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Knowing

Knowing

Ein Film von Alex Proyas

„What happens when the numbers run out?“

Vorhersagen über die Zukunft und Prophezeiungen beschäftigen die Menschheit seit jeher. Während sie sich noch relativ einfach treffen lassen, steht ihr wirkliches Eintreten hingegen auf einem ganz anderen Blatt. So frotzelte etwa Gary Cooper nach seinem Entschluss, die Hauptrolle in „Vom Winde verweht“ [1939] nicht anzunehmen, Clark Gable würde nun an seiner statt böse auf die Nase fallen. Doch diese wenig weise Voraussicht sollte schon bald von einem lauen Lüftchen hinfort getragen werden, das selbst ein allsehender Wetterfrosch nicht hätte vorausahnen können. Niemand weiß eben, was wirklich kommt – oder?


1959 in Lexington, Massachusetts. Eine Schulklasse wagt das Experiment, ihre Vorstellungen einer Zukunft zu beschreiben, die in 50 Jahren Entfernung liegt, indem jeder Schüler, jede Schülerin seine respektive ihre Zukunftsvision als Zeichnung auf einem Blatt Papier festhält. Diese Zettel lagern dann gesammelt in einer sogenannten Zeitkapsel, welche erst 2009 im Beisein vieler Gäste wieder ausgegraben und geöffnet werden soll. Alle bis auf die kleine Lucinda (Lara Robinson) kommen der Aufforderung der Lehrerin (Danielle Carter) nach. Seltsamerweise ziert nämlich nicht ein Bild, sondern eine Zahlenreihe das Blatt der Kleinen, die selber nicht genau erklären kann, was sie da gerade wie unter Hypnose zu Papier gebracht hat. Richtig mysteriös wird es aber erst, als Lucinda plötzli
ch spurlos verschwindet und erst nach längerer Suche völlig verängstigt und zusammengekauert in einem Wandschrank der Schule aufgefunden wird, ihre Fingerkuppen blutig vom Kratzen an der Holztür. „Sie sollen aufhören zu flüstern“, wimmert das Mädchen immer wieder ins Gesicht ihrer Lehrerin, welche den Blick nicht abwenden kann von den Furchen an der Tür. Furchen, die sich als panisch eingekratzte Zahlen entpuppen...


2009. Die Zeitkapsel wird im Rahmen einer Feier im Beisein der Öffentlichkeit gehoben und jedem anwesenden Schüler eine der zu Papier gebrachten Zukunftsvisionen ausgehändigt. Caleb (Chandler Canterbury, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ [2008]), der Sohn des alleinerziehenden Astrophysikers John Koestler (Nicolas Cage, zuletzt zu sehen in „Bangkok Dangerous“ [2008]), erhält zufällig den Umschlag mit dem Namen Lucindas auf dem Kuvert. Berechtigterweise weiß der Junge mit der scheinbar willkürlich niedergeschriebenen Zahlenkolonne nichts anzufangen, was ihn aber nicht davon abhält, das Papier heimlich mit nach Hause zu nehmen, anstatt es am Ende der Feier der Schule zurückzugeben. So nimmt John Kenntnis von der Zahlenreihe – ein Mann, der nach dem Tod seiner Frau an nichts glaubt, außer dass alles „einfach so“ passiert. Punkt, Schluss, keine Diskussion. Eine Sichtweise, die bald auf eine harte Probe gestellt wird, entdeckt John doch in den Zahlen einen Code, der Unvorstellbares zutage fördert: Die schlimmsten globalen Katastrophen und Unfälle der letzten 50 Jahre finden sich datumsgenau und mit erschreckend präzisen Angaben über zu beklagende Opfer in den Zahlen wieder. Eine zahlengewordene Chronologie der bittersten Ereignisse in der Menschheitsgeschichte, aufgeschrieben zu einem Zeitpunkt, als diese Unglücke noch in weiter Ferne lagen! Und das Erschreckendste: drei Ereignisse, die bereits unmittelbar drohen und an deren Ende die größte aller Katastrophen stehen soll, sagt der Code noch voraus...

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Die unter Fans zu Kultfilmen avancierten düsteren Werke „The Crow – Die Krähe“ [1994] und „Dark City“ [1998] machten ihn in den letzten Jahren berühmt, doch richtiger kommerzieller Erfolg sollte Alex Proyas erst mit der Science-Fiction-Verfilmung „I, Robot“ [2004] beschert werden, die nun auch schon fünf Jahre zurückliegt. Fünf lange Jahre, in denen sich der gebürtige Ägypter rar machte, um an seinem nächsten Werk zu arbeiten, ihm den letzten Feinschliff zu verpassen. Vorweg sei verraten: auch in seinem jüngsten Werk ist eine Thriller-Handlung der Ausgangspunkt einer Kette von ominösen Ereignissen, die wiederum aus dem Science-Fiction- und Mystery-Genre entlehnt werden. Alles beim guten Alten also? Nur zu gerne würde man während des Sehens des Streifens einfach alle etwaigen andersdeutenden Vorzeichen wider aller Vernunft ignorieren und bejahend nicken. Doch „KNOWING“ – welch’ Ironie – weiß nicht immer das Potential der zugrunde liegenden Geschichte vollends auszuschöpfen und wird daher aller Voraussicht nach das Publikum in verschiedene Lager spalten. Schade eigentlich, denn der Film kann über den Großteil seiner knapp zweistündigen Laufzeit durchaus überzeugen, denn mehr als nur einmal kommen Proyas Stärken als Regisseur spannungsgeladener, atmosphärischer Werke zum Tragen.


