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Die Unbestechlichen

Die Unbestechlichen

Ein Film von Alan J. Pakula

(USA, 1976)


"This is America, you live in it, you let it happen."
(Thomas Pynchon, 'The Crying of Lot 49')


"I wonder who they are / The men who really run this land / I wonder why they run it / With such a thoughtless hand"
(David Crosby, 'What Are Their Names')


"The list of people involved is longer than anyone can imagine."


Vielleicht ist es die stillste Explosion der Filmgeschichte. Sie passiert dort, wo eigentlich nie etwas spannendes passiert. In einem Parkhaus, nachts. Ein unerfahrener Reporter und ein Mann im Schatten, der unerkannt bleiben muss. Was zwischen den beiden geschieht, was der eine dem anderen zu sagen hat, sprengt die Grenzen des Alltäglichen. Es geht um den größten politischen Skandal der US-Nachkriegsgeschichte.

Seit 2005 weis die Welt, wer 'deep throat', der Geheimnisvolle aus dem Parkhaus war. Es hieß Mark Felt, war langjähriger Arbeiter im FBI und verriet sein Geheimnis erst kurz vor seinem Tod. Ohne ihn hätte es vielleicht keinen Watergate-Skandal gegeben und die Menschen wären ahnungslos geblieben. Und ohne All the President's Men (Die Unbestechlichen, 1976) wäre die Welt um einen ihrer größten Kinoklassiker ärmer.

An dieser Stelle greift wirklich der alte Spruch, dass dieser Film und seine Botschaft heute noch so aktuell sind wie damals. Auch heute gibt es viele Menschen, deren
Gewissen es nicht erlaubt zu schweigen. Ohne Bradley Manning und Edward Snowden wüssten wir nichts über den Überwachungswahn westlicher Geheimdienste, der Orwellsche Ausmaße annimmt. Die Preisfrage bleibt jedoch, ob die Geschichte vom Watergate-Skandal zu einem Relikt wird, weil ein Geheimnisverrat im Dienste der höheren Moral immer schwieriger wird. Oder weil man zum Dank, mit Absegnung des Friedensnobelpreisträgers Barack Obama, lebenslänglich im Knast, oder beim lupenreinen Demokraten Vladimir Putin im Exil landet.

All the President's Men wäre auch der geeignete Erziehungsfilm für eine wachsende Generation von Journalisten, die nicht mehr der Elite auf die Finger schauen, sondern so gerne Teil der Elite sein wollen. Die ihre Positionen und Botschaften nicht mehr hinterfragen und den Kontakt zum kleinen Mann immer mehr verlieren. Wenn diese Transformation erst mal abgeschlossen ist, wären Geschichten wie diese immer weniger vorstellbar.
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Erzählt wird die Geschichte der Washington Post-Redakteure Bob Woodward (Robert Redford) und Carl Bernstein (Dustin Hoffmann), die den Watergate-Skandal aufdecken. Es beginnt mit einem Routinetermin im Gericht, einem goldenem Augenblick eines Reporterlebens, den die allermeisten niemals erleben. Ein kleiner Augenblick, der den Stein ins Rollen bringt.

Vom Einbruch ins Wahlkampfquartier der Demokraten bis zur Aufdeckung von illegalen Wahlkampfspenden und Abhöraktionen, Veruntreuung und Korruption in großen Stil, ist es ein langer und mühsamer Weg. Hilfreich sind vor allem die Tipps von Woodwards geheimer Quelle, die er wegen seiner tiefen Stimme 'deep throat' (Hal Holbrook) nennt.

Woodward und Bernstein, zwei relativ kleine Lichter der Zeitung, kämpfen dabei gegen Windmühlenflügel. Gegen die mächtigen Republikaner, die mit Nixon den Präsidenten stellen, bestens vernetzt mit den Schalthebeln der Macht. Gegen eine ungläubige Öffentlichkeit, die sich ein solches Ausmaß an Korruption nicht vorstellen mag. Und nicht zuletzt gegen Widerstände im eigenen Haus und Kollegen, die ihnen die Story wegnehmen und erfahreneren Redakteuren weiterreichen wollen.

Auch Woodward und Bernstein sind sich zuerst nicht grün und wachsen erst nach und nach zu einem Team zusammen. Denn sie wissen: Sie haben nur sich, ihren Hunger, ihre Integrität. Und die Schützenhilfe des knurrigen Chefredakteurs Ben Bradlee (Jason Robards), ein Schlachtross aus dem Bilderbuch der unbeugsamen Vierten Gewalt. ("Er hasst es, wenn von Glück die Rede ist statt von harter Arbeit.")

Es ist ein mühsamer Weg, der wenig mit üblichem Spannungskino zu tun hat. Regisseur Alan J. Pakula und Redford als mitausführender Produzent waren sich einig, aus diesem Stoff kein übliches Hollywood-Theater zu machen. Es gibt keine Leichen, keine Verfolgungsjagden, nichts mal eine lausige Schlägerei. Es geht 'nur' um politische Korruption und investigativen Journalismus.

