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The Resident

The Resident

Ein Film von Antti Jokinen

Vor nunmehr 30 Jahren ging frühzeitig eine Ära zu Ende, in der neue, frische Ideen nicht nur auf dem Papier existierten. Die britische Filmgesellschaft Hammer Films konnte zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine stattliche Anzahl von blutigen, erinnerungswürdigen Horror- und Science-Fiction-Streifen zurückblicken, welche dank ihrer deutlichen Bildsprache die einstige Innovation (Horrorfilme der 1930er Jahre) um eine weitere bereichert hatten. Genaugenommen wurden die Hammer-Filme, die sich seit jeher als Mischung aus britischer Gothic-Tradition mit den blutigen Grausamkeiten des französischen Théâtre du Grand-Guignol verstanden, im Laufe der Jahre selbst zu einer solchen. So konnte auch der Konkurs des Unternehmens im Grunde nichts daran ändern, dass sowohl der erbrachte Verdienst für die Filmlandschaft als auch die mit Hammer Films verknüpften großen Namen die Zeit bis heute beinahe schadlos überdauert haben. Der selige Peter Cushing etwa (gest. 1994, „Frankensteins Höllenmonster“ [1974]) lebt in unser aller Erinnerung weiter, während ein weiterer Name aus der guten alten Zeit auch heute noch äußerst präsent (und aktiv!) ist: Hammer-Urgestein Christopher Lee („Dracula“ [1958]) fügt nämlich selbst im hohen Alter von fast 89 Jahren jedes Jahr und mit überaus bewundernswerter Regelmäßigkeit weitere Filmtitel zu seinem mit bisher 267 Filmen rekordverdächtigen Schaffen hinzu. Ein gl
ücklicher Umstand, welcher nun – Produzent John de Mol sei Dank – der endlich vollzogenen und all die Jahre herbeigesehnten Reaktivierung der berühmten Firma in gewisser Hinsicht das spinnwebenumsäumte Sahnehäubchen aufsetzt. Denn was wäre der erste neuproduzierte Hammer-Film nach fast 30 Jahren (der letztjährige „Let Me In“ war lediglich ein Remake) ohne das Comeback des einstigen Stammschauspielers? Mit Sicherheit weniger interessant. Ob auch ansonsten alles richtig gemacht wurde, muss sich jedoch erst noch zeigen.


Unsere Geschichte beginnt in Brooklyn, New York, wo wir die junge Ärztin Juliet (Hilary Swank) beim Umzug in ein neues Leben begleiten. Nach der Trennung von ihrem Mann (Lee Pace) erscheint da das geräumige Loft-Apartment, das sie besichtigt, wie geschaffen für einen Neuanfang, wird die junge Frau doch vom Hausherrn Max (Jeffrey Dean Morgan) und dessen Großvater (Christopher Lee) gleich überraschend freundlich empfangen und aufgenommen. Es könnte also eigentlich alles so perfekt sein. Doch die zahlreichen Anbandelungsversuche ihrers Vermieters lassen die nach wie vor bestehende emotionale Bindung zwischen Juliet und ihrem Ex-Mann so deutlich hervortreten, dass die Ärztin Max' immer unangenehmer werdenden Liebesbekundungen rigoros und bestimmt zurückweist. Ein Fehler, wie sich schon recht schnell zeigen soll. Denn als sich plötzlich beunruhigende Dinge zutragen, keimt in Juliet der unheimliche Verdacht, dass sie in ihren derart heimisch anmutenden vier Wänden doch nicht so allein ist, wie sie immer dachte...

The ResidentThe ResidentThe Resident

Eine Geschichte wie geschaffen für einen spannenden Abend. Und in der Tat lassen die ersten Filmminuten des Langfilmdebüts von Antti Jokinen, der zuvor unter anderem Musikvideos für Nightwish und Korn drehte, auf einen ebensolchen hoffen. Die komplett entfesselte Kamera des Oscargewinners Guillermo Navarro („Pans Labyrinth“ [2006]) folgt der zweifachen Oscargewinnerin Hilary Swank („Boys Don’t Cry“ [1999], „Million Dollar Baby“ [2004]) auf Schritt und Tritt und lässt trotz der noch vorherrschenden Schönheit der Bilder schon ein wenig erahnen, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Denn das, was die Kamera vollführt, ist genaugenommen die Zurschaustellung der Hauptprotagonistin, ihre Degradierung zum bloßen Anschauungsobjekt. Wenn Swank badet, sich abtrocknet und anschließend eincremt, dann bleibt der Fokus permanent auf ihr und lässt den Zuschauer, ohne dass er es beeinflussen könnte, zum absichtslosen Voyeur der Geschehnisse werden. Kurz darauf wird klar: all das passiert aus gutem Grund. Was wir so bildschirmausfüllend vor uns wahrnehmen, ist in concreto nichts weiter als das perverse Tagwerk eines kranken, besessenen Menschen, der Juliet nachstellt. Die Kamera visualisiert dieses schändliche Treiben lediglich für unsere Augen und erzeugt damit unweigerlich eine Wirkung, die unbehaglicher nicht sein könnte. Ein geschickter Kniff, der „THE RESIDENT“ so bereits zu Anfang die vielleicht stärksten Momente des gesamten Films beschert, deren Potential Jokinen im weiteren Verlauf jedoch leider nicht mehr vollends auszuschöpfen weiß.


