Filmkritiken - von Independent bis Hollywood
 
2008 Filmkritiken | 10468 Personen | 3323 Kommentare  
   
Bitte wählen Sie

Email

Passwort


Passwort vergessen

> Neu anmelden

Auch interessant



Je t¬īaime moi non plus
von Serge Gainsbourg




Meist gelesen¹

1. 
Auf der Alm da gibt's koa S√ľnd  

2. 
Cannibal Holocaust (Nackt und Zerfleischt)  

3. 
Supernatural  

4. 
Troll Hunter  

5. 
Martyrs  

6. 
Antik√∂rper  

7. 
Das Zeitr√§tsel  

8. 
Harry Potter und der Orden des Ph√∂nix  

9. 
Andromeda - T√∂dlicher Staub aus dem All  

10. 
Midnighters  
¹ gilt für den aktuellen Monat

  FILMSUCHE
  Sie sind hier: Filmkritiken > Albert Pyun > Mean Guns - Knast ohne Gnade
Mean Guns - Knast ohne Gnade RSS 1.0


Mean Guns - Knast ohne Gnade

Mean Guns - Knast ohne Gnade

Ein Film von Albert Pyun

Gemeinhin gilt Albert Pyun als St√ľmper, seine Ausbildung ausgerechnet bei Akira Kurosawa als Treppenwitz in der Filmgeschichte. Nur eine verh√§ltnism√§√üig geringe Zahl an Zuschauern ist in der Lage, Pyuns durchaus vorhandenen Stilwillen und die Inszenierungsstrategie seiner B-Filme (meist im Action- oder Sci-Fi-Genre zu verorten) zu erkennen. MEAN GUNS geh√∂rt zu jenen Filmen im Gesamtwerk des geb√ľrtigen Hawaianers, die zumindest in Videothekenkreisen soliden Bekanntheitsgrad und entsprechende Beliebtheit im TV-Sp√§tprogramm genie√üen. Das Handlungsger√ľst bricht der Regisseur, dem nicht umsonst von aufmerksamen Kritikern avantgardistische Z√ľge unterstellt werden, auf leicht √ľberschaubares Minimum herunter, das in ganz √§hnlicher Form vom Regieduo Neveldine/Taylor (CRANK) h√§tte verfilmt werden k√∂nnen.

Eine Nacht vor der √Ėffnung einer modernen Haftanstalt (die so modern gar nicht aussieht und erst recht nicht nach einem Gef√§ngnis) mietet sich das omin√∂s-gesichtslose "Syndikat" das Geb√§ude um einen Wettkampf der besonderen Art zu veranstalten. 100 professionelle Killer treffen sich hier um vor Ort den Zweck des Zusammenkommens zu erfahren: Allesamt haben sie das Syndikat betrogen, was Stelvertreter Ice-T den versammelten Schwerverbrechern in einer kleinen arroganten Rede vorh√§lt. Nun sei es an ihnen zu beweisen, wer der "h√§rteste Motherfucker im Raum" ist - ein beachtliches Arsenal von Waffen und s√§ckeweise Munition regnet auf die Kandidaten herab
. Die letzten drei werden mit einer gigantischen Summe belohnt. Und schon beginnt das muntere Sterben...

Mit umst√§ndlichen Nebenplots oder gar Charakterisierungen h√§lt sich der Film gar nicht erst auf: Jede einzelne Figur bleibt hauchd√ľnne Folie ohne weitere spezielle Funktion. So r√ľhrt der Tod dutzender Menschen im Minutentakt zu keiner Zeit, was nicht weiter verwunderlich w√§re im h√§ufig von Zynismus durchtr√§nkten Direct-to-Video-ctionfilm: Eher erstaunt da schon die wirklich vollst√§ndige Abwesenheit jeder Identifikations- oder Heldenfigur. Keiner, nicht mal Highlander Christopher Lambert, kommt hier sauber weg, ist etwa trotz seines Killerdaseins ein aufrichtiger Mensch. Im Gegenteil, hat Lambert in einem R√ľckblick kein Problem damit, gleich mehrere M√§nner vor den Augen seiner kleinen Tochter niederzum√§hen und dies obendrein mit den Worten "sie h√§tten es allesamt verdient" abfertigt.

In dieser Filmwelt regiert allein das Recht des St√§rkeren, ein jeder ist auf pers√∂nlichen Vorteil und finanzielle Interessen bedacht. Da nur Bad Guys die Szenerie bev√∂lkern machen die vielen religi√∂s motivierten Symbole erst Recht Sinn. Das steril anmutende Gef√§ngnis samt Innenhof bleibt der einzige Schauplatz des Films, in dem sich die gesamte Handlung (bis auf wenige Flashbacks und sonstige Einsch√ľbe) abspielt. Es erinnert in Grundz√ľgen an die bizarre "Geschlossene Gesellschaft" von Jean-Paul Sartre, hat es doch einen √§hnlich gleichnishaften Charakter wie die dort beschriebene H√∂lle in einem kargen Hotelzimmer. F√ľr Pyun ist die Arena, zu der die Haftanstalt f√ľr eine Nacht wird, eine Art Fegefeuer, in der sich die b√∂sen Jungs bew√§hren k√∂nnen oder auch nicht. An den metallischen Kulissen muss jede Behaglichkeit abprallen, die oft spiegelglatten Oberfl√§chen reflektieren glei√üendes Licht.