Der Mysterythriller, dem die nicht einfach zu beantwortende Frage zugrunde liegt, wie weit ein Mensch für die Rettung seiner Liebsten gehen würde, wird von Kameramann Simon Duggan („Restraint“ [2008]) in apokalyptisch-düstere Bilder verpackt, was den Eindruck erwecken könnte, dass die Ausweglosigkeit der Ereignisse in den Vordergrund gerückt werden soll. Sicherlich drängt sich dieser Verdacht geradezu auf, handelt es sich doch um einen Film, der von erschreckenden Katastrophen und ihrer Wirkung auf die Menschheit berichtet. So tun bereits die kurz eingestreuten Bilder der Anschläge vom 11. September 2001 ihr Übriges, indem sie die schrecklichen Ereignisse zumindest für kurze Zeit wieder in unser aller Gedächtnis rufen und einen Gegenwartsbezug herstellen, der in Filmen dieser Art eher selten ist.


Plötzlich machen sich wieder Gefühle von Beklemmung und Hilflosigkeit breit – Gefühle, die auch den von Nicolas Cage verkörperten Charakter des John Koestler beuteln. Getreu dem Motto „Shit happens“ verliert sich der Astrophysiker in Selbstmitleid und Besorgnis um seinen Sohn. Erst der seltsame Zahlencode rüttelt ihn wach und lässt ihn neuen Mut schöpfen, da es eventuell doch möglich sein könnte, Schlimmeres zu verhindern, mithin Schadensbegrenzung zu betreiben. Es ist das intensive Spiel von Cage und seiner weiblichen Partnerin Rose Byrne („28 Weeks Later“ [2007]), das hier neben der Leistung der beiden Jungschauspieler Chandler Canterbury und Lara Robinson die augenscheinliche Hoffnungslosigkeit der Geschehnisse anderthalb Stunden lang etwas in den Hintergrund drängt und zumindest kurz Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufflammen lässt. Hoffnung, die jedoch gerade während der trotz kleinem Budget imposanten Effekt-Szenen auf eine harte Probe gestellt wird. Proyas zeigt sich nämlich wenig zimperlich, inszeniert schonungslos-spannend und ohne Rücksicht auf Verluste. Wahrlich ein kluger Schachzug in solch krisengeschüttelten Zeiten, in denen niemand weiß, was als nächstes droht. Aber kann dann überhaupt noch die Hoffnung Früchte tragen, wenn es selbst einem, der weiß, was passiert, nicht möglich zu sein scheint, das Schicksal abzuwenden? Es ist eben jene Unsicherheit, die den Grundpfeiler der Geschichte bildet und allmählich verdeutlicht, warum der Film so heißt, wie er heißt. Denn nicht etwa die Mystery-Komponente rund um „Flüstermenschen“, seltsame Steine und Prophezeiungen steht im Vordergrund, sondern die elementarste aller menschlichen Fragen: was für einen Sinn hat das Leben? Vor allem dann, wenn man um seine Zukunft weiß?

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Spätestens jetzt, mit den letzten 30 Minuten, wird leider auch der Teil des Films erreicht, der schließlich entscheiden wird, ob man „KNOWING“ über den bloßen Durchschnitt hinausheben kann, oder eben nicht. Denn religiöse Ansichten einem breiten Publikum schmackhaft zu machen, stellt nämlich immer ein riskantes Unterfangen dar, vor allem dann, wenn es sich um Grundfesten des Glaubens handelt. Klare Verhältnisse für Jedermann zu schaffen, ist schier unmöglich und jeder Versuch eigentlich schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt. Zu dumm, dass die Drehbuchautoren diesem Umstand mit Holzhammer-Symbolik und übertriebener Deutlichkeit entgegenzuwirken versuchen, anstatt einige Fragen einfach offen und damit der Phantasie jeden Zuschauers zugänglich werden zu lassen. So jedoch beißt sich die sprichwörtliche Katze hier mal wieder selbst schmerzhaft in den Schwanz, wird doch der bittere Nachgeschmack der meisten Zuschauer am Ende des Films gerade aus dem Umstand resultieren, dass der Zuschauer von jeder Form der eigenen Vorstellungskraft freigesprochen und im Gegenzug mit religiöser Symbolik in Reinkultur beinah erschlagen wird.