Und das brachte Pakula authentisch auf die Leinwand. Ein Verdacht hier, ein bisschen Eins-und-Eins-zusammenzählen dort. Dazwischen: Zahllose Telefonate, endlose Interviews und mühsame Spurensuche in Archiven und Aktenbergen. Fragen, wühlen, schnüffeln. Kein Ergebnis? Noch mal fragen, tiefer wühlen, noch mehr schnüffeln. Wenn die Spur im Sand verläuft: Immer weiter, immer weiter.
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Die Materie ist nicht einfach. So unspektakulär die Handlung aussieht, so bedachtsam muss man ihr folgen. Wer den Faden verliert, sieht bei all den Namen und Spuren bald den Wald vor Bäumen nicht mehr. Zweieinhalb Stunden lang. Dabei interessiert sich das Drehbuch nicht für die Menschen hinter den Positionen. Woodward und Bernstein sind Journalisten, und als nichts anderes sehen wir sie von der ersten bis zur letzten Minute. Kein Privatkram, keine Gefühle. Ihre Wohnungen sehen aus wie unaufgeräumte Hotelzimmer. Das einzige, was man persönlich nennen könnte, sind die Papierberge, die Arbeit, die sie sich aus der Redaktion mit nach Hause nehmen. Helden der Arbeit.

Pakulas Regie steckt voller Symbolik. Zum Beispiel in der berühmten Einstellung, in der die beiden Reporter in der Kongressbibliothek Zettel zählen, eine mühsame Schweinearbeit, und die Kamera dabei immer weiter von ihrem Tisch zoomt. Am Ende gibt sie den Blick auf die ganze Lesehalle frei und zeigt uns das Labyrinth, in das Woodward und Bernstein gerade eingetreten sind. Oder wenn sie sich auf dem Weg zum Interviewmarathon machen und ihr Auto als einziges Gefährt die Straße hinauf fährt, während auf der Gegenspur alles im Stau steckt, sie quasi gegen den Strom schwimmen.

Im Parkhaus ist es trotz Beleuchtung so dunkel wie in der finstersten Nacht. Holbrook ist in seiner Rolle als geheimer Informant fast nur im Schatten zu sehen. Völlig klar, an diesem Ort gären die Geheimnisse, die den Glauben an die heile Welt erschüttern. Wie grell dagegen das Licht der Bürolampen in den Redaktionsräumen von der Decke brät. Ein Großraumbüro ohne Trennwände. Egal was einem während der Arbeit passiert, wer wen gerade zur Sau macht, die ganze Truppe kriegt es mit. Völlig klar, an diesem Ort werden die Geheimnisse ans Licht gezerrt, aufgeschrieben und gedruckt. (Aber nie vergessen: Zwei Bestätigungen aus mindestens zwei unabhängigen Quellen!)

Auch die Akustik ist bedeutungsgeladen. Es beginnt bereits beim Vorspann, wenn die Leinwand noch schwarz ist und nur das Knacken eines Dietrichs zu hören ist (der Einbruch ins Watergate Hotel). Die Wahrheit dringt zu uns, dem Zuschauer, durch. Leise, aber unaufhaltsam.

Und am Ende sieht man Richard Nixon im Fernseher. Noch lacht er, noch donnern die Kanonenschüsse. Aber im Hintergrund schreiben Woodward und Bernstein einfach weiter, unbeirrt und unerschrocken. Das Klappern der Schreibmaschinen übertönt bald den Fernseher, die Wahrheit ist stärker als die Lüge. Welch schöner Gedanke.
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Pakulas vorherige Filme sprachen eine dunkle Sprache. Klute (1971) und The Paralax View (Zeuge einer Verschwörung, 1973) fügten sich mit diesem Film zu einer Trilogie. Doch All the Presidents Men verströmte eine Zuversicht, die nicht typisch war für die Paranoiaalpträume des New Hollywood. Zum Filmende ist der Skandal nicht komplett aufgedeckt (auch das war mutig), noch bleibt Nixon im Amt, aber es ist alles nur eine Frage der Zeit.

Bei diesem Film ist der Weg das Ziel: Der Sinn besteht nicht darin, am Ende zwei strahlende Helden zu präsentieren. Im Gegenteil. Kurz vor Ende, bei der letzten Unterredung mit Bradlee (selbst im Morgenmantel verliert er nicht seine natürliche Autorität) steht fast alles nochmal auf der Kippe. Er bläut den beiden ein: Ihr habt die Suppe bestellt, jetzt löffelt sie aus. Macht weiter, bleibt am Ball, es geht um viel.

Der Sinn dieses Films ist zu zeigen, dass das Suchen nach der Wahrheit Kraft und Ausdauer erfordert. Und dass sich das alles lohnen kann.


Nachtrag, der Erste: Es gibt Menschen, die verfügen über ein beeindruckend stabiles Weltbild. In Redfords Dokumentation All the Presidents Men Revisited (2013) verdrückt Nixons ehemaliger Redenschreiber Ben Stein eine Träne: „Kein Präsident wurde jemals so ungerechtfertigt verfolgt wie Nixon. Für mich ist er ein Heiliger.“

Ben Stein war übrigens nicht nur Teilzeitschauspieler (zum Beispiel als Wirtschaftskundelehrer von Ferris Bueller), sondern an der Montgomery Blair High School Klassenkamerad von Carl Bernstein. Jawoll, so lustig kann das Leben manchmal sein.

Nachtrag, der Zweite: Im August 2013 kaufte Amazon-Präsident Jeff Bezos die Washington Post für 250 Millionen Dollar. Ich sehe es schon vor mir: "Kunden, denen diese Enthüllungsreportage gefiel, kauften auch...".

Eine Rezension von Gordon Gernand
(19. Dezember 2014)
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Daten zum Film
Die Unbestechlichen USA 1976
(All the President's Men)
Regie Alan J. Pakula Drehbuch William Goldman
Produktion Warner Bros., Wildwood Enterprises Kamera Gordon Willis
Darsteller Robert Redford, Dustin Hoffman, Jason Robards, Jack Warden, Martin Balsam, Hal Holbrook, Meredith Baxter
Länge 138 Min. FSK
Filmmusik David Shire
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