Ein Abstieg in den Keller wird in aggressivem Rot ausgeleuchtet und ist unschwer als Aufgang zur H√∂lle zu identifizieren w√§hrend Rapper Ice-T in gewohnter Prolligkeit zwischen Gottfigur, Satan und einem personifiziertem Tod einzuordnen ist. Er spielt mit Vorliebe Schach, redet wirres metaphysisches Zeug, tr√§gt ein dickes Kreuz um den Hals und beobachtet das Geschehen mit sardonischem Vergn√ľgen die meiste Zeit an den Bildschirmen der √úberwachungskameras. Die dringen mehrfach in Bereiche vor, die sie unm√∂glich filmen k√∂nnten, unvermittelt nehmen die √úberwachungsbilder die gleiche filmische Struktur an wie der restliche Streifen. Genauso wie der Tod am Ende von Ingmar Bergmans DAS SIEBENTE SIEGEL keine befriedigenden Antworten auf die Sinnfragen liefern kann, so stellt sich auch Ice-T zuletzt als machtlose Schachfigur f√ľr das Syndikat heraus - ein Schicksal, dem er sich mit m√§rtyrerhafter Grimmigkeit bereitwillig stellt.

Handwerklich ist Pyuns Film solide ausgefallen (kein Wunder bei der jahrelangen Erfahrung seines Regisseurs), ohne merklich nach oben oder unten auszuschlagen. Zwar st√∂ren die aufdringlichen Versuche auf den Tarantino-Zug aufzuspringen anf√§nglich gewaltig, doch legt sich dieser eher deplatzierte Ansatz gl√ľcklicherweise schnell. √úberzogene Trivialdialoge gibt es dann nicht mehr zu h√∂ren, betont cooles Gangsterauftreten ebenfalls nicht - nur die bisweilen sehr zynisch eingesetzte Mambo-Musik zieht sich als irritierender Soundtrack bis zum Finale durch den Film. Trotz des gewaltig hohen Bodycounts sollte man sich aber kein Shoot-Out-Ballett in der Tradition von John Woo versprechen; zu begrenzt die Mittel, mit denen der Film arbeiten muss aber auch viel zu unterschiedlich sein Umgang mit der gezeigten Gewalt. Diese zeigt ihre vielen brutalen Spitzen nur aus der sicheren Entfernung und bis auf eine unbedeutende Ausnahme wird √ľber die gesamte Laufzeit nicht ein einziger Spritzer Blut vergeudet. Gestorben wird hier vollkommen clean, spektakul√§re Stunts und Explosionen bleiben aus und selbst die R√§umlichkeiten und deren sp√§rliche Einrichtung bleiben unbeschadet.

Leider entschlie√üt sich das hauchd√ľnne Drehbuch schlie√ülich doch noch, so etwas wie Licht auf die Pappfiguren zu werfen, die sich da gegenseitig umballern und zu allem √úberfluss versucht der ansonsten plotlose Film streckenweise wiederum, fragmentarisch so etwas wie eine Story zu entwerfen. Diese wenigen Ausf√§lle bleiben aber Ausnahmen in einem Actionfilm, der deutlich die Handschrift seines Machers tr√§gt, der es hier geschafft hat, einem fremden Skript den eigenen Stempel aufzudr√ľcken.

Pers√∂nliche Anmerkung: Ein guter Freund z√§hlt MEAN GUNS zu seinen pr√§genden filmischen Kindheitserfahrungen (beliebigen Witz bitte hier einsetzen) und hat daher die DVD ans Tageslicht gezerrt. Danke daf√ľr.

Eine Rezension von Marco Siedelmann
(30. Juni 2010)
Mean Guns - Knast ohne Gnade bei Amazon.de kaufen    Mean Guns - Knast ohne Gnade bei ebay.de ersteigern


Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

Daten zum Film
Mean Guns - Knast ohne Gnade USA 1997
(Mean Guns)
Regie Albert Pyun Drehbuch Andrew Witham
Produktion Tom Karnowski, Gary Schmoeller Kamera George Mooradian
Darsteller Christopher Lambert, Ice-T, Deborah Van Valkenburgh, Michael Halsey
Länge 105 Minuten FSK ab 18
Filmmusik Anthony Riparetti
Kommentare zu dieser Kritik

Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

 

Impressum