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Der letzte Tango in Paris

Der letzte Tango in Paris

Ein Film von Bernardo Bertolucci

Kunst und Pornografie. Wo liegt die Trennlinie zwischen diesen beiden Begriffen? Über diese Frage streiten sich Moralisten und auch die Künstler selbst seit Jahzehnten. Echauffierte man sich Anfang der 50er Jahre noch lauthals über den “freizügigen” Auftritt der Hildegard Knef in “Die Sünderin“, sorgte 1972 Bernardo Bertoluccis erotisches Psychogramm “Der letzte Tango in Paris” für einen handfesten Skandal. Es ist kein Zufall, dass es sich in beiden Fällen nicht um amerikanische Filmprodukte handelt, da die US- Bürger ja gemeinhin für ihre prüde Schamhaftigkeit bekannt sind. Doch um die Verhältnisse für den “letzten Tango” gleich klarzustellen: Abgesehen davon, dass man heutzutage sowieso reichlich derbere Sachen gewohnt ist, kann man Bertolucci nicht ernsthaft unterstellen, er habe eine Schablone für pornographische Szenen schaffen wollen. Sein Film ist ein erschütternder, schmerzlicher Seelenstriptease, dessen bedrückend- hypnotische Stimmung einen tiefen Blick in die Abgründe der menschlichen Psyche gewährt.

Soeben hat der Amerikaner Paul (Marlon Brando) seine Frau durch Selbstmord verloren. Niedergeschlagen und am Ende seiner Kräfte durchstreift er Paris. Eher durch Zufall trifft er in einer einsamen Dachwohnung die junge Französin Jeanne (Maria Schneider). Die beiden geben einem plötzlichen Verlangen nach und fallen in wilder Ekstase übereinander her. Die Bekanntschaft von Paul und Jeanne entwickelt sich zu einer sexuellen Bindung, die es ihnen erlaubt, i
hre tiefsten Fantasien auszuleben. Die einzige Bedingung: Keine Namen und keine Gefühle. Als sie beginnen, doch etwas füreinander zu empfinden, bahnt sich eine Katastrophe an…

Sieht man sich heute “Der letzte Tango in Paris” an, kann man kaum noch nachvollziehen, warum dem Werk seinerzeit mit einer solchen Empörung gegenüber getreten wurde. Es ist nicht die von einigen Verbänden betonte Freizügigkeit einzelner Szenen, die den Betracher heute noch vor den Kopf stößt. Es ist vielmehr die dargestellte Drastik der seelischen Verzweiflung, welche von den Hauptfiguren ausgeht, die den Zuschauer im besonderen Maße mitnimmt. So ist beispielsweise die häufig erwähnte “Butter- Szene” keinesfalls ein selbstzweckhafter, skandalöser Akt. Bertolucci treibt hier die innere Zerrissenheit Pauls lediglich dramaturgisch auf die Spitze. Genauso verhält es sich mit der teilweise sehr vulgären Sprache, die noch einmal unterstützend für die Veranschaulichung des psychischen Konflikts der beiden wirkt.

Zunächst dreht sich der ganze Film um die Frage nach der Ursache. Was ist Pauls Frau eigentlich genau zugestoßen? Warum hat sie Selbstmord begangen? Wo man als Zuschauer auf der Suche nach Erklärungen erst einmal ein wenig im Trüben fischt, legt Bertolucci später die Gründe offen, wenn auch nur in Andeutungen. Parallel dazu sehen wir die Entwicklung der erotischen Beziehung Jeannes und Pauls, die eine ganz spezielle Beziehung ist, denn Paul macht zur Vorschrift, dass keine Informationen untereinander ausgetauscht werden dürfen, um die Anonymität des Ganzen zu wahren. Mit fortschreitender Laufdauer entblättert sich- auch mithilfe von wichtigen Nebenfiguren- langsam ein Bild der Unzufriedenheit und Verzweiflung. Pauls Leben ist ein Scheiterhaufen, Gefühle gibt es für ihn nicht mehr. Eigentlich ist er innerlich abgestorben, der Sex mit Jeanne erscheint als letzter Versuch, Abstand von seinem Seelenschmerz zu gewinnen, sich über ihn gewaltsam hinwegzusetzen- es ist ein “reinigender” Akt, mit dem er aber zwangsläufig nicht glücklich werden kann, schon gar nicht dann, als doch Gefühle ins Spiel kommen.

Mit Jeanne verhält es sich ähnlich, wenn sie auch nicht Pauls Schicksal teilt. Die junge Frau fühlt sich ausgetrocknet, sehnt sich vergeblich nach einem Abenteuer. Die Beziehung der beiden ist ein ständiges, wechselhaftes Bad der Emotionen. Paul sagt sinngemäß, dass alles, was “da draußen” läuft (damit meint er außerhalb der Dachwohnung), nicht von Bedeutung ist, dass nur das zählt, was “hier drin” passiert. Paul will nicht, dass Jeanne ihm Geschichten von früher erzählt, er blockt jeden Versuch ihrerseits ab, sich ihm gefühlsmäßig zu nähern. Jeanne macht das traurig. In der kargen Wohnung, wo sie permanent ihren sexuellen Trieben freien Lauf lassen, konzentriert sich der ganze Schmerz der beiden, vor dem keiner von ihnen davonlaufen kann. Da sie gegenseitig nichts voneinander wissen, gibt es zwischen ihnen nur den Sex als einzige Möglichkeit der Intimität. Mit dem Einbruch der beiden in das Privatleben des jeweils anderen wird dieses Gleichgewicht auf gefährliche Weise gestört.

Der 2004 verstorbene Marlon Brando leistet vor dem Hintergrund dieser unglückseligen “Amour fou” einen schauspielerischen Kraftakt. Dass Brando für schwierige Charakterrollen geboren ist, wissen wir ja nicht nur durch seine legendäre Darstellung des Gangsterbosses Vito Corleone in Francis Ford Coppolas Mafia- Saga “Der Pate” oder seine beeindruckende Leistung in Elia Kazans “Die Faust im Nacken”. Unter der Regie von Bertolucci läuft der Meistermime zu gewohnter Hochform auf. Erst durch ihn wird die präzise Visualisierung der geschundenen Figur des Paul mit dieser Durchschlagskraft möglich. Maria Schneider bildet den perfekten Gegenpart für Brandos Charakter und brilliert als äußerlich attraktive, aber innerlich zerrissene Jeanne.

Der gelegentlich auftauchende Humor und die an einigen Stellen vorherrschende Leichtfüßigkeit der Inszenierung kämen nicht etwa in Verdacht, die energiegeladene Bildsprache und die Dramatik der Geschichte zu entkräften. Eher stehen diese Gegensätze in einem kunstvollen Kontrast zueinander, der dem Stil des italienischen Regisseurs entspricht. Hat man die Vorwürfe der schäumenden moralischen Institutionen bezüglich des angeblich pornografischen Inhalts erst einmal als Unsinn entlarvt, besitzt “Der letzte Tango in Paris” eine besondere Ausstrahlung. Sei es jetzt die unwirtliche Dachwohnung, der Tanzball oder Maria Schneiders Filzhut- diese Bilder brennen sich garantiert ins Gedächtnis ein!

Eine Rezension von Christopher Michels
(26. Januar 2009)
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Daten zum Film
Der letzte Tango in Paris Frankreich/Italien 1972
(Le dernier tango á Paris)
Regie Bernardo Bertolucci Drehbuch
Produktion MGM Pictures
Darsteller Marlon Brando, Maria Schneider
Länge 125 Minuten FSK ab 16
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