Denn das, was eine mehr als intensive Auseinandersetzung mit dem weiten Thema der Obsession hätte werden können, versandet recht schnell in seinem eigenen Anspruch, innovativ zu sein. Dem guten Anfang folgen nunmehr beinahe im Akkord etliche optische Spielereien, eine eigentlich viel zu frühe Rückblende (die neben Bekanntem auch Offensichtliches als Überraschung präsentiert) und Szenen, die weniger wichtig sind, als sie zu sein vorgeben. Christopher Lee etwa erhält nicht den Hauch einer Chance, seinem Charakter in irgendeiner Art und Weise ein Profil zu verleihen, zu sehr hält sich das Drehbuch und die Inszenierung mit spärlich gesäten Informationen zurück, so dass das groß angekündigte Comeback des Urgesteins trotz respektabler Leistung zur mittelschweren Enttäuschung verkommt, die wenig bis gar nicht im Gedächtnis haften bleibt.


Für die undankbare Rolle des ominösen Ex-Manns Jack, im Rahmen des Möglichen gespielt von Lee Pace („Possession“ [2007]), gilt Ähnliches, verschwindet er doch so unvermittelt von der Bildfläche, wie er zuvor aufgetaucht ist. Daher obliegt es neben Swank vor allem dem männlichen Konterpart Jeffrey Dean Morgan („Supernatural“), den Film zu stemmen. Zwar bewegt sich das Niveau seiner dargebrachten Performance auf durchweg grundsolidem Terrain, nur nützt dies leider wenig, wenn die zugrundeliegende Geschichte trotz guter Ansätze im Nachhinein schlichtweg belanglos erscheint und die Darstellerleistung dementsprechend mit abwertet. Traurigerweise setzt „THE RESIDENT“ nämlich eine zunächst spannungsfördernd anmutende Inszenierung mit dem späteren Abstottern von altbekannten Genre-Klischees gleich, die – zugegebenermaßen – hübsch verpackt sind, jedoch keinesfalls verbergen können, dass Innovation wohl anders aussieht: style over substance lässt grüßen. So kulminiert die auf Zelluloid gebannte Angst vor Stalkern, die einst verheißungsvoll begann, in einem visuell gelungenen, jedoch durch die Bank vorhersehbaren Katz-und-Maus-Finale, dessen Ausgang nicht nur evident ist, sondern zu allem Überfluss auch noch viel zu früh den Abspann einleitet, mit dem zu diesem Zeitpunkt noch keiner gerechnet hat. Müßig zu erwähnen, dass bis hierhin mitreißende Spannung eher die Ausnahme war.

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Fazit: Eigentlich standen die Zeichen gut, doch „THE RESIDENT“ ist abseits der überaus gelungenen Kameraarbeit leider nur ein ansprechend inszenierter und mit zahlreichen Stilmitteln versehener Beitrag, der bei all der optischen Raffinesse irgendwie vergisst, zu dem Thriller zu reifen, der er gerne sein möchte. Zwar hat der Film durchaus seine Momente, kann diese aber nicht überzeugend in dem überraschend vorhersehbaren Gesamtgeflecht aus Liebe, Leidenschaft und Besessenheit verankern. Daher bleibt am Ende nur ein Flickenwerk aus einigen guten Ansätzen, formelhafter Inszenierung und namhaften Schauspielern zurück, was mehr als schade ist, da Debütant Jokinen mit etwas mehr Erfahrung in Sachen Spannungsaufbau sicherlich einen überdurchschnittlichen Film hätte kreieren können. So jedoch fristet die erwartete Geschichte ihr unrühmliches Dasein im Schatten einer dem Grunde nach guten Idee und wird ihrerseits zum stillen Beobachter.



Eine Rezension von Stefan Rackow
(24. Januar 2011)
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Daten zum Film
The Resident USA, Großbritannien 2010 / 2011
(The Resident)
Regie Antti Jokinen Drehbuch Antti Jokinen, Robert Orr
Produktion Hammer Film Productions Kamera Guillermo Navarro
Darsteller Hilary Swank, Jeffrey Dean Morgan, Lee Pace, Christopher Lee
Länge 87 Minuten FSK ab 16 Jahren
http://www.hammerfilms.com/productions/film/filmid/13/the-resident
Filmmusik John Ottmann

Rezensionsmuster freundlicherweise zur Verfügung gestellt von © Highlight Communications / © Constantin Film. Der Film ist ab dem 10. Februar 2011 auf DVD und Blu-ray im Handel, im Verleih bereits eine Woche früher erhältlich.
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