Untermalt von einem Soundtrack aus der Feder von Marco Beltrami („Terminator 3 - Rebellion der Maschinen“ [2003], „Stirb langsam 4.0“ [2007]), der gerade in den ruhigen Momenten nicht immer den richtigen Ton trifft, steuert das apokalyptische Geschehen somit einem (hoffnungsvollen?) Ende entgegen, das zwar mit Genre-Konventionen bricht, jedoch ob seiner gewaltsam eingetrichterten Moral von der Geschicht’ eben nicht den erwarteten Sonnenaufgang nach all der vorherrschenden Düsternis präsentiert. Auch wenn der bloße Entschluss, eben kein Happy End im herkömmlichen Sinne zu bieten, uneingeschränkt zu begrüßen ist – stellt er doch eine Neuerung im bereits breitgewalzten Katastrophenfilm-Genre dar –, ist hier letztendlich dennoch eine Wahrheit zu bemühen, die ausgelutschter nicht sein könnte: Ein Weniger kann durchaus ein Mehr sein.


Und das, liebe Filmemacher, hätte man doch ausnahmsweise auch vorher wissen können, oder?

Eine Rezension von Stefan Rackow
(22. April 2009)
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Daten zum Film
Knowing USA, Australien 2009
(Knowing)
Regie Alex Proyas Drehbuch Alex Proyas, Ryne Douglas Pearson, Stuart Hazeldine, Juliet Snowden, Stiles White Story Ryne Douglas Pearson
Produktion Todd Black, Jason Blumenthal, Steve Tisch (Summit Entertainment und Escape Artists) Kamera Simon Duggan
Darsteller Nicolas Cage, Chandler Canterbury, Rose Byrne, D.G. Maloney, Lara Robinson, Nadia Townsend, Adrienne Pickering, Ben Mendelsohn, Danielle Carter, Alethea McGrath
Länge 122 Minuten FSK ab 12 Jahren
http://www.knowing-derfilm.de/
Filmmusik Marco Beltrami
Visuelle Effekte BUF und Animal Logic

Bilder: © 2000-2009 Concorde Filmverleih GmbH
Kommentare zu dieser Kritik
Renee TEAM sagte am 24.04.2009 um 21:04 Uhr

Wirklich schwierig, "Knowing" zu bewerten. Genauso wie Nicolas Cage sich mit seiner Leistung auf und ab bewegt (glücklicherweise gab es nur einige wenige kleine Ausreißer nach unten - der Mann hat aber schonmal besser geweint), so hat der Film unterschiedlichste Gefühle bei mir hervorgerufen. Der Teaser war vielversprechend und hat wirklich Lust auf den Film gemacht. Doch eine musikalisch völlig misslungene Szene setzte kurz darauf einen ersten Dämpfer. Dann ging es fast ausschließlich spannend und mitreissend weiter, bis der Schluss sich erzählerisch als völlige Katastrophe entpuppte. Schlimm, wenn man nach einem eigentlich guten Film doch mit einemdumpfen Gefühl leichter Enttäuschung aus dem Kino kommt, das eigentlich nur 3 Sterne vergeben möchte. Aber gut, dass man sich in aller Ruhe noch einmal Gedanken machen und den Film als Ganzes Revue passieren lassen kann. 30 verkorkste Minuten machen gute anderthalb Stunden schließlich nicht ungeschehen.
Anj TEAM sagte am 04.01.2010 um 23:30 Uhr

[Vorsicht! Ich spoiler rum!]

Hm, also ich glaube, ich kann mich einer Massenmeinung anschließen un sagen, dass das Ende die Qualität des Films doch deutlich nach unten reißt. Ich meine damit aber nicht einmal die letzten 30 Minuten des Films, sondern wirklich erst das Ende-Ende. Das biblische Bild der beiden Kids und den Häschen, die über ein Feld golgelber bizarrer Pflanzen auf einen ominösen Baum zurennen, um das inzestiöse Fortbestehen ihrer Art zu sichern (denn genau darauf wirds doch hinauslaufen, wenn die grauen Männchen nur zwei anstelle von vier oder vierhundert Kids retten). ;-)
Eine andere Lösung, bei der man nicht die Hände vor dem Kopf zusammengeschlagen hätte, wäre doch gewesen, die Story beim Aufbruch der Kids in dem Raumschiff zu belassen. Denn an dieser Stelle hätte man das ganze eben noch so drehen können, dass die beiden in der Welt dieser Fremdlinge weiter existieren werden und nicht ihre ganz eigene gründen sollen.
Die Richtung, die der Film zum Ende hin einschlägt, war zwar abzusehen, aber deswegen nicht weniger schade. Hier wäre ein Hollywood-typisches Weltrettungsszenario weitaus befriedigender gewesen.

3 Sterne. Und für die Hoppelhäschen gibts noch einen oben drauf ;-)

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