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Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben

Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben

Ein Film von Apichatpong Weerasethakul

Die diesjährigen, gerade zu Ende gegangenen Filmfestspiele in Cannes machten neben dem obligatorischen Starauflauf und dem Wirbel um Deutung und Be-deutung von Terence Malicks epochalem Mammutwerk und in letzter Konsequenz strahlendem Sieger “The Tree of Life” vor allem durch die Nazi-Entgleisungen des dänischen Kino-Provokateurs Lars von Trier von sich Reden. Einen solchen Zankapfel gab es im vergangenen Jahr an der Croisette nicht, dafür außergewöhnliche Filmkunst mit Exoten-Bonus in einem fast ausschließlich von europäischem und amerikanischem Autorenkino dominierten Wettbewerb: “Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives”, ein thailändisches Geisterbeschwörungs- und Seelenwanderungs-Drama von Regisseur Apichatpong Weerasethakul - der nicht nur westlichen Journalisten aufgrund seines kaum unfallfrei auszusprechenden Namens den Spitznamen “Joe” ans Herz legt - gewann 2010 unter dem fast einhellig positiven Echo der Jury die so prestigeträchtige Goldene Palme.

In einer dem Regenwald angrenzenden Region im nordöstlichen Thailand beschließt der an einem schweren Nierenleiden erkrankte Uncle Boonmee (Thanapat Saisaymar) in Gewissheit seines nahenden Todes, seine letzten Stunden im Kreise der engsten Verwandten auf seiner paradiesisch anmutenden Farm zu verbringen. Zu seiner Schwägerin Jen (Jenjira Pongpas) und seinem Neffen Tong (Sakda Kaewbuadee) gesellen sich eines Abends auf der Veranda von Boonmees Haus zwei ganz und gar unerwartete Gäste aus dem Jenseits: S
eine vor 19 Jahren verstorbene Frau Huay (Natthakarn Aphaiwonk) und sein einstweilen spurlos verschwundener Sohn Boonsong (Geerasak Kulhong), der inzwischen die Gestalt eines haarigen Waldgeistes angenommen hat. Gemeinsam unternimmt die nun wieder vereinte Familie einen Ausflug zu einer im tiefsten Dschungel gelegenen Höhle - Boonmees erste Geburtsstätte…

Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren LebenUncle Boonmee erinnert sich an seine früheren LebenUncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben
Seine Begeisterung für darstellende Kunst führte den gelernten Architekten Apichatpong Weerasethakul zum Medium Film. 2009 wurde im Münchner Haus der Kunst der erste Teil seines “Primitive Projects” uraufgeführt, zu dem auch “Uncle Boonmee” gehört. Jenes Projekt umfasst mehrere Videoinstallationen und Kurzfilme, die sich hauptsächlich mit der zugespitzten politischen Lage in Thailand auseinandersetzen, dessen Militär sich immer wieder ungesetzlicher Mittel bedient, um die Bevölkerung in Schach zu halten, deren stark ausgeprägte Spiritualität der Staatsgewalt ein Dorn im Auge ist. Weerasethakul siedelt seine Arbeiten in jenen kleinen Provinzen des Landes an, in denen Mitte der 60er-Jahre kommunistische Bauern im Auftrag der Regierung verfolgt und getötet wurden. Auch in seinem neuen Werk, das im Grenzgebiet zwischen Thailand und Laos spielt, werden diese Konflikte anhand der Skepsis der Protagonisten in Bezug auf den Einsatz illegaler Einwanderer als Gastarbeiter und dem schlechten Gewissen Boonmees, an der Kommunistenhatz einst selbst aktiv teilgenommen zu haben, aufgegriffen. Die einzelnen Teile seines Projekts dienten Weerasethakul als persönliche Agenda sowie als Kompilation und Verwertung von visuellen Eindrücken, die er selbst als “Impressionen” bezeichnet.

