Filmkritiken - von Independent bis Hollywood
 
1992 Filmkritiken | 10393 Personen | 3319 Kommentare  
 
Bitte wählen Sie

Email

Passwort


Passwort vergessen

> Neu anmelden


Auch interessant



After Earth
von M. Night Shyamalan




Meist gelesen¹

1. 
Rogue One: A Star Wars Story  

2. 
Hey Bunny  

3. 
Interstellar  

4. 
Manchester by the Sea  

5. 
Hostel  

6. 
Leolo  

7. 
Spider-Man: Homecoming  

8. 
Gesichter des Todes  

9. 
Martyrs  

10. 
Die durch die Hölle gehen  
¹ gilt für den aktuellen Monat

Casinos im Film
  FILMSUCHE
  Sie sind hier: Filmkritiken > Baz Luhrmann > Moulin Rouge!
Moulin Rouge! RSS 1.0


Moulin Rouge!

Moulin Rouge!

Ein Film von Baz Luhrmann

von Asokan Nirmalarajah

Seine Reputation als ebenso maßlos überschätzter wie missverstandener, da eigenwilliger wie unverkennbarer Filmemacher verdankt der Australier Baz Luhrmann vor allem seiner selbst als red curtain trilogy titulierten Reihe audiovisuell berauschender Musicalfilme, die mit Strictly Ballroom (1992) ihren Ursprung down under hatte, mit Romeo + Julia (1996) Leonardo DiCaprio zum romantischen Filmhelden einer Generation erhob, und mit Moulin Rouge (2001) schließlich auch Hollywood im Sturm eroberte. Gemäß ihrer Bezeichnung verstehen sich die drei filmisch hochpotenten wie narrativ problematischen Filme als selbst-reflexive Genre-Spiele, die sich ihrer irrealen, klischeehaften Konstruiertheit und künstlichen Bühnenursprungs ständig bewusst sind. Als naiver, sympathischer Liebesfilm im Anzug einer schrillen, bunten Tanzfilmparodie vermochte Strictly Ballroom durch grelle Optik, virtuosen Tanzszenen und kraftvoller Musik den Kunstfilmmarkt zu begeistern, während die extrem moderne Shakespeare-Interpretation Romeo + Julia als zwischen ergreifender Tragödie und alberner Klamotte pendelnder Liebesthriller es schaffte, eine neue Welle jugendlicher, sehr zugänglicher Hollywood-Adaptionen des Barden in Gang zu setzen. Verstand sich Strictly Ballroom noch als subversiver Tanz
film und enthielt Romeo + Julia traumhafte Musical-Einlagen, die das hohe Tempo des Films zuweilen drosselten, so erscheint Moulin Rouge als Luhrmanns erstes klassisches Tanzmusical, das jedoch formal nicht minder subversiv ist und narrativ nicht weniger klassischen Mustern folgt. Doch mehr noch als die anderen Filme, ist sich Moulin Rouge seiner konstitutiven Elemente mehr als nur bewusst. Jenseits jeglicher Tiefe im eigentlichen Text, findet sich Bedeutung und der intelligente Kommentar über den kreativen Schaffensprozess und die dafür so notwendige Inspiration der Liebe in der scheinbar exzessiven, aber eigentlich subtilen und cleveren Form, die sich vielfach auf Text- und Subtextebene spiegelt und ebenso bezaubert wie herausfordert.

Moulin Rouge!Moulin Rouge!Moulin Rouge!

Moulin Rouge spielt in einem retroaktiv kreierten, und drum phantastischen Paris um die Jahrhundertwende, in das sich der mittellose, vom wohlhabenden Vater verschmähte Poet Christian (Ewan McGregor) verirrt und in die Gesellschaft einer Artistengruppe gerät, die ihn als Autoren für ein neues Stückes engagiert, das sie in dem dubiosen, als Tanzschuppen sich vermarktendem Bordell Moulin Rouge aufführen will. Um das Einverständnis des Bordellleiters Zidler (Jim Broadbent) zu bekommen, wird Christian vorgeschickt, um sich der Unterstützung von Zidlers kostbarsten Kurtisane Satine (Nicole Kidman) sicher zu werden, indem er sie mit seiner Lyrik überzeugt. Doch diese hält ihn für den wohlhabenden Duke (Richard Roxburgh), und nach kurzem Verwechslungsspiel, und mit Hilfe von Toulouse-Lautrec (John Leguizamo), dem Anführer der Artistengruppe, schaffen es die Künstler, dass der von Satine besessene Duke für die Kosten des Stücks – eine indische Liebesgeschichte, in der sich die reale Dreiecksgeschichte zwischen Christian, Satine und Duke spiegelt – aufkommt und dafür Satine erhält. Diese aber sucht trotz lebensgefährlicher Krankheit und der rasenden Eifersucht des Duke nach der Nähe ihres nicht minder verzweifelten, eifersüchtigen Poeten Christian...


