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Orgie des Todes

Orgie des Todes

Ein Film von Alberto Negrin

Orgie des Todes – was für ein Filmtitel! Der kracht, der ist schmierig, und sobald man den liest und sich für den Film interessiert fühlt man sich schon ein kleines Stück schmutzig. Genau so muss das bei diesen Streifen sein, nur leider haben die kreativen Titel dann halt eher begrenzten Bezug zum Film und seiner eigentlichen Handlung. Im Original heißt dieser Film dann auch regelrecht unspektakulär „Enigma Rosso“ (mein italienisch ist beschränkt, das dürfte aber sowas wie „Rotes Rätsel“ heißen). Der häufige englische Titel ist mit „Ring of Fear“ auch nicht nicht sonderlich bemerkenswerter, während der deutsche Alternativtitel „Das Phantom im Mädchenpensionat“ schon wieder ganz andere Qualitäten aufweist.

Orgie des Todes – das ist, um mal etwas voran zu kommen, der dritte und abschließende Teil der thematisch äußerst lose zusammenhängenden Schulmädchentrilogie, die mit „Das Geheimnis der grünen Stecknadeln“ (aka What have you done to Solange?) begann, und mit „Der Tod trägt schwarzes Leder“ (aka What have they done to our daughters?) ihren Mittel- und Höhepunkt fand, wobei die STECKNADELN ein fraglos exzellenter Giallo sind und in absehbarer Zeit hier wahrscheinlich auch mal näher unter die Lupe genommen werden. Die ersten beiden Filme stammen ja von Massimo Dallamano, der aber hier nur am Script mitges
chrieben hat. Mitgeschrieben deshalb, weil die imdb ganze sechs Autoren listet: neben Massimo Dallamano hatten noch Peter Berling, Marcello Coscia, Franco Ferrini, Stefanio Ubezio und Regisseur Altberto Negrin die Finger an der Schreibmaschine. Das kann entweder dazu führen, dass die vielen Köche durch die extensiven Überarbeitungen des Buches ein gutes Menü gekocht haben – oder eben der Brei verdorben wurde. Greifen wir es vorweg, „Orgie des Todes“ hat schon als eigenständiger Film dicke Schwierigkeiten, geschweige denn kann er mit den Vorgänger kann auch nur ansatzweise mithalten.
Orgie des TodesOrgie des TodesOrgie des Todes
Was haben die Autoren denn nun so zusammengeschrieben? Die Leiche von Angela Rosso wird aus dem Fluss gefischt – die Schülerin wurde mit einem stumpfen Gegenstand aufgeschnitten (hust) und ihr Körper anschließend in den Fluss geworfen. Inspektor Gianni Di Salvo nimmt zusammen mit Staatsanwalt Rotka die Ermittlungen auf. Schon bald stößt er auf mysteriöse Tagebuchaufzeichnungen von Angela, und die Spur führt sowohl ins Bekleidungsgeschäft von Parer Vicino als auch in das katholische Mädcheninternat, das Angela besuchte. Denn die Schülerinnen dort gehen nicht nur leidenschaftlich gerne zusammen duschen, sondern müssen alsbald auch um ihr Leben fürchten.

Mädchen im Internat, gemeinsames Duschen, ein geheimnisvoll Mörder, das altbekannte Thema des Prostitutions- und Mädchenhändlerrings, was will man mehr? Eine spannende Geschichte wäre ein guter Anfang, denn „Orgie des Todes“ ist wahrlich ein fürchterlich zerfahrener Film. Da merkt man die vielen Autoren, die alle am Script rumgeschrieben haben. „Orgie des Todes“ ist voll mit überflüssigen Szenen, die dann auch noch im völligen Nirgendwo enden. Besonders erwähnenswert wäre hier beispielsweise die Freundin von Inspektor Di Salvo, die scheinbar eine Kleptomanin ist. Das würde ja einiges an zwischenmenschlichem Konfliktpotential mit ihrem Lebensgefährten als Gesetzeshüter bergen, nur leider scheidet die Gute nach 2 ½ Auftritten sang- und klanglos aus der Handlung aus, ohne auch nur irgendwas zu ihr beigetragen zu haben. Und das und noch viel mehr kann eigentlich nicht im Endschnitt verzockt worden sein.

