Oft halten Exploitationfilme nicht was sie im Titel oder auf dem Kinoplakat versprechen.
„Strip Nude For Your Killer“ (was für ein Titel!)kann man zu dieser Kategorie absolut nicht zählen.
Was bei einem Blick auf den Regiestuhl allerdings auch nicht weiter verwundert.
Der wird nämlich von Mr. Andrew White aka Andrea Bianchi höchstpersönlich besetzt.
Der Regieberserker ist Genrefans wahrlich nicht als Kind von Traurigkeit bekannt und verdingte sich im Lauf seiner Karriere mit Perlen des schlechten Geschmacks wie der Horrorschmonzette „Malabimba-Komm und machs mir“.
Auch mit „Strip…..“ bleibt er seiner Linie treu und inszeniert einen routinierten Giallo der zwischen Sleaze und Thriller balanciert.
Wobei Bianchi letztlich weniger an der eher straighten Whodunit-Handlung als an der Zuschaustellung weiblicher Reize gelegen ist.
Passend dazu hat er sich 2 der damals angesagtesten Eurobeauties mit ins Bett geholt: Edwige Fenech („Der Killer von Wien“ , „Die Farben der Nacht“) und Femi Benussi(„Der Mafiaboss“,“Killer must kill again“).
Die gute Edwige ist Chefin einer Modelagentur. Nino Castelnuovo(„Massacre Time“) spielt einen schlitzohrigen Fotografen, dem sein Job etwas zuviel Spaß zu machen scheint und der sich für seine harte Arbeit oftmals in Naturalien ausbezahlen lässt.
Das Glück in der Agentur währt jedoch nicht lange: Denn unbarmherzig schlägt immer wieder ein maskierter und genretypisch ganz in Schwarz gewandeter Killer zu, der offenbar die gesamte Belegschaft der Agentur hinmetzeln will, jedoch nicht bevor seine Opfer sich ein letztes Mal für ihn entblättert haben……..
So weit so schmutzig.
Überraschenderweise fällt jedoch die Handlung weitestgehend stringent und sogar gut nachvollziehbar(!) aus - wie man Sex und Crime wesentlich schlechter und abstruser miteinander verquicken konnte, zeigte „Slaughter Hotel“ von Bianchis Kollegen Fernando di Leo.
Anspruchsloser Trash ist „Strip………“ aber natürlich dennoch und eine Vielschichtigkeit wie bei anderen Gialli ( in der Machart Argentos) darf man sich auch nicht erwarten - aber Bianchis kleiner, dreckiger Film will sowieso nur eines : unterhalten.
Und diesem Anspruch wird der Film mehr als gerecht und hält gleichzeitig allen im Vorfeld gehegten Erwartungen stand : Zumindest wenn man etwas für den typisch- italienischen 70er Jahre Schundfilm übrig hat.
Der hohe Spaßfaktor liegt auch an den schnoddrig-pointenreichen Dialogen und One-linern (Kostprobe gefällig: "I'm too hot to be a corpse, baby!“ -Zitat eines der todgeweihten Models) und den ausgefallenen Kameraeinstellungen, die die zeittypisch-groovy Ausstattung ins rechte Licht rücken.
Man merkt, dass der gesamte Cast Spaß am Dreh hatte, besonders Castelnuovo scheint aufzublühen (kein Wunder).
„Strip……“ als guten Film(im eigentlichen Sinne) zu beschreiben, ginge vermutlich zu weit aber sieht man ihn als das was er ist – nämlich als reinen Exploitationfilm - müsste man ihm fast 6 Sterne geben.
Eurokultfans sollten sich diesen Streifen (den es jetzt neu als ungeschnittenes Release vom englischen Label Shameless Films gibt) nicht entgehen lassen- die Giallo-Sammlung wäre sonst um einen der trashigsten, aber zugleich unterhaltsamsten Vertreter ärmer.