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Cocaine Cowboys

Cocaine Cowboys

Ein Film von Billy Corben

Miami, Stadt der Sonne, Stadt des Glamours – Stadt des Kokains. Bis in die 50er Jahre war Miami ein Urlaubsort für Rentner, kaum Clubs, kaum Glanz, kaum Miami eben. Dies endete mit dem Aufstieg der Stadt, der Miami dazu machte, was es heute ist. Doch dieser Aufstieg geschah nicht etwa durch ein Wirtschaftswunder, oder durch staatliche Investitionen oder Subventionen, sondern vor allem durch eines: Drogen, und dabei besonders Kokain. Den Aufstieg und Fall von Drogenbossen, Dealer und weiteren Gangster, die so eng verknüpft sind mit der Stadt Miami, erzählt der vorliegende Dokumentarfilm „Cocaine Cowboys“.

Die Cocaine Cowboys waren eine Gruppe von Kriminellen, die mit Hilfe des Kokains zu Reichtum kamen und gleichzeitig die Stadt in eine Art gesetzlosen und anarchischen Ort wie das historische Dodge City im Wilden Western verkommen ließen. Als Interviewpartner dienen hier für Regisseur Billy Corben vor allem der ehemalige Drogendealer Jon Roberts und sein Geschäftspartner und Pilot Mickey Munday. Untermalt von Nachrichtenbildern und anderen Einschüben erzählen die beiden, wie sie mit Marihuana-Schmuggel begannen, um schließlich zu Kokain überzugehen. Mit ausgefeiltesten Methoden scheffelten sie enorme Mengen an Geld, bis Jon schließlich Geld säckeweise im Garten vergraben musste, da er einfach keinen Stauraum mehr hatte. Die erste Hälfte der Dokumentation fokussiert sich auf diese beide Personen und zeichnet fast schon ein sympathisches Bild der Droge und der Sit
uation damals, und erinnert nicht zuletzt an verwandte Spielfilme wie Blow. Die beiden erzählen nicht nur ihre Geschichte, sie werfen auch gerne mit Anekdoten um sich, als sie beispielsweise mit einem Boot voller Kokain ein Schiff der Küstenwache abschleppten. Hierbei hat der Film auch den größten Unterhaltungswert.

Und dann erlebt der Film einen Bruch.

1979 war der „Spaß“ des Kokain-Business vorbei, als im Dadeland Mall am hellichten Tag zwei Drogendealer erschossen wurde. Dies markierte den Beginn eines Drogenkrieges mit zahlreichen Todesopfern. Der Film wird ungleich düsterer, kein Wunder bei über 600 Mordopfern pro Jahr. Der Fokus entfernt sich nun von Roberts und Munday, hin zu verschiedenen Polizisten, Journalisten und vor allem zu Jorge „Rivi“ Alaya. Rivi wurde in Chicago geboren und ließ sich in Miami dank seiner kolumbianischen Wurzeln mit der kolumbianischen Drogenmafia ein. Dort arbeitete er als Auftragskiller für Griselda Blanco ab, einer Kriminellen, der sich der Nachfolgefilm Cocaine Cowboys 2 – The Godmother widmet. Rivi wurde letztendlich verhaftet und sitzt zweimal lebenslänglich ab, nachdem ihm 29 Morde nachgewiesen werden konnten. Dabei erzählt er freimütig über seine Taten, glorifiziert häufig fröhlich das Gangstertum, mit Geld, Waffen und „Abenteuer“. Interessant wird dann eine Parallelmontage mit einem Anwalt, der quasi die Gedanken des Zuschauers ausspricht, und Rivi als Großmaul, Angeber und zu Übertreibungen neigend bezeichnet – das lässt Rivis Aussagen dann auch in ganz neuem Licht erscheinen.

In dieser zweiten Hälfte wird auch von meiner Seite die Kritik größer: Bei den vielen Interviewpartnern, gerade bei den Polizisten, erfährt man leider fast nie, wer diese nun sind, oder was diese konkret mit den Fällen zu tun haben. Man weiß zwar gerade noch, dass dieser ein Polizist ist, dieser ein Gerichtsmediziner, aber das wird alles nur sehr schnell eingeblendet, und nicht weiter erläutert. Auch stellt sich die Frage, ob es unbedingt nötig ist, blutige Fotos von Leichen in diese Dokumentation zu schneiden. Dafür wird am Ende völlig unverhohlen die enorme Wichtigkeit des Kokains für den Aufstieg Miamis betont, doch wie nun die exzessive und ausschweifende Gewalt genau in den Griff bekommen wurde, bleibt relativ im Dunkeln. Von daher wirkt der Film am Ende etwas gehetzt, obwohl es die Laufzeit immerhin auf knapp 120 Minuten bringt, was durchaus stattlich ist. Leider wird auch die Struktur des Drogenhandels und -kartells nicht wirklich übersichtlich dargestellt, gerade weil es Kronzeugen gibt, die vor der Polizei ausgepackt haben, worauf etliche weitere Verhaftungen folgten.

Ansonsten ist Cocaine Cowboys aber durchaus spannend, unterhaltsam und sehenswert. Zwar nicht ohne Mäkel, auch lässt es sich Regisseur Corben nicht nehmen, Erzählungen mit ähnlichen Szenen aus Nachrichten oder Spielfilmen zu unterlegen, aber die Doku ist eine Empfehlung wert.
Ebenso die DVD aus dem Hause Ascot Elite, die mit gutem Bild und Ton aufwarten kann, sowie im Bonusbereich unter anderem längere Interviews mit Rivi, Munday und Roberts bietet. Vielen Dank für ein Rezensionsexemplar!

Eine Rezension von David Kugler
(13. März 2009)
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Daten zum Film
Cocaine Cowboys USA 2006
(Cocaine Cowboys)
Regie Billy Corben Drehbuch
Produktion rakontur Kamera Armando Salas
Darsteller Jon Roberts, Mickey Munday, Jorge „Rivi“ Alaya
Länge FSK 16
Filmmusik Jan Hammer
Kommentare zu dieser Kritik
Tarantino TEAM sagte am 25.11.2009 um 01:09 Uhr

Eine tolle Dokumentation, packend wie ein Thriller. Die Realität ist immer noch ein wenig abgedrehter als jede Fiktion. Absolut sehenswert allein schon deshalb, weil hier die ehemaligen Drahtzieher des Drogenhandels zu Wort kommen. Ebenso interessant ist der Wandel und die Bedeutung des Drogenhandels für die Stadt Miami. Interessante Thematik und absolut empfehlenswerter Film.

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