die Geschichte eines Engels, der von dem Wunsch am weltlichen Leben teilzuhaben und der Liebe zu einer Sterblichen erfüllt ist, auf und versetzt sie in einen neuen Schauplatz. Die Grundidee des 1987 entstandenen Films bleibt erhalten und wird zu einem neuen Kapitel in der bereits lange gesponnenen Geschichte über die verbindende und grenzüberschreitende Macht der Liebe umgeschrieben. Regisseur Brad Silberling ("Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse", "Casper") setzt dabei Nicolas Cage ("8mm", "Im Körper des Feindes - Face/Off") als lebensdurstigen, grüblerischen Engel und Meg Ryan ("Schlaflos in Seattle", "Mut zur Wahrheit") als eher nüchtern denkende Ärztin in eine geradezu verträumte Bildlandschaft, die den Zuschauer auf sanfte Weise in die Geschichte entführt. Ruhig, gelassen und besinnlich, aber keineswegs langatmig fließt die Erzählung dahin, während der gezielte Einsatz von Zeitlupenstudien visuell widerspiegelt, was uns die Schilderung der Ereignisse mitteilen möchte: was zählt ist der Moment. Nicht das Wo? und Wann? ist dabei wichtig, sondern nur das Wie?. Ein einzelner Augenblick richtig ausgekostet kann wertvoller sein als ein halbes Leben nur schemenhaft wahrgenommen. So sind es die kleinen Dinge, welche unverhofft die größten Freuden bringen können. Und gerade die Liebe ist ein unerschöpflicher Quell solchen Glücks. Denn in der Gegenwart dieses einen besonderen Menschen sind Zeit und Raum nebensächlich und jeder Moment ist ein erfüllter.

„Let’s go somewhere.”
„Where?”
„I don’t care.”
„What do you wanna do?”
„Anything.”


Diese Vermittlung einer lebensbejahenden Grundhaltung ist eines der Hauptanliegen der Geschichte. Einfühlsam und mitreißend entfaltet sich vor den Augen des Zuschauers eine Ode an das Leben selbst und an die Vielfalt seiner Ausprägung um uns herum. Gerade den vielen kleinen Details unseres alltäglichen Daseins wird liebevoll jene Aufmerksamkeit geschenkt, die ihnen eigentlich gebührt, aber allzu oft verwehrt wird, da wir so Vieles inzwischen als selbstverständlich betrachten. Erst durch die Augen eines Außenstehenden, durch das Miterleben der Neugier eines Engels nehmen wir selbst wahr, wie faszinierend die Welt direkt um uns herum ist, und können uns so zurückbesinnen auf das Wesentliche, das uns und unser gegenseitiges Miteinander ausmacht. Seth funktioniert für uns damit fast als Führer durch eine Welt, die ihm selbst eigentlich fremd ist. Einmal mehr kann Nicolas Cage hierbei sein Talent als Charakterdarsteller unter Beweis stellen, schafft er es doch seine Figur so zu formen, dass der Zuschauer von Beginn an von seiner fast kindlichen Neugier angesteckt wird und sich selbst auf Entdeckungsreise durch das Leben begeben möchte.

Fast gegensätzlich zu diesem verträumt unbeschwerten Charakterzug verbreitet Seth mit seiner ruhigen, besänftigenden Art eben jene Botschaft, die Seinesgleichen unter die Menschen bringen sollen. Jeder von uns sehnt sich nach einem Gefühl von Sicherheit, und indem wir Seth und den Rest der himmlischen Schar dabei beobachten, wie sie über die Menschheit wachen, werden wir dazu ermutigt Vertrauen zu haben, dass auch uns ein solcher Schutz zuteil wird. Dabei wird keineswegs eine theologische Aussage getroffen. Denn der bereits angesprochene Blick, den wir viel öfter auf unser direktes Umfeld lenken sollten, offenbart schnell: sie sind unter uns. Zwar nicht gerade mit übernatürlicher Macht ausgestattet, dafür aber umso wirklicher. Selbst aus weiter Ferne sorgen sie sich um uns, vermitteln ein Gefühl von Geborgenheit und erfüllen jeden einzelnen Moment mit Freude und Glück. Wer sich dieser Wahrheit noch nicht selbst bewusst geworden ist, wird vielleicht durch "STADT DER ENGEL" dazu angeleitet in Zukunft genauer hinzuschauen, sich der kleinen Dinge des Lebens zu erfreuen und schließlich unter seinen Mitmenschen Jemanden zu finden, der sich als irdische Verkörperung einer himmlischen Botschaft entpuppt. Und für einige Glückliche unter uns ist das Vertrauen hierauf bereits zur Gewissheit geworden, als ein wahrhaftiger Engel auf Erden in ihr Leben getreten ist.

Eine Rezension von Nicole Goldstein
(30. September 2008)
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Daten zum Film
Stadt der Engel USA / Deutschland 1998
(City of Angels)
Regie Brad Silberling Drehbuch Dana Stevens
Produktion Charles Rowen, Dawn Steel, Charles Newirth, Robert Cavallo u.a. (Warner Bros. Pictures, Regency Enterprises) Kamera John Seale
Darsteller Nicolas Cage, Meg Ryan, Andre Braugher, Dennis Franz, Colm Feore, Robin Bartlett, Joanna Merlin
Länge ca. 114 Min. FSK 12
http://www.city-of-angels.com/
Filmmusik Gabriel Yared
basierend auf Wim Wenders' "Der Himmel über Berlin" [1987]
Kommentare zu dieser Kritik
Stefan R. TEAM sagte am 06.10.2008 um 19:35 Uhr

Eine wunderschöne Rezension zu einem sehr schönen, aber gleichzeitig auch sehr traurigen Film. Dies war und wird immer für mich DER Film bleiben, der mich am Ende mit einer seltsamen Mischung aus "Hach ja, wie schön" und einem leichten Anflug von Traurigkeit zurücklässt. Damals wie heute. Doch mehr als damals noch nimmt nun eine Erkenntnis Formen an, die man vielleicht als jüngere Person noch gar nicht so richtig zu fassen in der Lage ist. Die Wahrheit nämlich, die in dem Film und damit auch in den über ihn geschriebenen Zeilen steckt, wird einen Jeden - sofern man sie für sich selbst entdeckt und (was am wichtigsten ist!) sich auf sie einlässt - ein Leben lang nicht mehr loslassen. Manchmal kann die blanke Wahrheit sooooo schön sein :)

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