Bei der ersten Sichtung des Films ist nicht zu leugnen, wie unbedacht man hier konventionelle Filmelemente wie Erzählfluss, Charakterzeichnung und Spannungsaufbau zugunsten einer arg kompromisslosen Stilwut ignoriert. Die Charaktere wirken hier wie stets perfekt geschminkte und schablonenhafte Kunstfiguren, die nur als Kleiderständer für prachtvolle Kostüme und als kleine Figuren vor überwältigenden Dekors auftauchen. Die kaum nachvollziehbare Montage und die konfusen Kamerabewegungen in der atemlosen Inszenierung des Films tragen ebenso dazu bei, dass der Zuschauer hier zunächst irritiert auf Distanz zu diesem Bilderinferno geht. Doch der Wahnsinn hat auf dem zweiten Blick durchaus Methode: die Dreiecksgeschichte zwischen Christian, Satine und dem Duke ist zwar eine dünne, abgegriffene Tragödie, die zum Schluss hin ins maßlose Melodrama abdriftet, aber das ist auch durchaus so beabsichtigt. Da der Film durch die Fanfare eines Dirigenten beginnt und mit dem Aufziehen und Zuziehen eines gigantischen Vorhangs eingerahmt wird, wird schon darauf verwiesen, dass es sich hier um fiktive Figuren handelt, die von Schauspielern auf einer Bühne dargestellt werden. Zudem ist Moulin Rouge angereichert mit cleveren surrealen Momente, die uns immer wieder aufzeigen, dass wir hier einer phantastischen, traumhaften Fiktion erliegen, und diese Figuren zwangsläufig keine realen Menschen, sondern Spiegelbilder großer Kino-Emotionen sind.

Moulin Rouge!Moulin Rouge!Moulin Rouge!
In der Tat macht hier der Stil die Substanz des Filmes aus, statt dass der Stil die vermeintliche Substanz überlagert oder entfremdet wie so oft in großen Hollywood-Produktionen. Denn als ein Kunstwerk, das sich regelmäßig in sich selbst spiegelt (es finden sich unzählige Verweise zu der zentralen Liebestragödie in dem von Christian verfassten Stück, und in Musik- sowie Dialogpassagen), emuliert Moulin Rouge das Kino zu seiner ausdrucksstärksten Zeit, die Ära des Stummfilms, indem es durch seine visuell berauschenden Bilder erzählt, und sucht die Anbindung zur heutigen Zeit durch unheimlich vertraute, hier entfremdete Töne: Pophits werden hier zu klassischer Filmmusicalmusik verdichtet, die in ihrer Virtuosität ihresgleichen sucht. Das ebenso hochmelodramatische wie klamaukhafte, und damit unstimmige, aber stets dynamische Spiel der durchweg famosen Besetzung trägt dann nur noch mehr dazu bei, dass man sich hier in einem irrealen Kinotraum verlieren darf, der sich der filmischen Prozesse zur Erzeugung seiner phantastischen Welten auch bewusst ist und mit diesem Wissen spielt.

Eine Rezension von Asokan Nirmalarajah
(10. März 2007)
Moulin Rouge! bei Amazon.de kaufen    Moulin Rouge! bei ebay.de ersteigern


Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

Daten zum Film
Moulin Rouge! Australien 2001
Regie Baz Luhrmann Drehbuch Baz Luhrmann, Craig Pearce
Produktion Bazmark Films
Darsteller Nicole Kidman, Ewan McGregor, John Leguizamo, Jim Broadbent, Richard Roxburgh, Kylie Minogue
Länge 127 FSK 12
http://www.clubmoulinrouge.com/
Kommentare zu dieser Kritik
Stefan R. TEAM sagte am 12.03.2007 um 19:15 Uhr

Ein Fest für Augen und Ohren, das einfach begeistert. Mich hat vor allem das Gesangstalent der Stars beeindruckt!
Renee TEAM sagte am 12.03.2007 um 22:42 Uhr

Ich fand die Bildgewalt gerade zu Beginn des Films eher erschlagend. Man hat kaum Zeit sich in den Film reinzufinden, bevor man bereits mit einer Flut von sehr eigenwilligen Einstellungen und Kamerafahrten bombadiert wird. Wäre nicht die tolle Musik, die viele Klassiker auf spritzige Art wiederbelebt, hätte ich wahrscheinlich frühzeitig aufgegeben.
Asokan TEAM sagte am 12.03.2007 um 23:11 Uhr

Renee, genauso erging es mir bei der ersten Sichtung des Films im Kino auch. Aber das Problem legte sich bei weiteren DVD-Sichtungen, inbesondere begünstigt durch den kleineren, übersichtlicheren Rahmen eines Fernsehers. Bei dem Film lohnt es sich, noch einmal etwas genauer hinzuschauen.
Renee TEAM sagte am 12.03.2007 um 23:23 Uhr

Ich habe mich in der Tat noch ein zweites Mal an den Film rangetraut, aber es wurde nicht wirklich besser. Baz Luhrmanns eigenwilliger Stil hat mir schon bei "Romeo und Julia" zu schaffen gemacht, aber "Moulin Rouge!" ist da nochmal eine ganze Ecke schärfer. Ist wohl eher etwas für Liebhaber.
Asokan TEAM sagte am 12.03.2007 um 23:26 Uhr

Ja, man könnte meinen Baz Luhrmann ist das künstlerisch wagemutigere, sensiblere "pondon" zum brachialen Actionregisseur Michael Bay, der sich ebenso stark in wilden Kamerabewegungen und schmerzhaften schnellen Schnittabfolgen verliert.

Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

 

Impressum 




 
 
www.jeichi.com | CD-Kritiken | www.filmempfehlung.com
Horrorfilm News | Der Webvideo Markt | Kino Trailer
 
Sedo - Domains kaufen und verkaufen etracker® Web-Controlling statt Logfile-Analyse