Genau so wirkt sein neuer Film dann auch, wenn er seine zunächst chronologische Erzählung über einen Nierenkranken, der sich meditierend auf das Sterben vorbereitet, bis er seine Angst davor verliert, weil er den ewigen Kreislauf von Mensch und Natur, von Leben und Tod, als solchen akzeptiert hat, bar jeder filmischen Logik in einen aus animistischer Perspektive erlebten Fiebertraum münden lässt. Unter dem Einsatz sowohl zeitgenössischer, als auch klassisch fernöstlicher, sowie avantgardistischer Stilmittel entwirft Weerasethakul eine ureigene Form von Poesie, die die Regeln des Dramas in Bezug auf deren Einheit von Handlung, Zeit und Ort ignoriert. Ein dem buddhistischen Volksglauben entnommenes, zentrales Thema des Films ist die Wiedergeburt. Die Hauptfigur befindet sich auf der stetigen Suche nach dem optimalen Seinszustand, wobei Weerasethakul doppelte Böden entstehen lässt, wenn er die verschiedenen Schichten zwischen Dies- und Jenseits zusehends ineinander verschachtelt. Welche der vielen verschiedenen Lebensformen nun die Reinkarnation Boonmees ist, bleibt der Vorstellungskraft des Zuschauers überlassen: Vielleicht der Büffel, der in einem etwa dreiminütigen Prolog seinen Häschern davonläuft, eine gealterte Prinzessin, die an einer Quelle ihr deutlich verjüngtes Antlitz als Spiegelung im Wasser erblickt; oder aber der Wels, der selbiger Prinzessin zuerst Komplimente macht, bevor er sie unter Wasser oral befriedigt. Den Marsch zu der geheimnisvollen Dschungelhöhle montiert Weerasethakul mit zahlreichen Hell-Dunkel-Kontrasten. “Uncle Boonmee” handelt von der Bewertung von Erinnerungen und dem Abnabeln von allem irdischen Ballast. Die Geister im Film haben rotglühenden Augen, und sind deutlich zu sehen Schauspieler in einem Affenkostüm (eine Hommage an die Amateurhaftigkeit im asiatischen Monsterkino der 50er-Jahre). “Der Himmel wird überschätzt. Da ist nichts. Geister sind nicht mit Orten verknüpft, sondern mit Menschen.”, lehrt Huay, die sich auf der anderen Seite ihrer weltlichen Sorgen längst entledigt hat, ihren noch immer geliebten Mann.

Auf die Idee zum Film brachte Weerasethakul der Abt eines Klosters, der ihm von einem Mann namens Boonmee erzählte, der in seinen Tempel gekommen sei und ihm erklärt habe, wie er durch tiefe Meditation seine früheren Leben nochmals hätte durchleben können. Seinen Film realisierte der Regisseur dann mit minimalem Budget und Laiendarstellern - eine weise Entscheidung. “Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives” mag mit seiner mystischen Verschleierung und eigenwilliger Bildsprache beiweitem nicht bei jedem uneingeschränkte Anerkennung provozieren, Aufmerksamkeit aber auf jeden Fall - und das hat dieses aus westlicher wie fernöstlicher Sicht originäre, surreal-betörende Stück Kino, welches nicht frei von lieblichem Humor ist, ganz sicher verdient.

Eine Rezension von Christopher Michels
(26. Mai 2011)
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Daten zum Film
Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben Thailand, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien 2010
(Lung Boonmee raluek chat (englischsprachiger Festivaltitel in Cannes 2010: Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives))
Regie Apichatpong Weerasethakul Drehbuch Apichatpong Weerasethakul
Produktion A Kick the Machine Films/Illumination Films Kamera Sayombhu Mukdeeprom
Darsteller Thanapat Saisaymar, Jenjira Pongpas, Sakda Kaewbuadee, Natthakarn Aphaiwonk, Geerasak Kulhong
Länge 113 Minuten FSK ohne Altersbeschränkung
Kommentare zu dieser Kritik
Jeannette TEAM sagte am 28.05.2011 um 12:35 Uhr

Toller Kunstfilm! Entweder er langweilt, weil er nicht die gewohnten Strukturen bedient, oder er fasziniert, weil er anders ist als alles Andere. Ich fand ihn sehr sonderbar, im positiven Sinne.

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