Qualitativ liegen im Vergleich zu den beiden Vorgängern auch Welten dazwischen! Wo die STECKNADELN ein absolut exzellenter und nur leicht sleaziger Giallo sind, und „Der Tod trägt schwarzes Leder“ ein absolut hochwertiger, exzellenter Krimi ist, ist dieser Streifen hier sleazige Exploitation von schon ziemlich unterem Niveau. Exemplarisch ist natürlich gleich der Anfang, als die Kamera in Großaufnahme über den toten nackten Körper von Angela Rosso fährt, und natürlich die selbstzweckhaften und ausführlichen Duschszenen der Schülerinnen – nicht dass das keinen Unterhaltungswert bieten würde, aber die vordergründige Intention davon ist völlig klar. Auch handwerklich ist das szenenweise arg im Ungrünen, es gibt ein paar holprige Schnitte Di Silvos Methode zur Enttarnung des Mörders ist auch äußerst fragwürdig. Überhaupt ist Di Silvo als Polizist völlig untragbar, Höhepunkt dürfte eigentlich sein, als er nachts ohne Erlaubnis erst ins Internat stürmt, um dann in den Schlafsaal der Schulmädchen zu stürmen. Mit Intelligenz ist der gute Herr allerdings sowieso nicht in übermäßigen Mengen gesegnet, was er eindrucksvoll unter Beweis stellt, als er spektakulär durchs Fenster aus einem brennenden Wohnwagen springt (der einem Verdächtigen gehört, was Di Silvo dazu nutzt, erst einmal da einzubrechen, sich ein paar Spiegeleier zu machen und anschließend ein gemütliches Nickerchen zu halten), anstatt einfach die Tür zu benutzen, die völlig frei von jeglichem Feuer ist.
Orgie des TodesOrgie des TodesOrgie des Todes
Die Geschichte ist also zu verwirrt, die Inszenierung holprig, und sonderlich spannend ist das ganze auch nicht. Fatalerweise kann selbst der Soundtrack von Meister Riz Ortolani diesmal nicht wirklich überzeugen, da er mit seinen unharmonischen Tönen viel besser zu einem waschechten Horrorfilm gepasst hätten. Richtig Giallo-mäßig mit ausschweifenden Mordszenen als spannenden Höhepunkt ist „Orgie des Todes“ leider auch nicht, während er als „Poliziesco“ zwar besser funktioniert, für dieses Genre aber zu wenig Schauwerte zu bieten hat – der Film ist nicht Fisch nicht Fleisch, was ironischerweise gut zu seiner zerfahrenen Gesamtstruktur passt. Punkten kann dafür das sehr zynische, wenn auch derbe unglaubwürdige Ende. Und dank einiger wahrhaft skurriler Szenen wie einem Verhör während einer Achterbahnfahrt kann man seine Lebenszeit auch sinnloser verschwenden. Dazu kommen noch weitere kleine Absurditäten: Fabio Testi macht sich auch mal Tee mit einer Katze auf den Schultern, und ein kleines Mädchen schenkt einer Schülerin, die mit zwei gebrochenen Armen im Krankenhaus liegt, eine Schachtel Pralinen mit den Worten „Hier, nimm!“. Ich habe gut gelacht!

Somit kann man „Orgie des Todes“ als den schmierigen kleinen Bruder von „What have you done to Solange?“ und „What have they done to our daughters?“ einigermaßen treffend bezeichnen. Der Film ist über lange Strecken so vordergründig schmutzig, dass man sich danach erstmal kalt duschen möchte, weil das Ganze auf einer Stufe niedrigen Niveaus doch ganz unterhaltsam war. Denn welches ernsthafte Argument will man gegen duschende Schulmädchen eines Internats schon vorbringen?

Orgie des Todes; so der Titel.
Blutjung, frühreif, und zu Tode gequält; so das Cover.
Brrrrrrr; so der Rezensent.

Eine Rezension von David Kugler
(01. April 2009)
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Daten zum Film
Orgie des Todes Italien, Deutschland 1978
(Enigma Rosso)
Regie Alberto Negrin Drehbuch Massimo Dallamano, Peter Berling, Marcello Coscia, Franco Ferrini, Stefanio Ubezio, Altberto Negrin
Produktion Central Cinema Company Film (CCC), Daimo Kamera Eduardo Noé
Darsteller Fabio Testi, Christine Kaufmann, Jack Taylor, Fausta Avelli, Ivan Desny
Länge 81:13 FSK ungeprüft
Filmmusik Riz Ortolani
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