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The Rainbow Thief

The Rainbow Thief

Ein Film von Alejandro Jodorowsky

Der chilenische Autorenfilmer Alejandro Jodorowsky genießt einen besonderen Kult-Status unter jenen Cineasten, die vom Kino nicht zuvorderst einen narrativen Charakter einfordern und ist bekannt für seine surrealistischen Meisterwerke EL TOPO, THE HOLY MOUNTAIN und SANTA SANGRE. Jodorowsky, der sich schon lange Zeit aus dem Filmgeschäft zurück gezogen hat und mittlerweile erfolgreicher Autor angesehener Comic-Reihen und esoterischer Literatur ist, gilt als exzentrisch und unberechenbar – ein eitler Künstler, der sich nicht gerne in das eigene Werk reden lässt So stand sein bislang letzter Film von Beginn an unter einem schlechten Stern, fungierte Jodorowsky hier doch als Auftragsregisseur für den Produzenten Alexander Salkind. Während der unter vergleichbaren Bedingungen entstandene TUSK knapp zehn Jahre zuvor zum größten künstlerischen Debakel für seinen Regisseur wurde, ist ihm mit THE RAINBOW THIEF trotz diverser Abstriche ein sehenswerter und durchweg ansehnlicher Film gelungen. Zwar verfilmte Jodorowsky ein fremdes Drehbuch aus der Feder von Salkinds Ehefrau Berta Dominguez D., macht sich den Stoff aber spielend zu eigen und drückt dem Gesamtwerk unverkennbar seinen charakteristischen Stempel auf.

Zur Story: Der 80-jährige Millionär Rudolph (Christopher Lee) führt ein rauschhaftes Leben in einer bizarr dekorierten Villa, die er einzig mit seinen Dalmatinern bewohnt. Die Hunde füttert der alte Man
n liebevoll mit Champagner und Kaviar, die Erbschleicher aus seiner Verwandtschaft straft er mit kalter Verachtung. Als sich Rudolph einmal mehr eine Horde Prostituierte ins Haus bestellt, macht sein Herz die Anstrengungen nicht mehr mit. Er fällt ins Koma und hinterlässt seine möglichen Erben gierend auf das Vermögen ihres Verwandten. Als Universalerbe soll angeblich Rudolphs Neffe, der Prinz Meleagre (Peter O'Toole) eingesetzt werden, der von diesem Zeitpunkt an jahrelang auf das Ableben des Onkels wartet. Meleagre lebt in einer Kanalisation unter einer nicht näher benannten Stadt, an seiner Seite der freundliche Lebenskünstler und Trickbetrüger Dima (Omar Sharif). Dieser spekuliert auf einen Anteil am Erbe, doch dieser Traum zerschlägt sich bald. Rudolph hat wider Erwarten seine Besitztümer nicht dem Neffen hinterlassen sondern den Huren, die sich damit auch um die geliebten Hunde kümmern soll. Enttäuscht wendet sich Dima von Meleagre ab und irrt durch die Stadt, über die gerade ein verheerendes Unwetter einbricht.

Zähneknirschend musste Jodorowsky die Star-Allüren von Peter O'Toole ertragen denn über die Besetzung hatte der Regisseur keine Entscheidungsgewalt und musste sich den Stars vor der Kamera und den Produzenten im Rücken beugen. THE RAINBOW THIEF ist also eindeutig als Kompromiss zu verstehen, als der Versuch an Annäherung Jodorowskys an ein größeres Publikum. Dementsprechend mild ist die Bildsprache ausgefallen, die allerdings nackte Haut und reichlich krude Details berücksichtigt. Symbolisch aufgeladene Bildkompositionen, wie man sie aus dem Frühwerk des Chilenen kennt, treten stark in den Hintergrund um einer zugänglichen Geschichte Platz zu machen. Nichtsdestotrotz trägt der Film deutlich die Handschrift seines Machers und gibt vermittelt gleichzeitig eine Ahnung davon, was für prächtige Filme entstehen könnten, würde man Regisseuren wie Jodorowsky auch im Big Budget Bereich ihre Freiheiten zugestehen. Der knapp 10 Millionen Dollar teure Film ist mit großem Abstand die teuerste Produktion, bei der Jodorowsky jemals Regie führte – und so sieht er auch aus. Verschwenderische Dekors verwandeln jede Einstellung in ein vieldeutiges Mysterium, das opulente Produktionsdesign und die glühenden Farben entführen in eine völlig entrückte Parallelwelt. Wie für Jodorowsky typisch wird die Welt als Jahrmarkt visualisiert, bevölkert von Clowns, Pantomimen und Freaks. Auch THE RAINBOW THIEF schäumt über vor verspielten visuellen Finessen, für die der großartige Kameramann Ronnie Taylor (GANDHI, TOMMY, OPERA) verantwortlich zeichnete. Taylor erweist sich als echter Glücksgriff und bebildert die einfache Story, die bis zum letzten Drittel kaum Tempo entwickelt, mit grandiosen Aufnahmen.

Bei aller Schönheit vermag Jodorowskys letzter Film nicht jene suggestive Faszination zu wiederholen, die noch seinen voriges Werk SANTA SANGRE so bestimmend durchzogen hatte. Alles bleibt fremd und kalt, trotz der einfühlsamen Musikuntermalung bleibt der emotionale Zugang zu dieser filmgewordenen Zirkus-Show verwehrt. Nicht zuletzt liegt dies an der desaströsen Leistung von Peter O'Toole, in der sich die Unstimmigkeit zwischen Hauptdarsteller und Regisseur ausdrückt. Zur eigentlichen Hauptfigur wird ohnehin Dima, von Omar Sharif sensibel und sympathisch gezeichnet. Abgesehen von den darstellerischen Defiziten ist THE RAINBOW THIEF ein beachtlich runder, fantasievoller und technisch perfekter Fantasy-Film, der zu Unrecht ein Schattendasein führt neben den Kult-Klassikern des Regisseurs. Deren gedankliche Tiefe und Kompromisslosigkeit geht zwar verloren in dieser eher familienfreundlichen Geschichte, in der Bildgestaltung knüpft Jodorowsky aber direkt an frühere Werke an.

Eine Rezension von Marco Siedelmann
(25. November 2009)
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Daten zum Film
The Rainbow Thief Großbritannien 1990
(The Rainbow Thief)
Regie Alejandro Jodorowsky Drehbuch Berta Domínguez D.
Produktion Robert Taicher, Johannes Weineck, Vincent Winter, Alexander Salkind, Pierre Spengler Kamera Ronnie Taylor
Darsteller Peter O'Toole, Omar Sharif, Christopher Lee
Länge 90 Minuten FSK ab 12
Filmmusik Jean Musy
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